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Ist Lionel Messi endgültig der GOAT?

Lionel Messi hat sich mit einem starken Auftritt aus dem argentinischen Nationalteam verabschiedet. Verlässt der grösste Fussballer aller Zeiten diese Bühne? Unsere Redaktoren Younes Hdk und Andy Maschek sind unterschiedlicher Meinung.

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Lionel Messi – zweifellos einer der besten Fussballer aller Zeiten. © IMAGO / Newscom / GDA

Younes Hdk sagt JA

Noch vor drei Monaten hätte man über diese These vielleicht diskutieren können. Heute gibt es für mich daran nichts mehr zu rütteln: Lionel Andrés Messi Cuccittini ist der grösste Fussballer aller Zeiten.

Allein seine Titelsammlung spricht für sich. Messi hat praktisch alles gewonnen, was es im Vereinsfussball und mit der Nationalmannschaft zu gewinnen gibt. Dazu kommen acht Ballon-d’Or-Trophäen und Rekorde, die wohl noch sehr lange Bestand haben werden – darunter die meisten Tore innerhalb eines Kalenderjahres und die meisten Treffer in einer Saison. Schon auf dem Papier hatte Messi damit starke Argumente auf seiner Seite. Nimmt man dann noch sein einzigartiges Talent und die pure Magie hinzu, die er mit dem Ball am Fuss verkörpert, gibt es eigentlich nur einen, der ihm in dieser Hinsicht das Wasser reichen kann: Diego Maradona.

Doch diese WM 2026 hat endgültig eine Grenze zwischen Messi und allen anderen gezogen. Was Leo dort mit 39 Jahren – und nach mittlerweile 22 Jahren als Profi – geleistet hat, war schlicht unmenschlich. So etwas hat dieser Sport noch nicht gesehen. La Pulga war nicht einfach nur gut. Er hat Argentinien praktisch bis ins Finale getragen. Und dort fehlte am Ende nur ein einziges Tor in der Verlängerung gegen eine der stärksten Mannschaften der Fussballgeschichte: das Spanien von Luis de la Fuente. Nach einem kräftezehrenden Turnier war irgendwann selbst für Messis beinahe 40-jährigen Körper die Grenze erreicht.

Wenn es um Langlebigkeit auf absolutem Weltklasse-Niveau geht, kommt niemand an ihn heran – vielleicht mit Ausnahme von Tom Brady im American Football. Messi hat drei Generationen von Weltklasse-Fussballern das Fürchten gelehrt. Von Zidane, Maldini und dem brasilianischen Ronaldo über Lampard, Robben oder Van Dijk bis hin zu Haaland, Bellingham und Mbappé: Sie alle mussten sich diesem Ausserirdischen irgendwann beugen. 22 Jahre an der Spitze. 22 Jahre, in denen Messi diesen Sport geprägt und über weite Strecken dominiert hat. Damit ist er längst mehr als nur eine Fussball-Legende. Er ist ein Monument – und steht für mich allein an der Spitze der Pyramide.


Aber wer soll ihm den GOAT-Titel überhaupt noch streitig machen? Maradona? Seine Jahre in Neapel sorgten dafür, dass er sich auf Vereinsebene nie dauerhaft mit der absoluten Elite des europäischen Fussballs messen konnte. Cristiano Ronaldo? Seine Bilanz mit Portugal – allen voran der fehlende WM-Titel – nimmt ihn für mich aus diesem Rennen. Pelé? Er hatte nie die Gelegenheit, sich in einer europäischen Topliga zu beweisen, wo die Leistungsdichte eine völlig andere war.

Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied: Lionel Messi vereint schlicht alle Kriterien, die sportliche Grösse ausmachen. Bei jedem anderen Kandidaten findet man irgendwo ein Fragezeichen. Bei Messi nicht mehr. Er ist derjenige, bei dem am Ende alle Argumente zusammenkommen. Lionel Messi ist der GOAT.

Andy Maschek sagt NEIN

Egal, welche Sportart im Zentrum steht: Am Ende steht man immer wieder vor der Frage, wer denn der (oder die) Grösste aller Zeiten war. Im Tennis wurde diese Diskussion mit den Namen Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic immer wieder geführt. Eine einzige Wahrheit gibt es aber nicht. Nicht in Einzelsportarten wie im Tennis, und schon gar nicht in einer Mannschaftsportart wie dem Fussball, wo man auch auf seine Kollegen angewiesen ist, um glänzen zu können.

Die GOAT-Debatte im Fussball wird mittlerweile auf ein Duell zwischen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo reduziert. Das bedeutet auch, dass frühere Stars wie Pelé, Diego Maradona, Cruyff oder Di Stefano ebenso vergessen werden wie Zidane, der «brasilianische Ronaldo» oder Ferenc Puskas. Diese Fussballer haben zu ihren jeweiligen Zeiten brilliert, sind heute aber nicht mehr in aller Munde oder der breiten Masse präsent. Gerade dies ist ein Zeichen dafür, dass Messi und Ronaldo von der modernen Medienwelt profitieren, in der News oder auch vermeintlich interessante Informationen in Windeseile und weltweit verbreitet werden können und das Bewusstsein für einzelne Persönlichkeiten gestärkt wird.

Aber auch wenn wir uns auf die Frage «Messi oder Ronaldo» beschränken, muss die Antwort nicht zwingend eindeutig sein, obwohl Messi in diesen Tagen mit einem Tor und zwei Assists in seinem letzten Spiel für Argentinien für positive Schlagzeilen gesorgt hat, während Ronaldo nach seiner Abreise von der portugiesischen Nati wie ein schmollendes Kind dasteht. Denn in meinen Augen gibt es durchaus auch Argumente gegen den Argentinier.

Cristiano Ronaldo wurde in England, Spanien und Italien Meister und prägte drei der bedeutendsten europäischen Ligen. Messi erlebte seine erfolgreichsten Jahre bei Barcelona, in einem perfekt auf seine Fähigkeiten zugeschnittenen System und als Teil einer goldenen Generation. Xavi, Iniesta, Sergio Busquets, Neymar und Luis Suarez: Messi spielte in Barcelona über Jahre mit einigen der besten Fussballer seiner Generation zusammen. Besonders unter Pep Guardiola war die Mannschaft eine perfekt funktionierende Einheit. Bei Paris Saint-Germain dominierte er dagegen nicht. Messi hat vier Champions League-Titel in seinem Palmarès, Ronaldo kommt auf fünf. Und gerade in den entscheidenden K.-o.-Spielen war der Portugiese über Jahre hinweg eine Ausnahmeerscheinung.

Natürlich, der WM-Titel fehlt in der eindrücklichen Titelsammlung von Cristiano Ronaldo. Aber diese Lücke alleine an ihm festzumachen, wäre ebenso falsch, wie den Gewinn des WM-Titels der Argentinier alleine Messi zuzuschreiben. Der Argentinier ist möglicherweise der technisch begabteste Fussballer der Geschichte und verfügt über diverse Qualitäten. Aber bedeutet das automatisch, dass er auch der grösste ist? Wer beispielsweise Erfolge in unterschiedlichen Ligen und die Dominanz in der Champions League stärker gewichtet, kann guten Gewissens Ronaldo vorziehen. Wer die Bedeutung für eine ganze Fussballnation höher einstuft, wird vielleicht Pelé oder Maradona nennen. Und wer technische Brillanz, Kreativität und individuelle Rekorde ins Zentrum stellt, landet wohl bei Messi. Doch genau das zeigt: Die Antwort hängt davon ab, welche Massstäbe man anlegt. Messi gehört zweifellos zu den grössten Fussballern aller Zeiten. Aber ihn über alle anderen zu stellen, ist eine Meinung – keine unumstössliche Wahrheit.

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