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Zu früh verpflichtet oder zu lange zugewartet? Zwei Meinungen zum Lichtsteiner-Aus

Der FC Basel und Stephan Lichtsteiner sind nach einer siebeneinhalb Monate langen, grösstenteils enttäuschenden Zusammenarbeit geschieden. Am Ende überraschte Lichtsteiners Aus niemanden mehr, nicht wenige hätten den gebürtigen Luzerner bereits zum Ende der Vorsaison vor die Türe gestellt. Oder war Basels Hauptfehler der, überhaupt auf die Idee zu kommen, einen SL-Trainerrookie mit dem Amt als Cheftrainer zu betrauen? Unsere Redaktoren Patrick Y. Fischer und Andy Maschek sind sich nicht einig.

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Die Amtszeit von Stephan Lichtsteiner als Cheftrainer in Basel ist bereits wieder vorbei. © KEYSTONE/Georgios Kefalas

Patrick Y. Fischer sagt: Ja

Natürlich hätte der FC Basel Trainer Stephan Lichtsteiner bereits zum Ende der Saison 2025/26 entlassen können. Ja, vielleicht sogar entlassen müssen, so durchzogen war seine Bilanz nach nicht einmal einer gesamten Rückrunde beim FCB. Eigentlich gab es weder auf sportlicher noch auf sonst irgendeiner Ebene Argumente, die eine Weiterbeschäftigung des ehemaligen Nati-Captains rechtfertigten. Ausser diesem Punkt hier: Der FC Basel hatte Stephan Lichtsteiner im Januar mit einemtrag bis zum Sommer 2029 ausgestattet.

Um das Ganze noch etwas deutlicher aufzuschlüsseln: Die Basler Führungsriege um VRP David Degen hatte sich kurz nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Januar tatsächlich selbst davon überzeugt, dass es eine gute Idee sein könnte, die Verantwortung für den damals noch amtierenden Double-Sieger und Tabellen-4. (inkl. dem Ausnahme-Spieler der Liga) einem auf Profi-Niveau gänzlich unerfahrenen Trainer-Neuling zu übertragen. Und das gut 24 Stunden nach einem hochemotionalen 4:3-Auswärtssieg bei Erzrivale FC Zürich und wiederum nur 72 Stunden vor einem sprichwörtlich überlebenswichtigen Cup-Spiel in St. Gallen. Eine Ausgangslage, wie sie vermutlich auch deutlich erfahrenere Trainer nicht hätten meistern können.

Doch Stephan Lichtsteiner wagte den Sprung ins kalte Wasser – und ertrank auf wenig überraschende Art und Weise. Der Cup-Niederlage folgte eine Schlappe im Spiel der «letzten Meisterschaftschance» gegen Thun, gefolgt vom Aus in der Europa League gegen Viktoria Pilsen. Kaum eine Woche im Amt, war Lichtsteiner somit bereits angezählt und das, ohne wirklich viel dafür zu können. Dass sich der ehemalige Nati-Captain in den Wochen und Monaten darauf mit merkwürdigem Verhalten und nur bedingt nachvollziehbaren Entscheidungen keinen Gefallen tat, spielt da schon fast keine Rolle mehr.

Vielleicht hätte der FC Basel seine kolossale Fehleinschätzung des Winters in den letzten Wochen und Monaten noch einmal korrigieren können, wenn er sich mit maximaler Vehemenz und Überzeugung an die Seite seines schwach gestarteten Trainers (und gegen den einen oder anderen unzufriedenen Routinier im Kader) gestellt hätte. Doch das tat der Klub in sportlich herausfordernden Zeiten nicht, womit Lichtsteiners Schicksal besiegelt war. Den entscheidenden Fehler machten die Bebbi aber bereits ein gutes halbes Jahr zuvor, als sie sich irgendwann zwischen einer ernüchternden EL-Pleite in Salzburg und einem aufwühlenden Klassiker in Zürich dazu entschieden, auf der Trainerposition komplett neue Wege gehen zu wollen.

Andy Maschek sagt: Nein

Wie heisst es so schön? Wer A sagt, muss auch B sagen. Und das trifft in diesem Fall auch auf den FC Basel zu. Als die Klubführung um Präsident David Degen im Januar Stephan Lichtsteiner verpflichtete, wusste sie, worauf sie sich mit dem Engagement eines Profi-Rookies auf diesem Niveau einliess. Es war ein Risiko, dessen waren sich alle bewusst.

Rückblickend muss man sagen: Lichtsteiner war die falsche Wahl. Dass der langjährige Nati-Captain auch als Coach seine Qualitäten hat, steht für mich ausser Frage. Er weiss, was es für den Erfolg braucht, und hat in seiner Spielerkarriere viele Trainer erlebt. Er hat schon damals den Ehrgeiz und den unbedingten Einsatz für den maximalen Erfolg verkörpert, war ein Typ mit Ecken und Kanten.

Es sind Eigenschaften, die auch für einen Trainer vielversprechend sind. Deshalb bin ich trotz des Scheiterns in Basel der Meinung, dass Lichtsteiner auch als Trainer seinen Weg gehen und eine erfolgreiche Karriere haben kann. Der muss seine Lehren aus diesen Monaten in Basel ziehen und vor allem auch seine Kommunikation hinterfragen. Ein erfolgreicher Trainer beherrscht auch die Klaviatur der Öffentlichkeitsarbeit. Er beherrscht nicht nur die Technik auf dem Platz, sondern auch jene im Umgang mit den Medien und mit seinen Spielern. Und da offenbarte Lichtsteiner in seiner Basler Zeit gravierende Mängel. Er schaffte es ganz offensichtlich auch nicht, Xherdan Shaqiri für sich zu gewinnen. Und der Mann für die speziellen Momente ist für den Erfolg des FC Basel nach wie vor zentral.

Es war keine wahnwitzige Idee, Lichtsteiner trotz seiner geringen Erfahrung auf diesem Posten als Cheftrainer zu installieren. Es war vielmehr einen Versuch wert. Und in meinen Augen zeigten sich die Basler Verantwortlichen nun zu wenig geduldig. Natürlich, die Niederlagen gegen Lugano und Sion waren nachvollziehbare Gründe für eine Trainerentlassung. Gleichzeitig ist es eine Reaktion, wie man sie in der Vergangenheit vor allem beim FC Sion kannte.

Präsident Christian Constantin schaute zu oft zu stark auf den Totomat und verschliss Trainer um Trainer, wenn die Resultate mal zu wünschen übrig liessen. Es war kein probates Mittel, um mit seinem Klub erfolgreich zu sein. Mittlerweile steht Didier Tholot bei den Wallisern seit über drei Jahren an der Linie, hat nach 137 Spielen im Durchschnitt 1,72 Punkte gewonnen und liegt mit seinem Team in der Tabelle auf Rang 3. Bezeichnend ist auch, dass in Sion bei den Spielern mehr Kontinuität herrscht und nicht jedes halbe Jahr zahlreiche Profis kommen und gehen, sodass gar nie ein richtiges Team zusammenwachsen kann. Oder ein Trainer eine verschworene Einheit formen kann.

Ja, vielleicht war es ein zu grosses Risiko, dass der FCB auf den unerfahrenen Lichtsteiner setzte. Aber der noch grössere Fehler ist der Aktionismus am Rheinknie, der die für den Erfolg nötige Konstanz und Kontinuität verunmöglicht. 

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