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Atlanta United: Das nächste Kapitel in Embolos unvollendeter Karriere

Patrick

US-Südstaaten anstatt Bretagne, Major League Soccer anstatt «Big 5». Mit dem Wechsel zum Atlanta United Football Club hat sich Breel Embolo am Sonntag aus dem europäischen Spitzenfussball verabschiedet. Im Alter von erst 29 Jahren und nach vorangegangenen Auslandsstationen bei Schalke 04, Borussia Mönchengladbach, AS Monaco und Stade Rennes. Auch deshalb ist der Nordamerika-Wechsel des ehemaligen FCB-Cracks in etwa so überraschend, wie aus sportlicher Sicht enttäuschend. Und irgendwie halt doch passend zur bislang unvollendeten Karriere des gebürtigen Kameruners.

Keystone_AP_Lindsey Wasson_Schiesst seine Tore künftig auch für Atlanta United_Breel Embolo
Möchte seine Tore künftig auch für Atlanta United FC in der MLS schiessen: Nati-Stürmer Breel Embolo © Keystone / AP /Lindsey Wasson

Von Didier Drogba zu Emmanuel Latte Lath

Irgendwie hatte sie eine Art Symbolfunktion für den bisherigen Karriereverlauf von Breel Embolo: Die jüngste FIFA Weltmeisterschaft in den USA. Oft ganz nah am grossen Durchbruch, blieb ihm dieser schlussendlich auch im Rahmen der erfolgreichsten Nati-Kampagne seit 72 Jahren verwehrt. Ja, das Turnier endete für den Basler nach Gelb-Rot im Viertelfinal sogar in einer riesigen Enttäuschung. Enttäuschend für die Schweiz und seine Teamkollegen, enttäuschend aber auch für Embolo selbst – jenen Spieler, dem vor genau zehn Jahren die Fussballwelt zu Füssen zu liegen schien. Damals, als der 19-jährige Sympathieträger zu den begehrtesten Fussballern seines Jahrgangs zählte und Vergleiche mit Didier Drogba oder Romelu Lukaku provozierte. Schliesslich wechselte Embolo für eine Ablöse von 26 Mio. Euro zu Schalke 04 – auch das ein Transfer, der sich im Nachhinein als symbolisch erweisen sollte. Denn mit dem Wechsel zu den «Knappen» endete auch bereits die kurze Zeit, in denen Embolos Name im Dunstkreis der hoffnungsvollsten Angreifer der Welt gehandelt wurde. Heute tritt er in Atlanta die Nachfolge des ex-St. Gallers Emmanuel Latte Lath an, der zu Union Berlin wechselte, auch wenn dieser Vergleich Embolos Karriere natürlich nicht gerecht wird. Schliesslich reifte Embolo durchaus zu einem Stürmer von internationalem Format heran, wurde seinen Vorschusslorbeeren aber aufgrund von Verletzungen sowie einigen merkwürdigen Entscheidungen auf und neben dem Platz nie vollauf gerecht.

 

Eine gute, aber keine grosse Karriere

Und so ähnlich verhält es sich auch jetzt mit dem Wechsel in die USA. Natürlich hat Embolo gemessen an der Wahrscheinlichkeit einer Profikarriere - und dem speziell im seinem Fall mit Sicherheit nicht einfachen Weg dorthin - viel mehr erreicht, als man gemeinhin hätte erwarten können. Und doch fehlt einer Karriere, die über 90 Länderspiele, sechs grosse Turnierteilnahmen, vier Stationen in Bundesliga und Ligue 1 sowie mehr als 20 Einsätze in der Champions League vereint, irgendwie die Krönung, die in den USA aufgrund der überschaubaren sportlichen Bedeutung der Liga nicht mehr erfolgen wird. Und so gesehen reiht sich Embolo mit seinem MLS-Wechsel im besten Alter direkt ein in jene kurze Reihe von Schweizern Spielern, denen die erhoffte Karriere auf Weltklasse-Niveau verwehrt blieb. Spieler von der Kragenweite eines Xherdan Shaqiri, der einst mit 30 Jahren über den Atlantik wechselte. Ein Schritt, den andere grosse Stützen der letzten Nati-Dekade (Lichtsteiner, Sommer, Schär, Xhaka, Akanjii) nicht vollzogen -  weil sie auch im fortgeschrittenen Fussballer-Alter noch attraktive Optionen in Europa bevorzugten. Lagen diese im Fall von Breel Embolo einfach nicht mehr vor?

 

Star-Power in Atlanta – und Erwartungen

Auf alle Fälle gehört der in Yaounde geborene Mittelstürmer ab sofort zu den grösseren Fischen im kleinen MLS-Teich. Zu den Allergrössten sogar, wenn man dafür die Höhe der Ablösesumme herbeizieht, die mit über 15 Millionen Euro für MLS-Verhältnisse ungewohnt hoch ausfällt. Doch mit dem vielen Geld kommt auch die Erwartung, der dreifache Schweizer Meister möge für United mehr sein, als «nur» Latte Laths Ersatz. Mit Embolo soll es für die Franchise aus der Südstaaten-Metropole nach zweieinhalb bescheidenen Jahren endlich wieder aufwärts gehen, zumindest in Richtung der für die Playoffs qualifizierten Top 8. Nur: In der Rolle des grossen Hoffnungsträgers und Superstars, kennt sich der 29-Jährige eigentlich nicht aus. Einerseits, weil er diese Position noch nie inne hatte. Andererseits, weil er eigentlich noch nie über längere Zeit bewies, einer Führungsrolle dieser Art gewachsen zu sein. In Atlanta wird genau dies nun jedoch von Embolo gefordert werden. Ob es ihm gelingen wird, das Versprechen, welches ihm Zweck seines Status quasi auferlegt wurde, zu erfüllen, werden die nächsten Monate zeigen.

 

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