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War’s das für Infantino? Zwei Meinungen!

Gianni Infantino ist die aktuell meistgehasste Persönlichkeit im Weltfussball. Es vergeht kein Tag, ohne neue Vorwürfe an den Walliser. Die Kritik am FIFA-Präsidenten ist nicht neu, es ist die vermeintliche Einigkeit im Umfeld seiner Gegner, die den Walliser nach etlichen Verfehlungen in der Vergangenheit nun zu Fall bringen könnte. Kommt es wirklich soweit? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Der Druck auf Gianni Infantino wächst – muss er gar als FIFA-Präsident abtreten? © KEYSTONE / Darryl Dyck/The Canadian Press

Andy Maschek sagt: Ja

In der Vergangenheit passierte immer wieder dasselbe. Egal, wer als FIFA-Präsident am Schaltpult des Weltfussballs sass, Kritik war ihm sicher. Vorwürfe waren als Begleitung eine Konstante, Diskussionen gerade um Finanzen und vermeintliche Ungereimtheiten tauchten regelmässig auf. Klar war aber auch: Am Ende blieben die Konsequenzen aus. Es gelang immer, sich die Wahl durch die Stimmen der kleinen Verbände und dank der finanziellen Power zu sichern.

Nun ist das anders. Der geplante und geplatzte Ausverkauf des Weltfussballs, bei dem die WM-Rechte in eine neue Tochterfirma (FFE) wandern und externe Investoren daran Anteile erwerben können sollten, hat Infantino in die Enge getrieben. Er ist angezählt. Der Knockout als Boss des Weltfussballverbandes ist nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich. Hoffentlich.

Das Verhalten von Infantino ist ein Steilpass an seine Gegner, der sich als Eigentor entpuppen könnte. Es ist die Einladung, das Powerplay zu eröffnen. Und das ist auch geschehen. Wichtige Kontinentalverbände machen ihren Widerstand öffentlich, wenden sich vom Walliser ab. Infantino ist weltweit auch ins Fadenkreuz der Medien geraten. Jeder weitere Fehler dürfte von seinen Gegnern und den Medien konsequent ausgeschlachtet werden. Der Nord-/Mittelamerika-Verband Concacaf hat eine umfassende Aufarbeitung der Präsidentschaft gefordert, und die europäische Uefa drohte Infantino offen eine Klage an.

Der Machtkampf tobt und wird auch durch Stellungnahmen von Fussballgrössen angeheizt. Der ehemalige Weltfussballer Luis Figo forderte in diesen Tagen öffentlich das Ende der Präsidentschaft von Gianni Infantino. «Ich könnte 10'000 Wörter über die Probleme bei der Fifa schreiben. Doch die Lösung lässt sich auf drei Worte reduzieren: Infantino muss gehen», schrieb der ehemalige portugiesische Nationalspieler in einem Gastbeitrag für die «Daily Mail» in England. Und hat damit bestimmt die Meinung vieler Fussballinteressierter getroffen.

Überhaupt verlagert sich der Machtkampf immer mehr auf verschiedene Schauplätze. Prinz Ali bin al-Hussein, Präsident des jordanischen Fussballverbands, behauptete etwa, der Druck auf die Mitgliedsverbände, Infantino bei der Wiederwahl im kommenden Jahr zu unterstützen, komme «Erpressung gleich». Zudem kursiert das Gerücht besagt, dass der FIFA-Präsident dem marokkanischen Verband angeboten haben soll, den WM-Final 2030 ausrichten zu dürfen – wenn sie ihn weiterhin unterstützen.

Was wahr und was gelogen ist, lässt sich von aussen nicht beurteilen. Dass die FIFA-Spitze nun öffentlich dem Präsidenten Rückendeckung gab und sich hinter Infantino stellte, ist ein nicht allzu ernstzunehmendes Signal. Denn gerade in der Politik hat sich immer wieder gezeigt, dass Worte von gestern heute oder morgen nichts mehr gelten. Klar ist einzig, dass der Walliser angezählt ist und sich die Schlinge immer weiter zuzieht. Um sich da wieder befreien zu können, müsste der Walliser über die Fähigkeiten des Entfesselungs- und Zauberkünstlers Harry Houdini verfügen. Und das tut auch Gianni Infantino nicht.

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

So viel vorweg: Dass Gianni Infantino eine ebenso mächtige wie umstrittene Figur ist, ist nicht wirklich eine neue Erkenntnis. Die Liste seiner Verfehlungen ist lang und geht Jahre zurück. Nun aber scheint der krachend gescheiterte Versuch, lukrative WM-Anteile an ein private Investorengruppe zu verhökern, besonders schwer zu wiegen. Vielleicht, weil Infantinos letzter «Power Play» unmittelbar auf eine WM folgt, deren politische und kommerzielle Komponente für Viele ein ungesundes Mass erreichte. Wobei gerade die Exploitation des eigenen Vermarktungspotentials eigentlich noch nie Jemanden im FIFA-Universum wirklich gestört hat. Deshalb sage ich auch jetzt: So heiss, wie sie gekocht wird, wird die Suppe im März 2027 nicht gegessen. Und das nicht etwa, weil der ehemalige Spieler des FC Brig-Glis unfehlbar wäre. Sondern, weil die Kontinental- und Mitgliederverbände erst noch den Beweis antreten müssen, ihren aktuell verurteilenden Worten auch Taten folgen zu lassen.

Denn ein Blick in die Historie verrät die Mechanik der FIFA-Kultur. Schon die ehemaligen Präsidenten João Havelange und Sepp Blatter waren äusserst umstrittene Persönlichkeiten. Auch sie sahen sich mit Skandalen und Rücktrittsforderungen konfrontiert – und überstanden aufgrund ihres sportpolitischen Gespürs und der erfolgreichen Kommerzialisierung aller FIFA-Assets schlussendlich jeden Sturm unbeschadet. Der Grund dafür war so banal wie wirksam: Am Ende des Tages profitierten schlicht zu viele Verbände finanziell substantiell von der vorangetriebenen Monetarisierung des Weltfussballs.

Genau dieses Erfolgsrezepts bedient sich nun auch Infantino. Schliesslich belohnt das System schamlos die finanzielle Absicherung der Basis. In einem Verband mit 211 Mitgliedern, in dem jede Nation exakt eine Stimme hat – egal ob winziger Inselstaat oder mächtiger Rekordweltmeister –, reicht ein verlässlicher Strom an Fördergeldern seit jeher aus, um die eigene Wiederwahl zu zementieren. Solange der Scheck stimmt, verzieh die Mehrheit der Verbände bislang noch jedem Präsidenten seine Skandale und Fehltritte.

Und was, wenn ich dieses Mal nicht Recht habe? Dann hat die internationale Fussball-Gemeinde spätestens im Rahmen der FIFA-Präsidentschaftswahlen vom 18. März 2027 die Gelegenheit, sich für eine neue Führungspersönlichkeit und möglicherweise auch für eine neue Führungskultur zu entscheiden. Genauso, wie das u.a. der führende Kontinentalverband aus Europa (UEFA) sowie sein asiatisches Pendant derzeit öffentlichkeitswirksam kundtun. Nur bleibe ich trotz der nicht zu überhörenden Misstrauensvoten skeptisch, was die Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten anbelangt. Denn bislang galt zum Schluss noch immer: Die Empörung ist laut, das Geld aber schlichtweg noch ein wenig lauter.

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