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Schlimmer geht immer: Die fünf grössten Flops der FIFA-WM 2026

Patrick

Die erste auf 48 Teams aufgeblähte FIFA-Weltmeisterschaft ist seit gestern Abend und dem 1:0 Spaniens gegen Argentinien Geschichte. Doch während ganz Spanien jubelt, rümpft ein substantieller Teil an Fussballanhägern weltweit die Nase. Ist das wirklich die Art von WM, die wir uns auch künftig als Non-Plus-Ultra dieses Sports verkaufen lassen wollen? Geprägt von politischer Einflussnahme, sportlicher Ungleichbehandlung und (zum Teil) gähnender Langeweile auf dem Platz? Wir hoffen nicht und fassen die fünf grössten Flops dieser WM noch einmal zusammen.

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Eine der Geschichten dieser WM: Der eigentlich gesperrte Folarin Balogun (am Boden) wird erst begnadigt - und dann von Belgien mit einer Packung doch aus dem Turnier verabschiedet. © Keystone / AP / Manu Fernandez

Flop #1: Das Theater um Folarin Balogun

«Was erlauben Infantino und Trump» würde der legendäre Giovanni Trappationi wohl in die Mikrofone diktieren, wäre der mittlerweile 87-jährige Italiener noch in offizieller Funktion aktiv. Er ist es nicht mehr und trotzdem war die beispiellose sportjuristische Hinterzimmer-Kollaboration zwischen dem Präsidenten der FIFA und jenem der Vereinigten Staaten (von Amerika) der absolute Tiefpunkt dieser an Tiefpunkten reichen WM. Wie sich der Turnierorganisator und einer der drei Gastgeber darauf einigten, die für eine gelb-rote Karte automatisch ausgesprochene Sperre von einem Spiel gegen US-Stürmer Folarin Balogun zum ersten Mal in der Geschichte des Fussballs aufzuheben, könnte auch direkt dem Playbook von Trump-Freund und WWE-Gründer Vince McMahon entnommen worden sein. Nur, dass die WM das Ergebnis einer über hundertjährigen (Erfolgs)Geschichte des Fussballs ist - und nicht der Feder von Worldwide Wrestling Entertainment entstammt. Aber so richtig hat das zuletzt scheinbar weder am Zürichberg noch im Weissen Haus jemanden interessiert.

 

Flop #2: Iran hat keine Chance – zumindest an der WM

Der absolute Worst-Case für Gastgeber USA an dieser WM? Richtig - ein starkes Turnier des Iran, sozusagen als Gast bei Feinden. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei nicht unbedingt dafür bekannt ist, die Fussballwelt in Angst und Schrecken zu versetzen – sicher ist sicher. Und so brauten der Turnierorganisator und Turniergasteber (schon wieder) einen Plan zusammen, der die sportlichen Chancen der Vorderasiaten schon vor dem Anpfiff beträchtlich einschränkte. Mit einer lächerlich kurzen Ein- und Ausreisefrist (ursprünglich beides am Spieltag) – die trotzdem um ein Haar nicht ausreichte. Denn schliesslich verhindert einzig Österreichs Ausgleich in der 96. Spielminute die Qualifikation des Irans für die K.o.-Phase. Dabei hätten die Kleingeistigkeit der Amerikaner, die Rückgratlosigkeit der FIFA und vor allem der eigene, unbändige Kampfgeist der «Löwen des Iran» genau das verdient.

 

Flop #3: Defense first! Die spielerische Armut der XXL-WM

Ausgerechnet in den USA. Ausgerechnet in jenem Sportmarkt, der Siege und Sieger:innen so schätzt wie kein Zweiter, in dem Unentschieden «unmöglich»  und Niederlagen verpönt sind, schickte sich die FIFA in den vergangenen sechs Wochen an ein Produkt auf den Rasen zu zaubern, dass an spielerischer Armut und Sicherheitsgedenke kaum noch hätte überboten werden können. Gleich reihenweise biss sich nämlich das obere, spielstarke Viertel im 48er Feld die Zähne an den vielen in erster Linie destruktiv eingestellten Teams und deren vielbeinigen Abwehrbollwerken aus. Nicht nur in der Gruppephase, sondern auch in den K.o.-Spielen, in denen schlussendlich auch die Schweiz im beliebten «Bus» vor dem eigenen Tor Zuflucht suchte. Belohnt wurde diese spielerische Haltung im Viertelfinale genauso wenig, wie diejenige Argentiniens im gestrigen Endspiel gegen Spanien. Zum Glück, muss man als Freund des Fussballs konstatieren, wobei man den Tag noch nicht vor dem Abend loben sollte: Bei der am Rande des Turniers von Gianni Infantino erwähnten möglichen Ausweitung des Teilnehmerfelds auf 64 Teams, dürften wir uns künftig alle auf noch viel mehr langweilige Fussball-Unterhaltung «freuen».

 

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(Fast) Nichts Neues bei Argentinien: Der Gegner gefoult am Boden, der Verteidiger (Paredes) reklamierend und der Schiedsrichter (Slavko Vincic) für einmal mit der notwendigen Konsequenz (Keystone / AP / Pamela Smith)

Flop #4: Das nächste deutsche Turniertrauma

Flop #4 und zum ersten Mal haben weder die FIFA noch Trumps Amerika einen entscheidenden Anteil. Und zwar schreiben wir hier über einen neuerlichen sportlichen Offenbarungseid unseres grossen Nachbars aus Deutschland. Dabei hatte (ex) Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem Aus an der Heim-EM vor zwei Jahren noch gross angekündigt, jetzt halt zwei Jahre warten zu müssen, um dann Weltmeister werden zu können. Dummerweise kam es für Deutschland aber weit schlimmer, scheiterte der DFB-Tross doch abermals früh. Mittlerweile hat Deutschland seit zwölf Jahren kein WM-Achtelfinale mehr erreicht und dabei an fünf Grossanlässen nie mehr besser als die Schweiz abgeschnitten. Auch vor dem Turnier in den USA versprach der qualitativ gute Kader einiges – konnte sein Potenzial aber abermals nicht ausschöpfen. Das Aus in der Runde der 32 nach aufeinanderfolgenden Niederlagen gegen die südamerikanischen Aussenseiter Ekuador und Paraguay war die ernüchternde Konsequenz. Nun soll Jürgen Klopp versuchen, die Deutsche Nationalmannschaft zurück in die Erfolgsspur zu bringen, was möglich erscheint, sofern sich vorab die Einsicht durchsetzt, aktuell nicht mehr zur absoluten Weltspitze zu gehören. Deutschland kann im Idealfall ein grosses Turnier gewinnen, es einfach so und aufgrund der grossen Vergangenheit zu erwarten, funktioniert aber nicht mehr.

 

Flop #5: (V)Argentinien

Die erfolgreichste Nationalmannschaft dieser Dekade als finaler Teil unserer «Flop Five»? Ja, das geht – wenn du Argentinien heisst, wie Argentinien spielst,  provozierst, den Fairplay-Gedanken mit beiden Füssen trittst und dabei weder von schwachen Schiedsrichtern noch von der FIFA Kontra bekommst. Dann spricht plötzlich (fast) niemand mehr von zwei Copa-Titeln, der WM 2022 oder dem beeindruckenden Halbfinal-Comeback gegen England, und dafür fast alles von einem zwiespältigen Messi und seinen tretenden, simulierenden und schlecht verlierenden Teamkollegen wie Enzo Fernández, Leandro Paredes, Nahuel Molina oder Nicolás Tagliafico. Was sich alleine dieses Quartett im Endspiel gegen Spanien erlauben durfte, hätte bei normaler Regelauslegung durch Schiedsrichter Slavko Vincic zu gut und gerne drei Platzverweisen führen müssen – tat es aber nicht. Doch am Ende bekamen alle Beteiligten was sie verdienten: Die Argentinier den bitteren zweiten Platz, die Spanier den zweiten Weltmeistertitel ihrer Geschichte und die FIFA ein absolutes Gähn-Spiel auf der grösstmöglichen, weltweiten Bühne. Allzu viele neue Fussballfans dürfte der auf maximalen kommerziellen Erfolg getrimmte Weltverband mit diesem vermeintlichen «Highlight» auf alle Fälle kaum hinzugewonnen haben.

 

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