"Eine gute, aber keine perfekte Saison"
Die Super-League-Saison 2025/26 ist Geschichte. Mit Aufsteiger Thun bringt sie einen sensationellen Meister hervor. Rekordmeister GC kann sich über die Barrage einmal mehr in der obersten Liga halten.
Claudius Schäfer, der CEO der Swiss Football League, bewertet die vergangene Saison auf einer Skala von eins bis zehn mit "einer guten 8". Es sei eine gute Saison, aber keine perfekte gewesen, "die wird es auch nie für alle geben", so der Berner.
Der Liga-Boss bezeichnet die Super League als "weiterhin sehr attraktiv". Die Leistungsdichte sei "hoch, viele Spiele sind offen, es herrscht also eine grosse Unvorhersehbarkeit, und auch Klubs ausserhalb des klassischen Favoritenkreises können eine prägende Rolle spielen". Die Attraktivität der Liga spiegle sich, so Schäfer, auch in den insgesamt erneut steigenden Zuschauerzahlen wider.
Die Liga habe sich zudem medial und digital weiterentwickelt. Sie sei "nicht nur in den Stadien, sondern auch im TV, online und in den sozialen Medien sehr präsent und klar der Sportwettbewerb in der Schweiz mit der höchsten Reichweite", sagt Schäfer.
Auf der anderen Seite "gibt es Punkte, die wir beobachten müssen. Nicht bei allen Entscheidungen herrschte wie gewünscht bis zum letzten Moment die grosse Spannung." Aber das gehöre im Sport bis zu einem gewissen Grad dazu, so der SFL-CEO: "Entscheidungen sollen nicht um jeden Preis künstlich herausgezögert werden."
Nach drei Saisons mit der Zwölferliga und dem aktuellen Modus, welcher nach 33 Runden eine Aufteilung in Championship Group und Relegation Group vorsieht, fällt Schäfers Bilanz ebenfalls positiv aus: "Die Aufstockung auf zwölf Klubs war ein wichtiger Schritt. Sie hat der Liga mehr Breite gegeben, mehr Regionen eingebunden und mehr Spielern sowie Klubs die Möglichkeit eröffnet, sich auf höchstem nationalem Niveau zu entwickeln." Die Durchlässigkeit zwischen den obersten zwei Spielklassen sei verbessert und die Gesamtpyramide gestärkt worden. "In dieser Hinsicht hat die Reform aus meiner Sicht Wirkung gezeigt."
Für Schäfer ist nach drei Durchführungen der richtige Moment gekommen, das Ganze "eingehend zu analysieren und zu überprüfen, ob der Modus, der Kalender, die sportlichen Anreize und die Rahmenbedingungen optimal ineinandergreifen. Wir müssen uns fragen, ob die Meisterschaft in dieser Form über mehrere Saisons gesehen genügend Spannung erzeugt, dürfen aber auch die sportliche Fairness, die wirtschaftliche Attraktivität und die Gesamtbelastung des Kalenders nicht ausblenden."
In dieses "Spannungsfeld" (Schäfer) gehört für ihn zum Beispiel ein zusätzlicher Europacup-Anreiz für die Relegation Group. "Wir werden diese und weitere Fragen in den nächsten Monaten in einer umfassenden Gesamtanalyse mit professioneller Unterstützung vertieft prüfen."
Das UEFA-Ranking, in welchem die Schweiz nur noch an 16. Stelle steht, bezeichnet Schäfer als "wichtiges Signal". Die Entwicklung sei in den letzten drei Jahren "nicht positiv. Wir kämpfen mit der fehlenden Konstanz über mehrere Klubs und mehrere Saisons hinweg. Für den Koeffizienten über fünf Saisons reicht es nicht, wenn ein Klub einmal eine gute Kampagne spielt."
Die Gründe für das Zurückfallen im Ranking seien "vielschichtig und teilweise sehr komplex. Der europäische Wettbewerb ist sicher enorm kompetitiv geworden und die Reform der Wettbewerbe hat die Ausgangslage verändert. Der Hebel liegt deshalb nicht an einem einzelnen Punkt." Es gelte, gemeinsam mit den Klubs die sportliche Planung, die Nachwuchsförderung, die Kaderkontinuität und die internationale Erfahrung weiter zu stärken.
Aus Schäfers Sicht ist auch wichtig, "dass die Klubs ihre Ressourcen gezielt einsetzen und europäische Kampagnen nicht als Bonus, sondern als strategisches Ziel planen." Aus Sicht der Liga sei man für die Rahmenbedingungen wie "einen möglichst sinnvollen Spielkalender, Flexibilität bei Ansetzungen für Europacup-Teilnehmer und eine professionelle Plattform im Inland" zuständig. "Unser Anspruch muss sein, dass die Schweiz mittelfristig wieder zu den Top 15 gehört, weil der Koeffizient konkrete Auswirkungen auf Startplätze, Qualifikationswege, Einnahmen und damit auch auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Klubs hat."
Dass die Schweizer Klubs in diesem Sommer früh in die Qualifikationsphase der europäischen Wettbewerbe einsteigen müssen, sieht Schäfer als Chance an: "Entscheidend wird sein, dass unsere Vertreter diese möglichst konsequent nutzen, um im europäischen Vergleich wieder Boden gut zu machen." Zudem würden die Punkte nur durch vier Klubs geteilt.