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Freulers Weg vom Spätzünder zum Unverzichtbaren

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Trotz spätem Länderspiel-Debüt gehört Remo Freuler neu zur Top 10 der Schweizer Rekordspieler. Gegen Argentinien kann er mit zwei weiteren grossen Namen gleichziehen.

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Spät angekommen, seither unverzichtbar: Remo Freuler debütiert im Nationalteam erst, als der ein halbes Jahr jüngere Granit Xhaka schon 50 Länderspiele auf dem Buckel hat - ab da bewegt sich das Mittelfeld-Duo im Gleichschritt © KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Er war einer der fünf Schweizer Spieler, die im Achtelfinal gegen Kolumbien von Anfang bis zum Schluss auf dem Platz gestanden sind. Dabei glänzte Remo Freuler einmal mehr als Balleroberer und legte mit 14,3 km die grösste Distanz aller Spieler auf dem Feld zurück.

Auch in den vier Partien davor war der 34-Jährige - und damit Teamälteste - mit einer Ausnahme der Schweizer mit den meisten Kilometern. Einzig gegen Katar, als er kurz vor Schluss ausgewechselt wurde, war er knapp hinter Granit Xhaka die Nummer 2.

Der sonst eher zurückhaltende Freuler genoss es nach dem Einzug in den WM-Viertelfinal sichtlich, den Meilenstein zu zelebrieren. "Wir sind sehr, sehr glücklich über das, was wir hier für die Schweiz erreicht haben", sagte er gegenüber "RSI".

Fast untergegangen ist dabei, dass Freuler mit seinem 93. Länderspiel zu Haris Seferovic aufgeschlossen ist und die beiden nun gemeinsam den 10. Platz in der Liste der Schweizer Rekordspieler belegen.

Dass er diese Zahl einmal erreichen würde, hätte sich der ehemalige Junior des FC Hinwil lange nicht erträumt. Denn während Spieler aus dem gleichen Jahrgang (1992) wie Granit Xhaka oder Ricardo Rodriguez bereits 2011 zu ihren Debüts im Nationalteam kamen, war es bei Freuler erst sechs Jahre später so weit.

Dabei liegt Freuler zunächst im Fahrplan und wird ab der U18 regelmässig für die Junioren-Nationalteams aufgeboten. Dann aber gerät seine Karriere ins Stocken. Bei GC kommt der damals 18-Jährige zwar zu seinem Super-League-Debüt und schiesst in seinem zweiten Einsatz bereits das erste Tor - notabene im Stadtderby gegen den FCZ. Trotzdem wird er danach zunächst in die U21 abgeschoben und dann zum FC Winterthur in die Challenge League ausgeliehen.

Weil die Grasshoppers das Potenzial bei Freuler nicht erkennen, folgt bald darauf der definitive Transfer zu den Winterthurern. Zwei Jahre spielt er in der zweithöchsten Liga, ehe er vom FC Luzern entdeckt wird und bei den Innerschweizern sofort zum Stammspieler reift.

Nochmals zwei Jahre später folgt der Wechsel zu Atalanta Bergamo in die Serie A, und endlich wird auch der damalige Nationaltrainer Vladimir Petkovic auf Freuler aufmerksam. Im Frühling 2017 wird Freuler im Testspiel gegen Lettland in der 84. Minute eingewechselt. Granit Xhaka hat zu diesem Zeitpunkt schon 50 Länderspiele auf dem Buckel.

Dass die beiden, was die Anzahl der Länderspiele betrifft, seither fast im Gleichschritt unterwegs sind, zeigt den Stellenwert, den Freuler auch im Nationalteam schon bald innehat. Zwar muss er sich bis nach der WM 2018 und dem Rücktritt von Valon Behrami gedulden, dann aber wird Freuler zur festen Grösse im zentralen Mittelfeld der Schweiz.

Unter Murat Yakin verpasst Freuler dann fast keine Minute mehr. So schwärmte der Nationaltrainer während der WM-Qualifikation: "Ich habe noch kein Spiel erlebt, bei dem Remo abgefallen wäre." Freuler sei ein "kompletter Fussballer", den man wahrscheinlich auf jeder Position einsetzen könnte, sagte Yakin. "Vor allem fasziniert mich seine strategische Art des Spiels, wie er die Verbindungen zwischen Offensive und Defensive schafft."

Freuler selbst reagierte auf die Frage, wie er es seit Jahren schaffe, seine 90 Minuten unverletzt abzuspulen, mit Selbstironie: "Da ich nicht so schnell bin, bin ich vielleicht auch nicht so anfällig auf Zerrungen." Ausgerechnet im Monat danach musste er für einmal bei einem Zusammenzug des Nationalteams verletzt absagen - allerdings wegen eines Schlüsselbeinbruchs, nicht wegen einer Zerrung.

Da er sich davon aber schnell erholt hat, spult Freuler auch an der WM bisher zuverlässig seine Minuten ab. Oft fällt er spielerisch kaum auf, sein Wert liegt aber darin, mit seinen Laufwegen Lücken zu öffnen respektive sie defensiv zu schliessen.

Und nun kommt der Viertelfinal gegen Argentinien. Für Freuler wäre es das 94. Länderspiel, womit er zu Johann Vogel und Yann Sommer aufschliessen würde. Es lägen in der Rangliste der Rekordspieler dann nur noch sieben Akteure vor ihm. Ob er diese Werte allerdings noch angreifen wird, ist offen.

Vor dem Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina deutete Freuler, dessen Vertrag bei Bologna ausgelaufen und dessen Klubzukunft noch offen ist, einen möglichen Rücktritt aus dem Nationalteam an: "Es könnten meine letzten Spiele sein, ich will das Turnier so lange wie möglich hinausziehen."

Das ist bisher gelungen. Die Schweiz bestreitet in der Nacht von Samstag auf Sonntag (3.00 Uhr Schweizer Zeit) erstmals seit 72 Jahren wieder einen WM-Viertelfinal. Und Freuler? Der blickt dem Duell mit dem aktuellen Weltmeister stolz und zuversichtlich entgegen: "Jetzt sind wir so weit gekommen, und wir werden mit ganzem Herzen für die Schweiz spielen und alles geben", sagte Freuler. "Und dann ist alles möglich."

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