"Hoffentlich konnten wir euch glücklich machen"
Die Schweizer Nationalmannschaft wird in Zürich nach dem historischen Viertelfinal-Einzug an der Fussball-WM gefeiert. Die ganz grosse Euphorie bleibt beim Empfang aber aus.
Als Shooting-Star Johan Manzambi auf sein emotionales Turnier angesprochen wurde - zweimal erhielt er die Auszeichnung zum besten Spieler der Partie, ehe er wegen einer Knieprellung die letzten beiden Partien zuschauen musste -, antwortete er: "Leider habe ich mich verletzt, aber die Kollegen machten es trotzdem gut." Darauf schrie einer der anwesenden Fans: "Gut, aber nicht sehr gut."
Das spiegelte sich beim Empfang der Schweizer Nationalmannschaft am Dienstagmittag wider. Zwar war der etwa 14'000 Quadratmeter grosse Turbinenplatz in einem der lebendigsten Quartiere in Zürich ordentlich gefüllt und einige reisten, auch von weit her, schon früh an, um sich möglichst gute Plätze nahe der Bühne zu sichern. Doch die grosse Euphorie war nicht zu spüren. Im Vergleich zum Empfang der Norweger am Montag in Oslo, an dem rund 90'000 Fans zugegen waren, fiel der Empfang in Zürich bescheiden aus - die Skandinavier hatten wie die Schweizer mit dem Einzug in die Viertelfinals nationale Fussballgeschichte geschrieben.
Ohnehin bekam man den Eindruck, dass der Empfang mehr eine Pflichtaufgabe war. Nachdem die Mannschaft pünktlich um etwa 10.15 Uhr gelandet war, wurde sie mit dem Bus in ein Hotel beim Turbinenplatz gefahren. Mit einer Viertelstunde Verspätung erschien um 12.16 Uhr zunächst der gesamte Staff auf der Bühne.
Zuerst sprach SFV-Präsident Peter Knäbel zur Menge: "Ich bin mega stolz auf den Staff, der hier ist. Wir gaben in den USA und in Kanada alles, ich glaube, das habt ihr alle gespürt. Wir spürten, dass auch ihr alles gegeben habt, deshalb einen ganz, ganz grossen Applaus auch an euch. All die Emotionen nehmen wir mit als Verantwortung für die Zukunft, in der wir so gut bleiben wollen, wie wir sind, und vielleicht noch ein Stück besser."
Danach kam Murat Yakin an die Reihe und sagte unter anderem: "Wir wären gerne noch eine Woche länger (in den USA) geblieben, aber es ist natürlich auch schön, wenn man so nach Hause kommen darf. Wir sahen schöne Bilder, auf denen überall in der Schweiz gefeiert wurde. Es ist bewundernswert, dass die Leute um 3, 4, 5 Uhr aufgestanden sind. Bei uns allen kam ein Gänsehaut-Feeling auf."
In der Folge wurden die Spieler, den Nummern nach, einzeln auf die Bühne gerufen. Neben Manzambi, Granit Xhaka und Ruben Vargas erhielt auch Breel Embolo besonders viel Applaus. Der Stürmer von Rennes kassierte im Viertelfinal gegen Argentinien (1:3 n.V.) eine Gelb-Rote Karte wegen einer als dumm zu bezeichnenden Schwalbe - dies kurz nachdem die Schweizer zum 1:1 ausgeglichen hatten und das Momentum klar auf ihrer Seite war. Aus dem Flugzeug war Embolo mit einer hochgezogenen Kapuze über der Kappe ausgestiegen, auf der Bühne hatte er dann nur noch eine Kappe an, die Augen verdeckte er mit einer Sonnenbrille. Auf einem Plakat stand: "Breel, mir stönd hinder dir - nöd nume bi Sieg. Danke für din Isatz." Aufgemalt waren zudem drei Herzen. Diese Aufmunterungen dürften ihm gutgetan haben.
Das Schlusswort beim Schweizer Team gehörte Captain Granit Xhaka: "Dass so viele Leute hier sind, ist nicht selbstverständlich, wir spürten den Support. Hoffentlich konnten wir euch glücklich machen." Der Mittelfeldstratege von Sunderland sagte weiter, sie hätten keine Spieler mit einem grossen Namen, aber dafür viel Teamspirit und Energie in der Mannschaft. "Das zeichnet die Schweiz aus. Es ist schwierig zu realisieren, was wir geschafft haben. Das werden wir wahrscheinlich in den Ferien tun, wenn wir ein bisschen runterfahren. Insgesamt war es ein gutes Turnier. Wir können stolz auf das Geleistete sein. Mit ein bisschen Glück hätten wir es noch weiter geschafft, aber das ist ein Teil des Spiels. Wir nehmen es so an, wie es gelaufen ist."
In der Folge warf das ganze Team noch kleine Fussbälle in die Menge, ehe die Spieler nach gut 30 Minuten abgeschirmt die Bühne verliessen. Vor dem Hotel wartete der Mannschaftsbus. Nun stehen die wohlverdienten Ferien an.