Liverpool und Barcelona: Die Hoffnung stirbt zuletzt
Heute Abend geht es für Liverpool und Barcelona in der Champions League ums Überleben: Kehren sie gegen Titelverteidiger Paris Saint-Germain respektive gegen Atlético den 0:2-Rückstand nach dem Hinspiel? Klar ist: Es braucht einen Effort.
Liverpool ist angezählt. In der Meisterschaft haben die Reds am Samstag zwar gegen Fulham mit 2:0 gewonnen. Doch vor dem Duell gegen PSG hallt immer noch das Hinspiel nach, in dem die Franzosen überlegen waren und problemlos höher als mit 2:0 hätten gewinnen können.
Coach Arne Slot braucht mit seinem Team einen Effort, um dieses Duell noch zu kehren und in die Halbfinals einzuziehen – und so seinen Job vielleicht doch noch zu retten, auch wenn eine Zukunft des Niederländers bei Liverpool über die Saison hinaus aktuell sehr unwahrscheinlich scheint.
Ebenfalls vor der Herausforderung, einen 0:2-Rückstand wettmachen zu müssen, um weiterhin von der europäischen Krönung träumen zu dürfen, steht der FC Barcelona, der im Hinspiel daheim gegen Atlético 0:2 verloren hat. Barça war zwar überlegen und hatte in mehr oder weniger allen relevanten Statistiken die Nase vorne, doch Atlético präsentierte sich eiskalt, erzielte bei fünf Torschüssen und 0,44 Expected Goals zwei Treffer.
Am Abgrund, aber noch nicht gefallen
Mit Liverpool und Barcelona stehen damit also zwei europäische Schergewichte und Kandidaten auf den Henkelpott am europäischen Abgrund. Doch trotz der grossen Hypothek geben sich die beiden Teams einigermassen zuversichtlich und definitiv noch nicht geschlagen.
«Ich habe das Gefühl, es wird anders als das Hinspiel. Die Atmosphäre wird unglaublich sein, die Fans wissen, worauf es ankommt, und das macht es hart für uns», sagt Barcelona-Coach Hansi Flick vor dem Spiel in Madrid. Und: «Ich glaube an mein Team und ich glaube daran, dass wir es schaffen können. Es ist möglich, warum auch nicht? Wir wissen, dass wir gegen eine gute Mannschaft spielen, deswegen brauchen wir eine starke Defensive und müssen zugleich mutig in der Offensive sein.»
Auch Superstar Lamine Yamal gibt sich kämpferisch: «Wir sind ein junges Team, wir sind alle echte Barça-Fans. Wir werden für das Wappen kämpfen. Wir wollen ins Halbfinale und werden alles geben. Ein Comeback ist absolut möglich. Ich glaube, wir haben eine Mannschaft voller Spieler, die das Duell noch drehen können. Ich bin zuversichtlich.»
Während Barcelona auswärts gegen Atlético gewinnen muss, setzt Liverpool gegen Titelverteidiger PSG auf den Heimvorteil und klammert sich so nach dem missglückten Hinspiel ans Prinzip Hoffnung. «Es wäre wahrscheinlich eines der grössten Comebacks meiner Karriere, besonders mit Liverpool», sagt nun Mittelfeldspieler Dominik Szoboszlai. «In einem Spiel kann in Anfield alles passieren. Es werden nicht nur die elf Spieler und die Einwechselspieler sein, sondern das ganze Stadion, und wir wissen, wie es sich anfühlt, in Liverpool mit diesen Fans in Anfield zu sein. Wir brauchen keine weitere Motivation.»
Vergangenheit macht Hoffnung
Als Mutmacher dient auch ein Blick zurück. Bei Liverpool ins Jahr 2019. Damals trafen die Reds im Halbfinal auf Barcelona, und die Spanier siegten im Hinspiel dank Toren von Lionel Messi (2) und Luis Suarez 3:0. Im Rückspiel schaffte das Team von Jürgen Klopp dann aber die grosse Wende und gewann nach je zwei Treffern von Divock Origi und Georginio Wijnaldum (sowie einem Assist von Xherdan Shaqiri) 4:0 und zog in den Final ein, in dem es nach einem 2:0-Sieg gegen Tottenham zum grossen Triumph kam.
Aber auch der FC Barcelona kann sich an einer guten Erinnerung festhalten. 2017 verloren die Spanier im Achtelfinal das Hinspiel gegen Paris Saint-Germain auswärts mit 0:4. Im Rückspiel folgte dann die beeindruckende Antwort, als sich Barcelona mit dem heutigen PSG-Trainer Luis Enrique dank eines 6:1-Kantersieges in die Viertelfinals ballerte, wo dann aber Juventus Turin die Endstation war. Die Wiederauferstehung gegen PSG – die auch als «La Remontada in die Geschichte einging – gilt als das vielleicht grösste Comeback in der Champions League.
Gleich gross ist die Aufgabe nun gegen Atlético nicht, und so sagt auch Barça-Trainer Hansi Flick: «Wir brauchen kein Wunder, nur ein gutes Spiel. Wir haben die Qualität. Wir haben die Spieler, die das ändern können. Natürlich müssen wir kämpfen, aber wir müssen uns auf das Besondere konzentrieren.»