Manzambi humpelt – Freuler feiert
Urs Fischer, Silvan Widmer und Mainz verlieren nach neun Spielen erstmals wieder und müssen sich dem SC Freiburg 0:1 geschlagen geben, Yann Sommer und Manuel Akanji stürmen mit Inter Mailand dem Meistertitel entgegen und Remo Freuler erzielt in seinem 295. Serie A-Spiel sein 21. Tor: Der Blick auf die Schweizer in den europäischen Top-5-Ligen.
Die Serie ist gerissen: Nach neun Spielen ohne Niederlage hat es Urs Fischer und den FSV Mainz wieder einmal erwischt – 0:1-Niederlage gegen den SC Freiburg im Duell der beiden Klubs, die auf bestem Weg sind, erstmals in ihrer Geschichte einen europäischen Halbfinal zu erreichen. Bei den Mainzern brachte Urs Fischer seinen Captain Silvan Widmer erst nach rund einer Stunde ins Spiel, doch auch er konnte an der Niederlage nichts mehr ändern. Bei den Freiburgern wurde Verteidiger Bruno Ogbus in der Pause ausgewechselt, nachdem er nach einer halben Stunde schon verwarnt worden war. Johan Manzambi hatte den Siegtreffer der Freiburger mit einem weiten Einwurf eingeleitet, musste aber in der Schlussphase humpelnd und von Betreuern gestützt den Platz verlassen, nachdem er in einem Zweikampf am Knie getroffen worden war. Immerhin gab Trainer Julian Schuster kurz nach dem Match erste Entwarnung und erklärte: «Er hat gleich gesagt, dass es ein Schlag war. Deshalb sind wir da sehr zuversichtlich. Für den ersten Moment sieht es so aus, dass er Glück hatte.»
Für die Mainzer war die Niederlage ärgerlich, aber noch ohne grössere Folgen. Fünf Runden vor Schluss haben Urs Fischer und sein Team acht Punkte Vorsprung auf St. Pauli auf dem Barrageplatz – und dazwischen als Puffer sechs Teams. Der Ligaerhalt ist für die Mainzer in Griffweite, ganz im Gegensatz zu Heidenheim und Wolfsburg. Schlusslicht Heidenheim siegte ohne Leonidas Stergiou (nicht im Kader) zwar gegen Union Berlin 3:1 und beschleunigte so den historischen Trainerwechsel von Steffen Baumgart zu Marie-Louise Eta, die erste Cheftrainerin in der Bundesliga wird. Aber der Rückstand auf St. Pauli beträgt immer noch satte sechs Punkte. Und auch für Wolfsburg mit Aufsichtsrat Diego Benaglio und Sportdirektor Pirmin Schwegler wird der Ligaerhalt langsam aber sicher zu einer «mission impossible» – nach der 1:2-Niederlage gegen die Eintracht Frankfurt, bei der Aurèle Amenda durchspielte, beträgt der Rückstand auf St. Pauli vier und auf Werder Bremen auf dem ersten Nichtabstiegsplatz sieben Punkte.
Für die Bremer, bei denen Isaac Schmidt für die letzten zehn Minuten eingewechselt wurde, hatte die 1:3-Niederlage gegen Köln (ohne den verletzten Joël Schmied) keine dramatischen Konsequenzen. Und auch für Nico Elvedi und Borussia Mönchengladbach hatte die 0:1-Niederlage gegen Leipzig im Kampf um den Ligaerhalt keine gravierenden Auswirkungen. Der FC Augsburg eroberte beim 2:2 gegen Hoffenheim einen wertvollen Punkt, wobei Fabian Rieder durchspielte und ebenso eine solide Leistung zeigte wie Verteidiger Cédric Zesiger. Die Augsburger hatten in der Schlussphase gar die grosse Chance zum Dreier, Alexis Claude-Maurice schoss aber einen Penalty übers Tor.
An der Spitze verlor Borussia Dortmund mit Gregor Kobel gegen Bayer Leverkusen ohne Jonas Omlin (nicht im Kader) 0:1 und verspielte damit die letzte, minimale und theoretische Chance auf den Meistertitel – die Dortmunder liegen fünf Runden vor Schluss zwölf Punkte hinter den Bayern, die gegen St. Pauli 5:0 gewannen und ihren Uralt-Rekord aus der Saison 1971/72 von 101 erzielten Toren in einer Spielzeit mit nun 105 Toren gebrochen oder gar pulverisiert haben. Während die Borussia die Champions League-Qualifikation wohl auf sicher hat, kämpft der VfB Stuttgart, der ohne Luca Jaquez gegen den HSV, der auf den gesperrten Miro Muheim verzichten musste, 4:0 gewann, mit Leipzig, Leverkusen und Hoffenheim um einen Platz in der Königsklasse.
Big Points für Vargas und Sow
In Spanien hat der kriselnde FC Sevilla im Kampf gegen den Abstieg ein fettes Ausrufezeichen gesetzt und gegen Atlético Madrid überraschend 2:1 gewonnen. Ruben Vargas wurde bei Sevilla in der 78. Minute ausgewechselt – ein paar Minuten, nachdem Djibril Sow ins Spiel gekommen war. Sevilla liegt damit in der Tabelle auf Rang 16 – mit zwei Punkten Reserve auf den ersten Abstiegsplatz und einen Zähler hinter dem FC Valencia, der mit Filip Ugrinic (spielte durch) und Eray Cömert (eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt) gegen Elche 0:1 verlor und selber um den Ligaerhalt zittern muss. Betis Sevilla trennte sich von Osasuna 1:1, wobei Ricardo Rodriguez in der Meisterschaft im fünften Spiel in Folge auf der Ersatzbank schmorte.
In der Premier League verschärfte Sunderland mit Captain Granit Xhaka die Krise von Tottenham. Sunderland gewann daheim mit 1:0, so dass die Spurs, bei denen Roberto de Zerbi erstmals als Cheftrainer an der Linie stand, seit mittlerweile 14 Spielen auf einen Sieg warten und die nach 17 Jahren erstmals nach einem Spieltag auf einem Abstiegsrang liegen. Während Aufsteiger Burnley, bei dem Zeki Amdouni nach wie vor nach dem Kreuzbandriss auf sein Comeback wartet, gegen Brighton 0:2 verlor und den Abstieg kaum mehr verhindern kann, zittern auch Dan Ndoye und Nottingham nach wie vor um einen Platz in der Premier League. Nottingham eroberte gegen den Tabellenvierten Aston Villa beim 1:1 aber immerhin einen Punkt, wobei Ndoye erst in der 89. Minute ins Spiel kam. Punktgleich mit Nottingham ist aktuell Leeds United, der Arbeitgeber von Noah Okafor, der heute Abend auf Manchester United trifft und für den ein Punktgewinn Gold wert wäre. Im breiten Mittelfeld und ohne Gefahr von hinten sowie ohne Ambitionen nach vorne bewegt sich Newcastle, das nach wie vor ohne den verletzten Fabian Schär gegen Crystal Palace 1:2 verlor.
Spektakelsieg für Inter
In der Serie A ist Inter Mailand mit Goalie Yann Sommer und Verteidiger Manuel Akanji dem Meistertitel einen grossen Schritt näher gekommen. Inter gewann in einem wilden Derby dank je zwei Toren von Marcus Thuram und Denzel Dumfries auswärts gegen Como 4:3 und hat sechs Spiele vor Schluss neun Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Neapel, der gegen Parma (Sascha Britschgi für einmal nur Ersatz) 1:1 spielte. Die Titelhoffnung endgültig begraben muss die AC Milan, die daheim gegen Udinese eine saftige 0:3-Ohrfeige kassierte. Zachary Athekame wurde in der Pause beim Stand von 0:2 durch den Deutschen Niclas Füllkrug ersetzt, Ardon Jashari durfte die letzten 20 Minuten mitspielen, wurde für Luka Modric eingewechselt.
Schon fast hoffnungslos ist die Situation am Tabellenende für Pisa, den Arbeitgeber der Schweizer Michel Aebischer, Daniel Denoon und Filip Stojilkovic, der nach der 0:3-Niederlage gegen die AS Rom sechs Spiele vor Saisonende neun Punkte Rückstand auf den rettenden 17. Platz hat. Gegen Rom spielte Aebischer durch, während Denoon (verletzt) und Stojilkovic (Ersatz) fehlten. Ebenfalls verletzt pausieren mussten am Wochenende Genua-Ersatzgoalie Benjamin Siegrist und Sassuolo-Verteidiger Ulisses Garcia im direkten Vergleich ihrer beiden Klubs, den Gastgeber Genua mit 2:1 für sich entschied.
Freuler jagt Lichtsteiner
So wurde an diesem Wochenende Remo Freuler zum einzigen Schweizer Torschützen in den europäischen Top-5-Ligen. Der Mittelfeldspieler erzielte beim 2:0 von Bologna gegen Lecce das zwischenzeitliche 1:0. Während sein Teamkollege Simon Sohm eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt wurde, spielte Freuler durch. Der 33-jährige traf nach einem Abpraller per Kopf, es war sein erstes Tor in dieser Saison und das im 116. Spiel insgesamt für Bologna. In der Serie A steht er nun bei insgesamt 295 Spielen und 21 Toren für Atalanta Bergamo und Bologna. Damit fehlen ihm nur noch sieben Einsätze, um Stephan Lichtsteiner als Schweizer Rekordspieler in der Serie A abzulösen.
In der Ligue 1 erlitt die AS Monaco mit Denis Zakaria aber ohne Goalie Philipp Köhn (Ersatz) gegen Aufsteiger Paris eine bittere 1:4-Niederlage und einen herben Rückschlag im Kampf um einen Platz in der Champions League. Damit haben die Kicker aus dem Fürstentum sechs Spiele vor Schluss vier Punkte Rückstand auf den Tabellendritten Lille und liegen einen Zähler hinter Stade Rennes, das gegen Angers die Pflicht erfüllte und 2:1 gewann. Breel Embolo wurde eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt und blieb ohne Tor und Assist. Goalie Yvon Mvogo verlor mit Aufsteiger Lorient gegen den Tabellenfünften Lyon 0:2, und Bryan Okoh etabliert sich bei Auxerre nach seinem Wechsel von Lausanne immer mehr als Stammkraft, stand bei der Nullnummer gegen Nantes im zehnten Match zum achten Mal in der Startelf und spielte durch. Felix Mambimbi fehlte beim 1:1 von Le Havre gegen Nizza aufgrund einer Knieverletzung.