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New York, wie es sich gerne sieht

Keystonr

Die New York Knicks versetzen eine ganze Millionenstadt in Ekstase. Das Basketball-Team ist der Spiegel einer Gesellschaft, wie sie New York gerne wäre.

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New York in Feierlaune: Fans der Knicks im Freudentaumel © KEYSTONE/EPA/OLGA FEDOROVA

New York vibriert in diesen Tagen in Blau und Orange. Nicht das Orange des Präsidenten Donald Trump (er wurde im dritten Finalspiel kräftig ausgebuht), sondern der New York Knicks. Fussball-WM, die nun losgeht? Im "Big Apple" gibt es derzeit nur ein Gesprächsthema: Basketball.

Nach dem dritten Sieg im vierten Spiel stehen die Knicks nur noch einen Erfolg vor dem dritten NBA-Titel nach 1970 und 1973 und über einem halben Jahrhundert des Leidens. Das Basketball-Team vereint New York, wie es nur sehr selten vorkommt - und es ist ein Abbild davon, wie sich die Metropole am Hudson River gerne sieht: laut, voller Energie und jetzt - endlich - auch erfolgreich.

Basketball ist der Sport, der zu den engen Platzverhältnissen in Manhattan perfekt passt. Für ein Football-Stadion fand sich trotz langer Suche nirgends Platz, weshalb die Giants und Jets sowie nun auch alle Teams der Fussball-WM ausserhalb New Yorks im industriellen Niemandsland von New Jersey auftreten. Ein Basketballfeld mit einem oder zwei Körben kann in jedem Park oder Hinterhof mit wenig Aufwand installiert werden, es braucht kein Outfield wie im Baseball und keine Eismaschine wie für das Eishockey. Der perfekte Sport für das urbane Umfeld.

Der legendäre Madison Square Garden der New York Knicks liegt mitten im Zentrum von Manhattan, über den Geleisen des Bahnhofs Penn Station, ein paar Schritte von Broadway und Times Square entfernt. Es ist eng, chaotisch, wenn die Knicks spielen, sind die Bars rundherum voll mit trinkfesten und lauten Fans. Das hat wenig mit den auf Hochglanz polierten neuen Glaspalästen zu tun, die in anderen Städten meist an der Peripherie entstanden sind.

"Die Knicks, das ist New York von seiner besten Seite", erklärt ein Matchbesucher gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP. "Es ist eine Gemeinschaft, wo soziale oder geografische Herkunft keine Rolle spielen." So richtig in die Herzen der New Yorker spielten sich die Knicks in den 1970er-Jahren mit ihren ersten zwei Meistertiteln. Es war für die Stadt eine dunkle Zeit mit Unruhen und sehr hohen Kriminalitätsraten.

"New York kann eine sehr einsame, harte Stadt sein, vor allem, wenn man neu hierherkommt", erklärt Amy Bass, die sich an der Manhattanville-Universität mit den Beziehungen zwischen Sport, Gesellschaft und Politik befasst. "In einer Zeit, in der Social Media, KI und politische Differenzen die Welt in viele kleine Inselchen fragmentiert, bieten die Knicks etwas Authentisches, eine gemeinsame Sprache, ein Ziel, das man teilt." Die Knicks sind das Sportteam der Einwanderer und der einfachen Leute von der Strasse. Dazu passt, dass das Team nicht von einem grossen Star wie LeBron James, Stephen Curry oder Victor Wembanyama angeführt wird, sondern vor allem als Kollektiv überzeugt.

Nicht in dieses idyllische Bild des Teams der Arbeiterklasse passt die Parade der Stars, die ihre Lieblinge am Spielfeldrand verfolgen und sich damit - es ist schliesslich New York - nicht hinter Los Angeles und seiner Riege von Hollywood-Grössen verstecken muss. Timothée Chalamet, Ben Stiller oder Spike Lee sind Stammgäste, Finalspiel 4 in der Nacht auf Donnerstag besuchte auch Taylor Swift.

Dazu kommt der Preis für ein Ticket. Unter 4000 Dollar war in den Finals nichts zu machen. Es gibt aber eine Ausnahme: Inhaber von Saisonkarten können auch für die Playoffs vor dem eigentlichen Vorverlauf Tickets zu (einigermassen) erschwinglichen Preisen kaufen. So wollen die Verantwortlichen einerseits einen Teil des überbordenden Wiederverkaufsmarktes, der auch für die Fussball-WM die Ticketpreise in exorbitante Höhen schraubt, einschränken, und anderseits dafür sorgen, dass die hitzige Atmosphäre mit heissblütigen Fans auch in der entscheidenden Phase dem Team hilft.

Da ist es vielleicht kein Zufall, dass das einzige bisher verlorene Finalspiel am Dienstag stattfand, als Donald Trump die Arena besuchte. Wegen der Sicherheitsvorkehrungen waren die Fanzonen rund um das Stadion verboten, der typische New Yorker Vibe ging verloren. In Spiel 4 war er wieder da - und half bei einer begeisternden Aufholjagd.

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