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Russell ohne Update in Singapur: Mercedes erklärt Entscheidung

Statt Titelkampf steht bei Mercedes plötzlich Ursachenforschung im Mittelpunkt. Singapur soll klären, ob das grosse Update tatsächlich ein Fehlgriff war.

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Mercedes brachte nur eine Auto mit dem neuen Aero-Update nach Singapur mit. © DPA pa

Statt Titelkampf steht bei Mercedes plötzlich Ursachenforschung im Mittelpunkt. Singapur soll klären, ob das grosse Update tatsächlich ein Fehlgriff war.

Das Rennwochenende in Malaysia war eine Packung gemischter Gefühle für Mercedes. Zwar fuhr Kimi Antonelli auf den zweiten Platz, doch der Silberpfeil sollte mit dem neuen Aerodynamik-Update in Sepang eigentlich der Konkurrenz davonfahren. Das neue Paket zeigte die gegenteilige Wirkung und sorgte für Fragezeichen beim Team aus Brackley. Obendrein fiel George Russell im Rennen kurz vor Schluss noch mit einem Motorenschaden aus - womöglich der letzte Sargnagel für die WM-Hoffnungen des Briten und eine weitere Sorgenfalte auf den Gesichtern der Mercedes-Ingenieure.

Als Konsequenz musste Russell für das Flutlichtwochenende in Singapur eine neue Antriebseinheit verbauen und wird das Rennen (Start am Sonntag um 14:00 Uhr LIVE bei Sky Sport) von ganz hinten starten müssen. Obendrein zeigte der erste Blick in die Mercedes-Garage am Donnerstag, dass der 28-Jährige mit dem alten Aero-Paket fahren wird. Teamkollege Antonelli hingegen behielt das Update.

Mercedes sucht Antworten

Der Grund: Mercedes will wissen, ob das Update tatsächlich funktioniert wie geplant und deswegen beide Ausbaustufen direkt miteinander vergleichen, wie der stellvertretende Teamchef Bradley Lord am Sky Sport Mikrofon erklärt: "Genau diese Frage stellen wir uns und wollen sie dieses Wochenende beantworten. Deswegen fährt George mit dem Spec aus Baku und Kimi mit der Konfiguration aus Malaysia, um alle Zweifel aus der Welt zu räumen und eine klare Richtung zu etablieren für die nächsten Rennen."

Das Aero-Paket hatte in Malaysia zwar schon mehr Abtrieb gezeigt, dabei allerdings die Balance des Autos durcheinandergebracht. Berichten zufolge entpuppte sich der W17 so als zu hecklastig und erzeugte besonders in langsamen Kurven starkes Untersteuern, auch bei der Setup-Findung gab es Probleme. Deswegen hat das Team auch ein weiteres Puzzleteil nach Singapur mitgebracht.

Mercedes brachte auch einen neuen Frontflügel nach Singapur mit.
Image: Mercedes brachte auch einen neuen Frontflügel nach Singapur mit.

"Wir haben einen neuen Frontflügel, den wir ausprobieren (bei Kimi Antonelli, Anm. d. Red.), jedoch nur eine Ausführung davon. Ob wir dann im Rennen damit fahren, wissen wir nicht. Aber er gehört zum Gesamtpaket, deswegen wollten wir ihn hier fahren, damit wir auch die Leistungen aus der echten Welt haben", erläuterte Lord. Eigentlich war der Flügel für den USA-GP in Austin vorgesehen. Doch die Sorgen scheinen gross genug gewesen zu sein, um den Zeitplan bei Mercedes zu beschleunigen. Auch das Sprintwochenende in Singapur mit nur einer Trainingssitzung als Testumfeld zu nehmen, spricht wohl für die ernsthaften Bedenken: "Das macht es ein bisschen komplizierter, aber wir wollten schnellstmöglich Antworten haben. Deswegen haben wir die Option gewählt."

Weitere Strafe für Russell nach Singapur?

Eine aktive Benachteiligung für Russell sah Lord durch den Beschluss nicht: "Die Ingenieure entscheiden, wer das Paket behält und wer mit dem anderen Spec fährt. George hat gestern auch gesagt, dass er komplett dafür ist, dass wir hier den Vergleich machen. Es ist natürlich weniger für dieses Wochenende wichtig als eher für die Entwicklungsrichtung der nächsten Monate". Nach einem Nachteil sah der Start ins Wochenende auch nicht aus: Der "alte" Mercedes schnappte sich im Training die Bestzeit.

Der Ausfall in Malaysia war wohl auch Konsequenz einer etwas risikofreudigeren Entscheidung Russells. So entschied sich der WM-Zweite gegen einen früheren Motorwechsel mit Platzstrafe. "Wir haben darauf gewartet, die Motorstrafe mit dem ADUO-Update zu nehmen", erklärte Russell vor dem Singapur-Wochenende. Mercedes steht nach dem System der "Additional Development and Upgrade Opportunities" ein Update des Motors zu, um die Lücke auf den zuvor von der FIA als stärksten bewerteten Antrieb (in diesem Jahr Red Bull) zu schliessen.

Stärkerer Motor nur für Antonelli?

Sollte Russell auch von diesem Upgrade profitieren wollen, so müsste er die bittere Pille einer Rückversetzung erneut schlucken. "Wenn er das Upgrade fahren will und wenn wir das Upgrade fahren wollen mit ihm, dann müsste er nochmal eine Penalty nehmen. Inwiefern und wie viele Plätze ist noch nicht klar, auch genau wann ist noch nicht klar. Es könnte sein, dass wir versuchen, bis zum Saisonende mit dem jetzigen Motor zu fahren, oder dass er nochmal fünf oder zehn Plätze an weitere Strafen hinnimmt", so Lord weiter.

MERCEDES 🇩🇪

  • Name: Mercedes-AMG Petronas Formula One Team
  • Gründungsjahr: 2010
  • Unternehmenssitz: Brackley, Grossbritannien
  • Vorgänger: Tyrrell, British American Racing, Honda Racing F1, Brawn GP
  • Konstrukteurs-Titel: 8 (2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2021)
  • Teamchef: Toto Wolff
  • Fahrer: George Russell (GBR), Kimi Antonelli (ITA)
  • Testfahrer: Frederik Vesti (DEN)

Sollte dies der Fall sein, wird Mercedes sicher eine Strecke mit mehr Überholmöglichkeiten als der Marina Bay Circuit in Singapur wählen. Der enge Kurs wird Russell am Rennsonntag eine Aufholjagd beinahe unmöglich machen - und die WM-Chance wohl noch weiter in unerreichbare Ferne rücken.

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