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"Schweizer Coaches sind vielleicht ein bisschen bequem"

Keystonr

Klotens Michael Liniger ist einer von nur zwei Schweizer Coaches in der National League. Der Emmentaler bedauert dies, sieht die Schuld aber zum Teil auch bei seinen Landsleuten.

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Bei den Spielern für seine Ruhe und seine Sprache geschätzt: Klotens Cheftrainer Michael Liniger © KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

"Es tut gut, mal Schweizerdeutsch zu sprechen", gibt Dario Meyer offen zu. Der Captain des EHC Kloten erlebt dieses Privileg seit diesem Sommer. Er hat einen von nur zwei Schweizer Chefcoaches in der National League (Doppelbürger wie die Kanada-Schweizer Josh Holden und Christian Dubé ausgenommen) als Ansprechperson.

"Das ärgert mich schon", sagt Klotens Michael Liniger. "Ich glaube, auch andere Schweizer hätten die Qualität, um auf diesem Level zu coachen." Der langjährige NLA-Spieler sieht zwei Gründe, warum es Schweizer Coaches besonders schwer haben, auf höchster Stufe Fuss zu fassen. "Ich glaube, wir Schweizer haben uns vielleicht nicht sehr gut auf diese Challenges vorbereitet", erklärt er. "Wir sind zum Teil nicht bereit, die harten Wege zu gehen. Ein Schweizer Coach ist vielleicht manchmal etwas zu bequem oder zu sicherheitsbedacht." Ein finnischer Coach komme oft ohne Familie in die Schweiz und sei bereit, hier wirklich alles in das Coaching zu investieren. "Ein Schweizer will vielleicht nicht umziehen oder will am gleichen Ort wohnen wie seine Familie."

Der zweite Punkt ist für Liniger die Sprache. Aus seiner Sicht ist Deutsch hier eher ein Nachteil. "Es klingt sehr sexy, wenn man Englisch spricht", stellt der Emmentaler fest. "Wenn man hier vor dem Mikrofon die englischen Floskeln um die Ohren werfen kann, klingt das für viele Leute im Hockey nach wie vor sehr geil." Langnau, bei dem der Zürcher Thierry Paterlini in der fünften Saison an der Bande steht, beweise aber, dass es auch anders funktionieren könne.

Der Saisonstart ist Kloten jedenfalls gelungen, auch wenn man am Dienstagabend gegen Bern (1:4) erstmals ohne Punkte blieb. Nach vier Runden belegt das Team des neuen Cheftrainers den 5. Platz. Dabei dürfte es nicht bleiben. In Kloten weiss man, mit welch bescheidenen Mitteln der Verein operiert. Liniger, der an seiner ersten Station als Chef an der Bande in Zug nach nur vier Monaten gehen musste, schätzt aber die klare Linie und teilt die Philosophie vollauf.

"Hier weiss jeder, was man will, wo man hin will, wer man sein will", stellt der 46-jährige Emmentaler fest. "Wenn ich ein Interview habe oder verkaufen muss, was der Klub will, fällt mir das sehr einfach." Liniger zieht einen Vergleich mit seinem letzten Arbeitgeber Zug, wo er erst zwei Jahre Assistenztrainer von Dan Tangnes war, ehe er befördert und nach 41 Spielen wieder entlassen wurde. "In Zug hatten wir sehr hohe Erwartungen, aber ich glaube, die Mannschaft war nicht mehr in dieser Phase, schon in den zwei Jahren zuvor nicht", ist er überzeugt. "Da war eine Diskrepanz drin, die nicht einfach zu handhaben war."

Ein bitterer Nachgeschmack bleibe aber nicht. "Null", versichert Liniger. "Das Ende war mega hart, das habe ich immer so gesagt." Er habe sein ganzes Herz und alles, sein Know-how und seinen Effort, hineingelegt. "Tag für Tag war ich top vorbereitet, dann tut ein solches Ende weh." Aber er habe viel gelernt, gerade auch von Dan Tangnes. "Es ist eine Erfahrung, die mir auf meinem weiteren Weg viel bringt, auch hier als Coach."

Michael Liniger und der EHC Kloten, das scheint perfekt zu passen. "Fantastisch", kommt die Einschätzung zum neuen Chefcoach von Captain Dario Meyer wie aus der Pistole geschossen. "Der Ruhepol, der er ist, und die Arbeit, die der Coachingstab jeden Tag hineinbringt, das färbt ab, das ist eine Riesenmotivation", schwärmt der Flügel der zweiten Linie. "Man merkt, dass sie, auch Marcel (Jenni), für diesen Job brennen."

Liniger und Assistenzcoach Jenni haben eine lange Vergangenheit als Spieler bei Kloten. "Für mich ist es hier auch eine Herzensangelegenheit", betont Liniger, der 848 Partien in der NLA absolvierte. "Das ist mein Klub, für den ich lange gespielt und mein bestes Hockey gezeigt habe." Alle würden an einem Strick ziehen. "Wir arbeiten mit dem, was wir haben und holen das Beste heraus", lautet das Credo. "Wir machen das gemeinsam, vom Management über den Staff bis zu den Spielern." Bisher funktioniert dies sehr gut.

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