Top und Flop: Manzambi zum Zweiten – Kobels Unsicherheiten
2:1-Sieg gegen Gastgeber Kanada, Platz 1 in der Gruppe, das Sechzehntelfinal-Ticket gelöst: Die Schweizer haben nach dem schwachen Start in die WM geliefert und die Pflicht erfüllt. Doch es besteht weiterhin Luft nach oben.
Top
Der Gipfelsturm von Johan Manzambi geht weiter. Gegen Katar kam er nur als Joker zum Einsatz und konnte nichts am enttäuschenden 1:1 ändern. Gegen Bosnien wurde der 20-jährige Genfer von Nationalcoach Murat Yakin nach 71 Minuten ins Spiel gebracht – und erzielte drei Minuten später das 1:0. Damit stellte er die Weichen auf Sieg. In der Schlussphase gelang ihm mit dem 3:0 gar noch sein zweiter Treffer, ehe Captain Granit Xhaka per Penalty für den 4:1-Schlussstand sorgte. Manzambi war der Super-Joker und wurde als «Man of the Match» ausgezeichnet.
Der verdiente Lohn war, dass er gegen Kanada erstmals an dieser WM in der Startelf stand. Und er lieferte erneut. Manzambi war der offensiv gefährlichste Schweizer, bereitete das 1:0 von Ruben Vargas mit einem Schmetterantritt und einem klugen Pass vor. Beim 2:0 profitierte er nach genialer Vorarbeit von Breel Embolo davon, dass Kanada-Keeper Maxime Crépeau den nicht besonders platzierten Schuss passieren liess. Damit war der Offensivspieler des SC Freiburg gemeinsam mit Sevilla-Söldner Vargas wie schon gegen Bosnien-Herzegowina Matchwinner und verdiente sich Bestnoten – und wurde erneut als «Man of the Match» ausgezeichnet. «Es ist immer noch wie ein Traum», gab der Shootingstar danach im Interview zu und erklärte, dass es ihm egal sei, ob er von Anfang an spiele oder eingewechselt werde: «Wenn ich auf dem Platz bin, dann gebe ich einfach alles.»
In der abgelaufenen Saison hat Manzambi seinen Marktwert auf 50 Millionen Euro geschraubt, und der SC Freiburg darf sich darauf freuen, dass er weiter steigen wird. Manzambi nutzt die WM als perfekte Bühne, steht im Rampenlicht. «Müller, Mbappé, Manzambi!», titelte die deutsche Bild und wies so darauf hin, dass Manzambi nach Thomas Müller und Kylian Mbappé erst der dritte Spieler im Alter von höchstens 20 Jahren in diesem Jahrtausend ist, der an einer Weltmeisterschaft mindestens vier Torbeteiligungen verbucht hat.
Bayern-Legende und Weltmeister Müller schwärmte schon nach dem Sieg gegen Bosnien vom Genfer und sagte: «Man spürt die Flexibilität und Unbekümmertheit, aber auch schon eine gewisse Reife. Ich finde seine Entwicklung sehr, sehr gut. Das ist für mich einer, den sich auch der FC Bayern mal genauer anschauen sollte.» Ähnlich sah es sein langjähriger Teamkollege Bastian Schweinsteiger, der in den sozialen Medien schwärmte: «Manchmal reichen schon ein paar Minuten, um ein Spiel zu entscheiden. Johan Manzambi wird in der 72. Minute eingewechselt, erzielt zwei Tore und forciert dabei sogar noch eine Rote Karte. Merkt euch den Namen!»
Manzambis Arbeitgeber Freiburg darf sich wohl schon auf einen Geldregen und einen Millionenzuwachs auf dem Bankkonto freuen. Aktuell scheint es trotz Vertrags bis 2030 unwahrscheinlich, dass Shootingstar Manzambi auch nächste Saison in Freiburg spielt. So titelte etwa die «Sportschau»: «Manzambi schiesst sich das Tor zum Fussball-Himmel auf».
Flop
Es ist schon ein Jammern auf hohem Niveau, wenn man nach einem Sieg im letzten Vorrundenspiel und als Gruppenerster in die K.o.-Phase einer WM-Endrunde einzieht und dann Kritik geübt wird. Und doch war am Mittwochabend in Vancouver nicht alles Gold, was glänzte. Da ist beispielsweise Goalie Gregor Kobel. Mit einem Marktwert von 40 Millionen Euro gehört er zu den teuersten Torhütern der Welt, einzig der Spanier Joan Garcia und der Italiener Gianluigi Donnarumma werden mit jeweils 45 Millionen Euro noch höher bewertet. Zudem wurde Kobel kürzlich vom «Kicker» zum zweiten Mal nach 2024 ins Bundesliga-Team der Saison gewählt. Der 27-jährige Dortmund-Keeper blieb in 34 Einsätzen 15 Mal ohne Gegentor, kassierte insgesamt nur 34 Treffer und hatte unter allen Stammtorhütern die beste Paradenquote an. Das schürt natürlich Erwartungen.
Doch gegen die Kanadier liess Kobel die Souveränität vermissen. Natürlich, er hielt, was er halten musste und machte seinen Job. Dennoch wirkte er unsicher. Beim Gegentor war sein Stellungsspiel alles andere als überragend. Bei hohen Bällen vermisste man das Timing und die Strafraumbeherrschung. Zudem stockte manchmal der Atem, wenn er nur mit einer Hand den Ball wegfaustete, was durchaus mal ins Auge gehen kann. Er hatte ungewohnte Abpraller und wirkte auch mit dem Fuss unsicher. Hier besteht ein grosser Unterschied zu seinem Vorgänger Yann Sommer, der bei den Pässen technisch sauberer und präziser war.
In der Nati blieb der Zürcher in seinen letzten sieben Spielen kein einziges Mal ohne Gegentor. Wenn die Schweizer WM-Reise in der K.o.-Phase noch lange weitergehen soll, ist es zwingend, dass Gregor Kobel zur Sicherheit findet.