Vaduz findet seine Perlen oft in den unteren Ligen
Lange steckte er in Österreichs zweiter Liga fest, nun ist "Basel-Schreck" Marcel Monsberger zweitbester Super-League-Torschütze. Was seine Geschichte über die Vaduzer Transferpolitik aussagt.
Einfach mal weg aus Österreich und etwas Neues erleben. Das seien seine Gedanken vor dem Wechsel zum FC Vaduz im Sommer 2025 gewesen, sagt Marcel Monsberger auf die Frage von Keystone-SDA. Damals schien die Karriere des Stürmers zu stagnieren. In den Jahren davor hatte er für fünf verschiedene Klubs in der zweithöchsten österreichischen Liga gespielt. Der erhoffte Durchbruch war ihm nie gelungen.
Eine schwierige Situation für den heute 25-Jährigen, der bereits einen dreijährigen Sohn hat und voraussichtlich um den Jahreswechsel herum zum zweiten Mal Vater wird. Die Geburt seines ersten Kindes habe seine Karriere durchaus beeinflusst. "Du spielst immer auch für dein Kind und möchtest, dass es mal stolz auf dich ist", sagt Monsberger. "Und natürlich möchtest du ihm auch etwas bieten können und dich mit guten Leistungen für grössere Vereine empfehlen."
Der Wechsel in die damals noch zweithöchste Schweizer Liga schien diesbezüglich kein Schritt nach vorne. Doch die Liechtensteiner hatten ein gewichtiges Argument: "Die Möglichkeit auf die Conference League war schon sehr attraktiv", sagt Monsberger. Als inzwischen 52-facher Cupsieger haben die Vaduzer quasi ein Dauerticket für die Europacup-Qualifikation. 2022 qualifizierten sie sich sogar für die Ligaphase - dank einem sensationellen Playoff-Sieg gegen Rapid Wien.
Mit einem weiteren europäischen Abenteuer hat es zwar nicht geklappt, dafür gelang Monsberger mit dem FC Vaduz etwas anderes: der Aufstieg in die Super League. Mit zehn Treffern, fünf davon im letzten Saisonviertel, trug der gebürtige Kärntner seinen Teil zum eher überraschenden Erfolg bei. Denn anders als Aarau oder Yverdon hatten die Liechtensteiner zunächst keine Aufstiegsambitionen formuliert.
Und nun? Nach einem bitteren Start mit vier Niederlagen in Folge haben die Vaduzer den Tritt in der höchsten Schweizer Liga gefunden. Das klare und verdiente 3:0 gegen den FC Basel in der letzten Runde war ihr dritter Saisonsieg. Monsberger avancierte mit seinen Ligatoren fünf und sechs zum Matchwinner.
Nachdem die Effizienz lange ein Problem gewesen sei, gelinge es ihm nun häufiger, im Strafraum mit "der letzten Konsequenz" zu agieren, sagt Monsberger. Das gestiegene Selbstvertrauen mache es möglich. Gleichzeitig profitiert er von einer insgesamt starken Offensive: Nur Lugano, YB und Sion haben mehr Tore auf dem Konto als die auf Platz 10 klassierten Vaduzer.
Eine zentrale Rolle spielt dabei auch der Schweizer U21-Nationalspieler Lutfi Dalipi. Er hat vier der sechs Tore von Monsberger vorbereitet, insgesamt steht die YB-Leihgabe bereits bei neun Vorlagen. "Er ist ein sehr guter Spieler. Das sieht man nicht nur an den Skorerpunkten, sondern auch am Spielstil", sagt Monsberger über seinen Mitspieler. "Ich bin froh, dass ich da profitieren kann."
Spieler wie Monsberger stehen exemplarisch für die Transferpolitik der Vaduzer. Noch viel mehr als andere Super-League-Klubs sucht der FCV seine Zugänge in unterklassigen Ligen. Das zeigt sich insbesondere mit Blick auf die vier Mittelfeldspieler, die gegen Basel in der Startaufstellung standen: Juan Cabrera kam aus der 2. Bundesliga Deutschlands, Luca Mack und Julian Stark aus der 3. Liga und Milos Cocic sogar aus der bayerischen Regionalliga.
Dass für diese Spieler oft keine oder nur eine geringe Ablöse fällig wird, ist für den finanziell limitierten Klub essenziell. Rund 6 Millionen Franken soll das Vereinsbudget gemäss Medienberichten betragen. Zum Vergleich: Der FC Winterthur, der Absteiger der letzten Saison, hatte ein Budget von 17 Millionen Franken.
Hinzu kommt, dass die Liechtensteiner als ausländischer Klub gut eine Million Franken als "Eintrittsgeld" an die Schweizer Liga bezahlen müssen. Nachhaltiges Wirtschaften und gezielte Investitionen sind deshalb elementar. Ausserdem hat sich Vaduz als guter Leihpartner etabliert, anstatt sich gestandene Spieler aus der Super League zu leisten. Talente wie Dalipi können im Fürstentum wertvolle Spielpraxis sammeln.
"Wir holen Spieler, die vor allem auch charakterlich zu uns passen", sagte Sportchef Franz Burgmeier im Mai in einem TV-Interview. Diese "guten Charaktere" seien oft genauso wichtig wie das fussballerische Profil. Ansonsten werde das Kader "klein und kompakt" gehalten.
Für Monsberger hat sich der FC Vaduz bisher als Glücksfall erwiesen. Denn seine Leistungen in der höchsten Schweizer Liga bleiben auch in seiner Heimat nicht unbemerkt. "ÖFB-Legionär träumt von Rangnick", schrieb kürzlich die "Kronen Zeitung". Monsberger bestätigt diese Ambition: Es sei natürlich ein Traum von ihm, für das Nationalteam spielen zu können. Zuletzt hatte er vor sechs Jahren für Österreichs U19 auf dem Platz gestanden.
"Ich bin froh über meinen eingeschlagenen Weg", sagt Monsberger. Nun gelte es, die guten Leistungen zu bestätigen. Sein Ziel sei es, mit Vaduz den Ligaerhalt zu schaffen und in dieser Saison 15 Tore zu schiessen. Auf die konkrete Zahl angesprochen, erklärt er, das sei ein "guter Wert", der ihm "durchaus möglich" erscheine.
Die nächste Gelegenheit, sein Trefferkonto aufzustocken, bietet sich am Samstag beim Gastspiel gegen Servette. Damit die Spieler möglichst ausgeruht in die Partie gehen können, legen die Vaduzer die knapp 400 Kilometer lange Anreise nach Genf bereits am Freitag zurück.