Von der Krauerhalle in die Champions League
Auf den HC Kriens-Luzern wartet am Donnerstag in der Champions League mit dem deutschen Meister Magdeburg ein absolutes Highlight. Es ist der Lohn für die gute Arbeit im Verein in den letzten Jahren.
Nik Tominec übernahm 2023 das Amt als Sportchef beim HC Kriens-Luzern. In seiner ersten Saison in dieser Funktion verpasste das Team noch knapp den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte, der Final gegen die Kadetten Schaffhausen ging mit 2:3 Siegen verloren. In diesem Frühjahr folgte nun die Krönung, wobei die Zentralschweizer in den Playoffs ungeschlagen bleiben.
Tominec weiss genau, was es braucht, um Titel zu holen. Der 35-Jährige war während elf Saisons bei den Kadetten tätig und wurde mit den Schaffhausern siebenmal Schweizer Meister und dreimal Cupsieger. Unmittelbar nach der Spielerkarriere nahm er die Herausforderung bei Kriens-Luzern an, weil er dort ein mehr als interessantes Projekt vorfand. "Ich habe mein ganzes Privatleben ziemlich vernachlässigt, um bei Kriens-Luzern all-in zu gehen - vor allem in meinen ersten zwei Jahren", erzählt Tominec im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Auf diese Saison hin hat er Andy Schmid als Trainer verpflichtet, die Lichtgestalt schlechthin im hiesigen Handball. Er wollte ihn unbedingt, obwohl dieser seit Februar 2024 Schweizer Nationaltrainer ist und dieses Amt auch weiterhin ausführt. Das war für Tominec kein Hindernis, auch weil ein solches Doppelmandat im Handball nichts Neues ist. Unter anderem übte der dänische Erfolgstrainer Nikolaj Jacobsen ein solches aus. "Es hängt immer von den Personen ab. Andy Schmid ist eine ehrenvolle Persönlichkeit, er hat seinen Namen nie ausgenutzt, war immer zu allen äusserst fair", sagt Tominec.
Mit Tominec und Schmid haben zwei Handballverrückte im positiven Sinn zueinander gefunden. Beide sind versessen auf Erfolg, leben die Sportart mit jeder Faser. Deshalb brauchte es nicht viel Überzeugungsarbeit von Tominec. Schmid spürte, dass es ihm nicht genügt, "nur" Nationaltrainer zu sein. "Es ist nun ein ganz anderes Beschäftigen mit dem Handball, es ist so, wie ich es mir gewünscht habe", sagt Schmid. "Handball gab mir stets Energie und war für mich nie Arbeit, sondern immer ein Hobby, mit dem ich glücklicherweise noch Geld verdienen konnte."
Zudem ist er ein Struktur-Mensch, weshalb ihm der Trainingsalltag nun wieder mehr Halt gibt. "Ich habe das ein wenig unterschätzt", gibt Schmid zu. Zuvor sei ihm während 20 Jahren, überspitzt formuliert, jeder Schritt vorgegeben worden. Er brauche diese Struktur, sie tue ihm gut. Deshalb empfindet Schmid nun nicht mehr Stress, im Gegenteil, er kann gar besser abschalten. "Ich kann meine Gedanken, die ich mir vorher oft im stillen Kämmerlein gemacht habe, nun sofort auf dem Feld verarbeiten, habe nun viel mehr Anhaltspunkte. Das hilft mir extrem", sagt Schmid. "Zudem lerne ich jeden Tag etwas dazu, so habe ich beispielsweise zum ersten Mal im Leben eine ganze Saisonvorbereitung geplant."
Der immer mehr gefüllte Rucksack hilft ihm auch beim Nationalteam. Dass er für dieses nun weniger Zeit hat, sieht er eher als Vorteil. "Dank meinen Erfahrungen weiss ich, was funktioniert und was nicht. Ich gehe nun effizienter vor, kanalisiere viel mehr. Je mehr Zeit man hat, desto mehr Gedanken macht man sich, und je mehr Gedanken man sich macht, desto mehr ist man auf dem Holzweg", so Schmid.
Schmid beendete Ende Januar 2024 noch während der Saison bei Kriens-Luzern seine Karriere. Als er 2022 nach 13 Jahren im Ausland, davon zwölf in der Bundesliga bei den Rhein-Neckar Löwen, in die Schweiz zurückkehrte und sich den Zentralschweizern anschloss, spielten diese noch in der schlichten Krauerhalle. Der heute 43-Jährige hat sich im Geräteraum umgezogen, nun ist die topmoderne Pilatus-Arena die Heimstätte, die sich für Schmid auf Bundesliga-Niveau befindet.
Diese bietet selbstredend neue Möglichkeiten und macht den Verein attraktiv. So konnte auf diese Saison hin der österreichische Aufbauer Mykola Bilyk verpflichtet werden, der während zehn Jahren ein Leistungsträger beim deutschen Topteam THW Kiel war. Zudem verlängerte der international renommierte kroatische Kreisläufer Marin Sipic bis 2030. Wichtig ist es Tominec aber auch, Nachwuchsspieler einzubauen: "Das ist unser Weg, wir wollen versuchen, 40 bis 50 Prozent eigene Spieler im Team zu haben. Aber ja, es braucht auch Unterschiedsspieler wie Bilyk oder Sipic."
Wie gut bei Kriens-Luzern gearbeitet wird, unterstreicht die Berücksichtigung für die Champions League. Letztmals war in diesem Wettbewerb in der Saison 2019/2020 mit den Kadetten Schaffhausen ein Schweizer Team dabei. Zwar half die Aufstockung von 16 auf 24 Teams, dennoch war die Teilnahme kein Selbstläufer, war unter anderem ein TV-Vertrag eine Voraussetzung. Die Übertragungsrechte für die Spiele von Kriens-Luzern sicherte sich der deutsche Streamingdienst Dyn.
"Sie fanden unser Projekt spannend, wir zeigten auf, dass wir eine Vorwärtsstrategie haben", sagt Tominec. "Nun wollen wir beweisen, dass wir die Chance in der Champions League verdient haben." Beim 29:30 auswärts gegen Kielce, das 2016 in der Königsklasse triumphierte und 2022 sowie 2023 im Final stand, hielt Kriens-Luzern schon einmal gut mit. Nun wartet mit dem deutschen Meister Magdeburg ein absolutes Highlight. "Für mich ist es die beste Mannschaft der Welt", sagt Schmid.
Wie auch immer: Die Perspektiven von Kriens-Luzern sind viel versprechend. Dank Tominec und Schmid dürfte sich daran so schnell nichts ändern.