skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Analysen Eishockey

Cadieux in, Fischer out: Warum das für die Nati alles verändert

Youns

Vor knapp einer Woche wurde Patrick Fischer als Nationaltrainer entlassen. Mit dem Zuger ging der Mann von Bord, der das Schweizer Eishockey in den letzten zehn Jahren so sehr geprägt hat, wie kein Zweiter. Ein sportliches Worst-Case-Szenario , dass die Nati rund drei Wochen vor dem WM-Start vor riesige Herausforderungen stellt. Ob sie in der Lage sein wird, diese zu meistern, ist Stand heute mehr als ungewiss.

Keystone_Salvator Di Nolfi_Kosternation
Konsternation bei Roman Josi und Co.: Der NHL-Crack und seine Nati-Kollegen sorgten heute mit einem Schreiben für Aufsehen © Keystone / Salvatore Di Nolfi

Kaum da, schon angezählt

Auf diesen Einstand hätte Jan Cadieux mit Sicherheit gerne verzichtet. Hals über Kopf wurde der bisherige Assistent und designierte Fischer-Nachfolger vergangene Woche vorzeitig ins Amt des Nationaltrainers geschwemmt. Im Zuge der Entwicklungen rund um Patrick Fischer und quasi als einzige realistische Alternative. Und nun? Kursiert heute eine Schreiben in den Schweizer Medien, welches Captain Roman Josi im Vertrauen an den Schweizer Verband und dessen Präsidenten Urs Kessler geschickt hatte. Der Inhalt: Ein Plädoyer für Patrick Fischer, dessen Arbeit in den vergangenen Jahren und dessen Bedeutung für das Team. Die Forderung: Das Prüfen einer kurzfristigen Lösung, die es Patrick Fischer ermöglichen würde, das Team kurzfristig an der WM zu unterstützen. Ein Anliegen, dass aus der Sicht vieler langjähriger Spieler verständlich ist, jedoch kaum eine realistische Aussicht auf Erfolg hat. Und vor allem: Eine Massnahme, mit der die Position von Jan Cadieux indirekt bereits ein erstes Mal kräftig untergraben wurde. Ungewollt zwar, aber dafür mit einer riesigen öffentlichen Wirkung. Ab sofort weiss die ganze Schweiz, dass zumindest ein Teil der Schweizer Hockey-Nati einer WM ohne Fischer mit Vorbehalten entgegenblickt.  

 

…und weg ist sie

Gab es sie in der Tat einmal, die Euphorie rund um die bevorstehende Eishockey-Weltmeisterschaft? Auch wenn das nach den neuesten Enthüllungen rund um die Nati leicht vergessen geht – ja, es gab sie und das zu Recht. Schliesslich hat die Schweiz in den letzten Jahren mit back-to-back Finalteilnahmen und hauchdünnen Niederlagen gegen Grössen wie Kanada (WM 2019) gezeigt, dass sie jederzeit dazu in der Lage ist, den absolut Besten auf WM-Niveau auf Augenhöhe zu begegnen. Gerade die letzten beiden erfolgreichen Kampagnen wurden dabei von einer auf und neben dem Eis spürbaren Ambiance aus Freude, Optimismus und von Selbstvertrauen geprägt, die in den letzten zehn Tagen gefühlt komplett erodierte. Und das, obwohl mit Josi, Hischier, Meier, Niederreiter und Siegenthaler erneut eine gestandene NHL-Fraktion bereit steht, die Nati an der WM namhaft zu verstärken. Doch auf einmal steht die Nati nicht mehr nur wegen des bevorstehenden Saison-Höhepunkts in den Schlagzeilen, sondern aufgrund eines Skandals, der weit über den nationalen und eishockeytechnischen Tellerrand hinaus hohe Wellen wirft. Der öffentliche (und politisch fehlgeleitete) Diskurs rund um Patrick Fischer ist das eine, mindestens genauso ernüchternd ist aber die Tatsache, wie sehr der Abgang ihres Trainer die Mannschaft offensichtlich in ihrem Selbstverständnis getroffen hat.

 

Ein Team, eine Mission?

Denn das ist die sportlich relevanteste Erkenntnis aus dem veröffentlichten Schreiben an den Verband: Bei einem substantiellen Teil der Schweizer Eishockey-Mationalmannschaft hat die Trennung von Head Coach Patrick Fischer erhebliche Zweifel an der eigenen Fähigkeit ausgelöst, eine erfolgreiche WM spielen zu können. Wie viele Spieler in der Tat wie Roman Josi denken und fühlen? Wissen wir nicht und spielt schlussendlich auch nicht wirklich eine Rolle. Entscheidend wird aber sein, dass es der Nati gelingt, bis zum WM-Start unter den 30-40 unmittelbar betroffenen Personen (Spieler und Staff) einen Konsens zu finden, der es dem Team ermöglicht, eine unter den gegebenen Voraussetzungen optimale WM zu spielen. Dazu gehört das Ausdiskutieren möglicher Meinungsdifferenzen oder Zweifel – innerhalb des Teams, mit den Coaches oder im Umgang mit dem Verbandsoberen – welche bei einem Thema dieser Tragweite kaum überraschen würden. Schliesslich sind auch unsere Nati-Cracks und Coaches am Ende des Tages in erster Linie Menschen. Bleibt zu hoffen, dass sie sich in der Causa Patrick Fischer nicht ähnlich einfach in zwei oder mehrere Lager dividieren lassen, wie das in der Öffentlichkeit bereits geschehen ist. Und stattdessen beim nächsten Mal direkt und von Angesicht zu Angesicht miteinander diskutieren.

 

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss