Die Herausforderung gefunden
Heute Abend spielt der SCB in der PostFinance Arena gegen den Tabellenzweiten Servette. Es ist für die Mutzen ein erstes wegweisendes Spiel: Mit einem Sieg geht es ins breite Mittelfeld, bei einer Niederlage droht der letzte Tabellenplatz. Hoffnung macht dabei auch der neue Goalie Connor Hughes.
In den letzten Jahren bekamen die Fans in Bern sportliche Schmalkost serviert. Anspruch und Wirklichkeit lagen beim SCB weit auseinander. Der letzte der bislang 16 Meistertitel wurde 2019 gefeiert. Damals gewannen die Mutzen auch zum letzten Mal eine Playoff-Serie. Seither blieb der Erfolg aus. Stattdessen gab es viel zu viele Niederlagen. Zudem herrschte auf der Trainerposition ein Kommen und Gehen. Kontinuität? Fehlanzeige.
Doch nun geht der SCB neu aufgestellt in die Zukunft. Als CEO hat Jürg Fuhrer von Marc Lüthi übernommen. Als Headcoach wurde der Kanadier Serge Aubin installiert, der zuvor mit den Eisbären Berlin Erfolg um Erfolg gefeiert hat. Und im Tor erhielt der Schwede Adam Reideborn keinen Vertrag mehr, stattdessen stehen mit Connor Hughes, Christof von Burg und Sandro Zurkirchen drei Schweizer Keeper bereit, sodass keine Ausländerlizenz mehr verschwendet werden muss.
Ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zurück zum Erfolg soll nun Connor Hughes sein. Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger kam im Tausch mit Romain Loeffel aus Lausanne in die Bundesstadt und wurde mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet. Der langfristige Vertrag unterstreicht den Stellenwert des Keepers und die in ihn gesetzten Hoffnungen. «In Bern wird es immer Druck geben. Ganz egal, was passiert», sagt Hughes. «Gerade auf den Torhütern lastet hier immer Druck. Es liegt aber an mir und an uns, ob wir diesen Druck an uns heranlassen oder ob wir ihn ausblenden können.» Er habe in seiner Karriere gelernt, mit Druck umzugehen. «Ich denke, die Verantwortlichen wissen das und glauben, dass ich der richtige Goalie für diese Aufgabe bin.»
Ganz nach oben statt nur Mittelfeld
Für Hughes ist der Wechsel zum SCB eine Challenge. Und die hat er gesucht, wie er sagt: «Ich liebe Herausforderungen. Hier wird erwartet, dass wir gewinnen. Genau an einem solchen Ort möchte ich spielen. Ich möchte nicht an einem Ort sein, wo man sich mit dem Mittelfeld zufriedengibt. Ich will ganz nach oben.» Auf die Frage, was mit dem SCB in dieser Saison möglich ist, antwortet er nicht mit einer konkreten Platzierung, sondern sagt: «Ich weiss, was ein Top-6-Team ausmacht, und ich habe auch gesehen, was es für die Top 4 braucht. Ich glaube, dass wir das Potenzial dafür haben. Natürlich sagen wir zunächst einmal, dass wir die Playoffs erreichen wollen. Aber tief in uns drin wollen wir alle mehr. Und ich glaube, dass das möglich ist.»
In den ersten fünf Spielen suchten die Mutzen noch die Konstanz, gerade auch daheim. Es gab einen 5:2-Sieg gegen Vizemeister Davos – es war einer der besten SCB-Auftritte seit langer Zeit. Doch vor einer Woche folgte dann in der PostFinance Arena eine Niederlage in der Overtime gegen Ajoie. In der Tabelle belegen die Mutzen aktuell Rang 9, wobei sie zwischen einem und drei Spielen weniger haben als einige Konkurrenten. Ein Sieg gegen Servette heute Abend könnte einen Boost geben, bevor in den kommenden acht Tagen die Matches gegen die Lakers, Biel und Ambrì-Piotta auf dem Programm stehen. Da wird es dann enorm wichtig sein, Spiele und Punkte zu gewinnen. Vielleicht wird ja auch Connor Hughes zum Punkte-Garanten. Von den ersten fünf Spielen hat er drei bestritten, während zweimal von Burg zum Zug kam.
Von den Gerüchten verwirrt
Dass der schweizerisch-kanadische Doppelbürger heute beim SCB unter Vertrag steht, kam auch für ihn überraschend. Gerüchte über einen möglichen Tausch mit Romain Loeffel gab es schon lange, was auch für ihn interessant war, wie er verrät: «Ich wusste damals überhaupt nichts davon. Ich las die Gerüchte in den Medien und war ziemlich verwirrt. Auch mein Agent war irritiert, weil weder Lausanne noch Bern mit uns gesprochen hatten. Erst während der Playoffs und danach wurde es konkret.» Irgendwann wurde aus den Gerüchten aber Realität. Was hat ihn zu diesem Wechsel bewogen? «Ich hatte das Gefühl, dass das jetzige SCB-Management bereit ist, den Klub zu modernisieren. Ich hatte zuvor Geschichten gehört, wonach der SCB in der Denkweise etwas in der Vergangenheit stecken geblieben sei», erklärt er. In den Gesprächen mit Chief Hockey Officer Pascal Signer und Sportdirektor Martin Plüss habe er realisiert, dass sie dem Team neue Energie geben wollen.
Es ist eine Challenge, die er mit dem «neuen» SCB angeht, der vermehrt auf eigene Nachwuchsspieler setzen will. Doch Hughes sagt: «Ich mag Herausforderungen. Mir gefällt auch, dass wir eine etwas jüngere Mannschaft haben. Dieses Team hat in den vergangenen Jahren sehr viel durchgemacht, und man spürt jetzt, dass alle gemeinsam etwas verändern wollen. Davon wollte ich ein Teil sein.» Natürlich werden sich auf diesem Weg Ups und Downs abwechseln. Und gerade auch der Goalie muss mental stark sein. Hughes ist der Überzeugung, dass da die Vergangenheit hilfreich ist: «Man muss schwierige Situationen durchleben, um daran arbeiten zu können. Es wird nie immer alles perfekt laufen. Es gibt Spiele, in denen du ausgewechselt wirst. Es gibt Gegentore, bei denen du schlecht aussiehst. Solche schlechten Tage gehören dazu. Ich hatte viele solcher Tage. Und es ist wichtig, sie erlebt zu haben. Das ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner Karriere: Akzeptiere diese schlechten Tage, denn sie sind enorm wichtig.» Doch für ihn und sein Team ist zu hoffen, dass heute keiner dieser schlechten Tage ist.