National League: Die Tops und Flops im Oktober
Monat zwei in der NL-Saison 2026/2027 ist «in the books» und natürlich hat sich in den Schweizer Stadien wieder einiges ereignet. Der ZSC verliert plötzlich, Ambri und die SCL Tigers überraschen ständig und bei «Bösewicht» Daniel Carr sind sich für einmal (fast) alle einig. Dazu kommen verschlafene Startdrittel, verpasste Siege und rätselhafte Torflauten. Unser Rückblick auf die Tops und Flops im Monat Oktober.
Einmalig
Der 20. Oktober wird in die Annalen der National-League-Saison 2026/2027 eingehen. Es ist nämlich der Tag, an dem die ZSC Lions in ihrem 13. Saisonspiel zum ersten Mal nicht über einen Sieg jubeln konnten. Klar, das ist ein neuer NL-Startrekord, und natürlich fanden die Zürcher im Anschluss direkt wieder auf die Siegesstrasse zurück. Mittlerweile steht das Team von Trainer Claudio Julien bereits bei 17 Siegen und 47(!) Punkten nach 18 Runden – ein Start für die Ewigkeit. Ob der «Z» auch im November weiter so performen wird? Aktuell wäre alles andere eine Überraschung für das Team, das nach dem Monat September auch den Oktober eindeutig für sich entschieden hat.
Entdeckung des Monats
Der HC Ambri-Piotta ist die positive Überraschung der noch jungen Saison. Nach 18 Runden steht das Team von Trainer Jussi Tapola mit 33 Punkten auf Rang 2 und hat allein im Oktober 22 Punkte gesammelt. Und das mit einem Kader, der vor der Saison eigentlich überall sehr wenig Kredit genoss. Doch die Ambri-Ausgabe 2026/2027 hat es in der Tat in sich und überzeugt mit frechen und selbstbewussten Auftritten. Bislang schiessen nur vier Teams öfter auf das gegnerische Tor als die Leventiner, die vom Bullykreis derzeit sogar auf die gesamte Liga herabschauen. Und natürlich verfügen die Biancoblu in Topskorer Roby Järventie (elf Tore und 26 Punkte in 18 Spielen) auch über so etwas wie den Shooting-Star der Liga. Gemeinsam mit Trainer Tapola gehört der 24-jährige Flügel bislang zu den Garanten des überraschenden Tessiner Höhenflugs, der nun durch die anstehenden Länderspiele auf die Probe gestellt wird. Man darf gespannt sein, ob Ambri den Tritt auch nach der knapp zehntägigen Meisterschaftspause direkt wieder finden wird.
Den Wecker gehört
Eine Frage des Talents war es bei Robin Dionicio noch nie. Nicht umsonst wurde der heute 22-jährige Offensiv-Verteidiger 2023 in der fünften Runde von den Anaheim Ducks gedraftet und unterschrieb ein Jahr später seinen «Entry Level Contract». Doch schon im Spätsommer 2025 lösten die Ducks diesen wieder auf, und Dionicio kehrte in die Schweiz zum EHC Biel zurück. Doch auch im Seeland wurde der ehemalige Herisauer Junior nicht glücklich und hatte trotz 27 Punkten in 40 Spielen Mühe, sich ins System von Trainer Christian Dubé zu integrieren. Und zwar so sehr, dass sich die Bieler diesen Sommer dazu entschlossen, Dionicio vorzeitig an den SC Bern abzugeben. Unter Trainer Serge Aubin scheint der Linksschütze seinen Platz nun endlich gefunden zu haben. Der Lohn für zuletzt starke Leistungen (elf Skorerpunkte in 17 Spielen): Diese Woche wird er mit der Nationalmannschaft zum ersten Mal auf Stufe European Hockey Tour Länderspielluft schnuppern können.
Klatsche des Monats
0:3 nach zwölf Minuten, 0:6 nach 17 Minuten und schliesslich 1:9 nach 44 Minuten. Der Lausanne HC erlebte am 27. Oktober im Heimspiel gegen die SCL Tigers ein echtes Debakel. Und zwar nicht nur auf dem Eis, sondern auch an der Bande, an der Trainer Geoff Ward mit Torhüterwechseln in der Kadenz Kevin Pasche – Ewan Huet – Kevin Pasche – Ewan Huet erfolglos versuchte, irgendeinen Impuls zu setzen. Auf der anderen Seite zeigten die SCL Tigers in der Vaudoise Arena eindrücklich, zu welchen (offensiven) Leistungen sie mittlerweile fähig sind. Nach Jahren der defensiven Stabilität haben die Emmentaler in dieser Spielzeit einen gewaltigen Entwicklungsschritt gemacht und überzeugen derzeit mit der zweitbesten Offensive (66 Tore) der Liga. In Lausanne zeichnete sich diese u. a. dadurch aus, dass nur gerade drei der neun Langnauer Tore von Imports erzielt wurden.
Dumm gelaufen
Knapp vier Jahre ist es her, seit die Rapperswil-Jona Lakers zum letzten Mal ein Auswärtsspiel in Davos gewinnen konnten. Vergangenen Freitag bot sich den kriselnden St. Gallern die grosse Chance, diese Serie zu beenden. Mit 3:2 führte der SCRJ nämlich 76 Sekunden vor Spielende, als Captain Nico Dünner mittels «Lob» ins verlassene Davoser Tor zur vermeintlichen Entscheidung traf. Nur: Dünner war unmittelbar nach der Schussabgabe vom im Rücken heranbrausenden Brandon Lemieux übel in Richtung Bande gecheckt worden, was die Schiedsrichter dazu veranlasste, das Spiel zu unterbrechen – bevor der Puck im verwaisten HCD-Goal einschlagen konnte. Kein Tor, und anstatt 4:2 hiess es wenig später tatsächlich 3:3, weil die Lakers trotz Überzahl noch den Ausgleich kassierten. Und auch in der Overtime verpassten die Seebuben die goldene Gelegenheit, aus der Fünfminutenstrafe gegen Lemieux Kapital zu schlagen. So schnappte sich halt der HCD den Zusatzpunkt im Shootout und schickte Rappi abermals geschlagen an den Obersee zurück.
Der Verlierer des Monats
Ungerechterweise muss an dieser Stelle erwähnt werden: Gaëtan Haas, der nach seiner im Spiel gegen Ajoie erlittenen Gehirnerschütterung möglicherweise um die Fortsetzung seiner Karriere kämpft. «Verdientermassen» im Mittelpunkt dieser Rubrik steht hingegen Daniel Carr und somit jener Mann, der den am Boden knienden Haas am 16. Oktober mit einem Faustschlag mit blosser Hand in seine missliche Lage brachte. Dafür wurde der ehemalige NHL- und Lugano-Spieler mit sieben Spielen Sperre und einer Busse von 9'040 CHF belegt. Ein Schlag aufs Handgelenk für den Kanadier, der so zumindest von offizieller Seite glimpflich aus seiner im höchsten Masse respektlosen und unsportlichen Aktion herauskommt. Was ihn bei seiner Rückkehr aufs Eis von Seiten der Fans und Gegenspieler erwartet, wird man zu gegebener Zeit im November sehen.
Vergessen wie
Miro Aaltonen ist Olympiasieger. Und es gab eine Zeit, da wusste der finnische Center auch ziemlich genau, wo das gegnerische Tor steht. In den Spielzeiten 22/23 und 24/25 zum Beispiel, als Altonen für den EHC Kloten beinahe einen Punkt pro Spiel beisteuerte (87 Spiele, 39 Tore, 45 Assists). Dann folgte der Kokain-Skandal, gefolgt von einem Mid-Season-Transfer zum SC Bern, und seitdem geht beim ehemaligen Sechstrunden-Draft der Anaheim Ducks so gut wie nichts mehr. Ganze acht Tore und 23 Assists hat Aaltonen seit seinem Wechsel in die Bundesstadt beisteuern können – in bislang 64 Spielen. Dabei besonders auffällig: Aaltonens Stats in Bern werden nicht besser, sondern mit fortlaufender Vertragsdauer beim SCB noch schlechter. Kein gutes Vorzeichen für einen Klub, der mit Anton Lindholm und Sonny Milano bereits zwei weitere Imports im Kader weiss, die zumindest bislang noch überhaupt nicht auf Touren kommen.