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Analysen Eishockey

National League: Die Tops und Flops im Monat September

Patrick

16 Tage ist die Eishockey-Saison 2026/2027 erst alt und dennoch sind in der NL bereits bis zu acht Partien pro Team absolviert. Logisch, haben sich da die eine oder andere Mannschaft sowie der eine oder andere Spieler oder Coach bereits aus der grossen Masse abgehoben – nicht immer in die gewünschte Richtung. Unsere Tops und Flops des Monats September.

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Bereits ist der NL-September Geschichte. Der Klub in blau (ZSC Lions) hat ihn deutlich besser bewältigt als das Team in weiss (EHC Biel) © Keystone / Michael Buholzer

Der Shift des Monats

Ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Ambri-Piotta legte Neo-Bieler Dominik Zwerger am 22. September einen Shift aufs Eis der heimischen Tissot Arena, der in seiner Länge vielleicht auf Jahre hinaus nicht mehr übertroffen wird. Ganze 3 Minuten und 11 Sekunden stand der österreichische Nationalspieler gegen die Biancoblu nämlich auf dem Eis, ehe er in der 55. Spielminute den Ausgleich zum 3:3 erzielte. Genutzt hat Zwergers (Über)Eifer (?) am Ende wenig. Zwei Minuten vor Spielende sicherte Roby Järventie den Leventinern mit dem 3:4 doch noch die drei Punkte.

 

Debüt des Monats

Am gleichen Tag ereignete sich in Kloten Erstaunliches. Nach zwei «Leihjahren» in der Swiss League (bei Winterthur und Thurgau) und im schon etwas reiferen Alter von 25 Jahren feierte Goalie Christof von Burg doch noch sein Debüt im Tor des SC Bern – mit einer überzeugenden Leistung. Beim 1:4-Auswärtserfolg gegen die Flughafenstädter wehrte der im Tessin geborene, im Aargau aufgewachsene und u. a. bei den Lakers und in Schweden ausgebildete Keeper satte 96% der Zürcher Schüsse ab und verdiente sich so einen zweiten Einsatz redlich. Der folgte eine Woche später und verlief nicht mehr ganz so erfolgreich. Im ersten Zähringer-Derby der Saison musste er sich beim 2:5 bei Meister Fribourg viermal bezwingen lassen (Fangquote von 85,72%).

 

Kaltstart des Monats

Mindestens vier Gegentore pro Spiel erhielt zuletzt auch Rappi-Ikone Melvin Nyffeler. Dabei gehört der 31-Jährige bei den Seebuben eigentlich zum ebenso verlässlichen wie erfahrenen Kern. Ausgerechnet in seiner elften Saison am Obersee läuft es dem gebürtigen Zürcher bislang allerdings gar nicht. Bereits 14-mal musste er sich in drei Einsätzen geschlagen geben (Fangquote 82,93%) und findet sich mit dieser Statistik in der ligaweiten Torhüter-Rangliste ganz weit hinten wieder. Dank Back-up Ivars Punnenovs (Fangquote von 88,46%) konnten die Lakers dennoch das eine oder andere Spiel für sich entscheiden.

 

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Hat bislang die richtigen Schlüsse gezogen: Neo-ZSC-Coach und Stanley-Cup-Champion Claude Julien (Keystone / Claudio Thoma)

Coach des Monats

Es kann – zumindest nach diesem September – nur einen geben: Claude Julien, 66-jähriger NHL-Veteran (u. a. Stanley-Cup-Sieger 2011 mit Boston) und in Zürich mit sieben Siegen in den ersten sieben Spielen perfekt in seine neue Aufgabe beim ZSC gestartet. «Kunststück», mag da der eine oder andere denken, verfügen die Löwen doch abermals über den talentiertesten Kader der Liga. Und doch gilt es auch festzuhalten, dass jene Stimmen, die Julien vier Jahre nach seinem letzten Engagement als Chef-Coach (bei Hockey Canada) einen schwierigen Einstieg prophezeiten, zumindest vorderhand nicht Recht bekommen haben. Im Gegenteil: Dass gerade die hochkarätigen Neuzugänge wie Knak (9 Skorerpunkte), Strömwall (7 Skorerpunkte) oder Berni (beste Plus-Minus-Bilanz der Liga) beim «Z» zum Start direkt zu den Besten gehören, dürfte nicht zuletzt das Verdienst des erfahrenen Bandengenerals sein.

 

Entdeckung des Monats

Im Nachhinein war es vielleicht vorhersehbar. Nämlich, dass sich ein Spieler, dem seit seiner Kindheit kaum Chancen auf eine Profikarriere zugetraut wurden, auch vom Sprung zum mit Abstand schwächsten NL-Team nicht bremsen lassen würde. Und so blicken wir nach dem ersten Meisterschaftsmonat auf die NL-Skorerliste und entdecken dort Ajoie-Legionär Kristian Taunus - lediglich 1,70 Meter gross und von einem Klumpfuss handicapiert - mit 12 Skorerpunkten (5G/7A) in sieben Spielen ganz zuoberst. Zumindest hätte uns der Einstand des 26-jährigen Finnen nicht gänzlich überraschen sollen. Denn wer es unter den gegebenen Voraussetzungen zum vierfachen Meister, Weltmeister und Sieger der Champions Hockey League bringt, dem ist auch in Pruntrut Grosses zuzutrauen.

 

Hänger des Monats

Ei, ei, ei Genève-Servette HC. Da kriegen die Genfer nach einem schwachen Saisonstart (3 Spiele, 1 Punkt) so langsam die Kurve (11 Punkte aus den nächsten vier Spielen), gehen im ersten Léman-Derby nach 57 Minuten mit 5:2 in Führung und machen dann etwas, was man eigentlich gar nicht erklären kann. Sie gewähren den eigentlich toten Lausannois noch in der gleichen Minute das 3:5, eine Minute später das 4:5 und schliesslich in der 59. Minute den Ausgleich, ehe sie im Penaltyschiessen fünfmal an Lausanne-Keeper Kevin Pasche scheitern. Ein monumentaler Kollaps, der sich für die Grenats vielleicht noch schlimmer anfühlt als das 0:11 an gleicher Stelle vor gut einem Jahr. Damals hatte man die drei Punkte wenigstens nicht leichtfertig verspielt.

 

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Haben bislang überraschend oft Grund zum Jubel: Die Spieler des HC Ajoie, dem aktuellen Tabellen-5. der NL (Keystone / Alessandro della Valle)

Team(s) des Monats

Wir schreiben den ersten Monat der neuen Saison und kommen eventuell gerade deshalb nicht darum herum, hier mindestens gleich zwei Teams zu nominieren. Nämlich die beiden «Underdogs» Ajoie und Ambri-Piotta, beide mit wenig Kredit in die neue Saison gestartet und aktuell mit je elf Punkten aus sieben Spielen auf den Rängen 4 und 5 der Tabelle. Die offensichtliche Gemeinsamkeit: An beiden Orten vertrauen die Klubs auf finnische Wertarbeit, welche im Jura den Trainer (Ville Peltonen) sowie nahezu die komplette Import-Reihe (fünf von sechs) umfasst, während man im Tessin in Abwesenheit des noch verletzten Jesse Virtanen ganz auf den taktischen Masterplan von Trainer Jussi Tapola sowie die offensiven Fähigkeiten von Topskorer Roby Järventie (zehn Punkte in sieben Spielen) vertraut. In einer bislang sehr ausgeglichenen Meisterschaft mit deutlich mehr Erfolg, als noch vor wenigen Wochen befürchtet.

 

Neuling des Monats

Nein, ein klassischer NL-Rookie ist Simon Knak natürlich nicht. Und trotzdem könnte man nach den ersten Meisterschaftswochen den Eindruck gewinnen, dass sich der Nationalspieler bei den ZSC Lions gerade neu erfindet. Denn aus Knak, dem aggressiven Forechecker und gelegentlichen Torschützen (letzte Saison sieben Tore und zehn Assists für Davos), ist zum Start in die neue Spielzeit eine echte Skoring-Maschine geworden. Sechs Tore und neun Punkte stehen da nach sieben Runden bereits auf dem Konto des zweifachen Silbermedaillen-Gewinners, getragen von einer mehr als nur überragenden Schusseffizienz von 31,58%. Auch wenn Knak diese Pace unmöglich wird halten können: Der Wechsel zurück in die Heimatregion scheint dem 24-Jährigen ohne grössere Anlaufschwierigkeiten gelungen zu sein.

 

Enttäuschung des Monats

Natürlich gibt es gute Gründe, warum dem Lausanne HC der Start in die neue Saison ziemlich misslungen ist. Allerdings: Acht zum Teil glücklich gewonnene Punkte nach sieben Runden sind für einen der Giganten der Liga zu wenig, auch wenn den Waadtländern derzeit mit Antti Suomela, Colin Miller, Michael Fora und Austin Czarnik natürlich wichtige Arbeitskräfte fehlen. Nur: Designierte Leader wie Ahti Oksanen (vier Punkte), Drake Caggioula (drei Punkte) oder Czarnik (kein Punkt in vier Spielen) sind bislang nicht wunschgemäss auf Touren gekommen und es bleibt abzuwarten, ob die Lausannois unter dem zweimaligen «Silbertrainer» Geoff Ward die Kurve noch einmal kriegen werden. Bereits die zweite Hälfte der Vorsaison (inkl. Playoffs) verlief für den LHC enttäuschend, aber vielleicht bringt ja der fast schon sensationelle Derbysieg von gestern Abend (siehe Hänger des Monats) jene positive Energie zurück, die Lausanne eigentlich schon seit dem 0:5 beim Saisonstart gegen Zug fehlt.

 

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