Different year, different story: Davos, Lugano und Rappi kommen nicht in die Gänge
Etwas mehr als einen Monat ist die NL-Saison 2026/2027 erst alt, und während der ZSC nie verliert, Ajoie und Ambri regelmässig überraschen und Servette sein Potenzial erfüllt, gibt es auch drei Klubs, die mit dem Saisonstart alles andere als zufrieden sein können. Was läuft schief in Davos, Lugano und Rapperswil? Wir werfen einen Blick auf die drei Klubs, die in der vergangenen Saison deutlich stärker auftraten.
HC Davos
So knapp dran und doch zu wenig. Zweimal fehlte dem Rekordmeister im Frühjahr in der Verlängerung der Finalspiele 6 und 7 nur ein Tor zum 32. Titel der Klubgeschichte, ehe der HC Fribourg-Gottéron den Titel zum ersten Mal an die Saane holte. Ein bitterer Moment am Ende einer überragenden Bündner Saison (52 Spiele, 117 Punkte), der lediglich die Krönung fehlte. Und dennoch wäre es verfehlt, die aktuelle Baisse nur an einer Art vizemeisterlichem «Hangover» festzumachen. Denn gerade im Angriff, der in der Vorsaison noch so überzeugte, steckt der Wurm drin.
Hier gibt’s Probleme: In der Offensive. Ohne den letztjährigen Topskorer und Captain Matej Stransky, ohne den neu für den ZSC treffenden Simon Knak und ohne die verletzten Simon Ryfors (Saisonende), Rasmus Asplund und Harrison Schreiber (beide bis Mitte November out) gleichen die Davoser Sturmreihen bislang höchstens einem lauen Lüftchen (2,38 Tore pro Spiel, Nr. 13 der Liga). Für die Bündner doppelt bitter: Das Fehlen von Stransky und Ryfors macht sich zudem im bislang schwächsten Powerplay der Liga (13,79% Erfolgsquote) bemerkbar, zumal sich auch die übrigen Davoser Offensivkräfte bislang sehr schwertun, Tore zu erzielen (Schusseffizienz von 8,86%).
Was Hoffnung macht: Ganz einfach - in der Defensive gehört der HCD noch immer zu den besseren Teams der Liga (Rang 7 mit 2,97 Gegentoren pro Spiel) und verfügt in Sandro Aeschlimann (93,07% Fangquote) unverändert über einen Top-Rückhalt. Das ist eine ebenso wichtige wie vielversprechende Basis, um in absehbarer Zeit wieder in der oberen Tabellenhälfte mitzumischen. Zumal der verletzte Asplund (12 Tore und 35 Punkte im letzten Jahr) in rund einem Monat zurückkehren wird und der Klub auf die anhaltende Verletzungsmisere mit der Verpflichtung von Joseph Blandisi, dem designierten Ryfors-Ersatz, reagiert hat. Zudem darf man davon ausgehen, dass sich Rückkehrer Dominik Egli (erst vier Assists), Nati-Crack Ken Jäger oder der eigentlich bewährte Adam Tambellini (bislang erst sechs Punkte) bald wieder wirkungsvoller präsentieren werden.
Prognose: Der HCD wird die hinteren Tabellenregionen bald verlassen und sich direkt für die Playoffs qualifizieren. Immer vorausgesetzt, man verliert jetzt im Bündnerland nicht den Kopf und besinnt sich stattdessen auf die durchaus vorhandenen Stärken.
HC Lugano
Rang 11 mit 15 Punkten und zuletzt drei Niederlagen in vier Spielen – ist das bereits wieder das «alte» Lugano? Dabei deutete vor Saisonbeginn eigentlich alles darauf hin, dass die Tessiner der starken Premierensaison unter dem Duo Steinmann/Mitell eine noch bessere zweite folgen lassen würden. Und in der Tat: Lag man im Vorjahr nach 12 Spielen mit 13 Punkten noch auf Rang 12, hat man es in diesem Jahr mit 15 Punkten sogar auf Rang 11 geschafft. Sarkasmus beiseite: Es gibt durchaus Gründe, warum den Bianconeri im weiteren Saisonverlauf noch einiges zuzutrauen ist. Aber auch ein potenziell schwerwiegendes Problem.
Hier gibt es Probleme: Ein guter Torhüter mag im Eishockey nicht alles sein. Aber ohne guten Torhüter, ist im Eishockey (fast) alles nichts. Diese altbekannte Weisheit stammt selbstredend nicht von mir, beschreibt die Situation beim HC Lugano dennoch ziemlich gut. Denn wenn es einen grossen Unterschied zwischen der HCL-Ausgabe 25/26 und jener von 26/27 gibt, dann den, dass Stammkeeper Niklas Schlegel bislang (86,03% Fangquote) nicht annähernd so stark spielt wie in der Vorsaison (92,3% Fangquote, Nr. 3 der Liga). Ebenfalls nicht hilfreich: das aktuell schwächste Unterzahlspiel der Liga (68,75% Erfolgsquote).
Was Hoffnung macht: In der Offensive treten die Luganesi bislang überzeugend auf (3,25 Tore/Spiel). Der neue Finne Jere Innala (acht Tore, vier Assists) skort und weiss mit Calvin Thürkauf (zwölf Skorerpunkte), Luca Fazzini (vier Tore, sechs Assists) und dem ebenfalls neuen Import Nick Shore (ein Tor, acht Assists) ein produktives Trio an seiner Seite. Hinzu kommt die Gewissheit, bereits im vergangenen Jahr nach einem gemächlichen Start (15 Spiele, 16 Punkte) mächtig ins Rollen gekommen zu sein (Rang 5 mit 89 Punkten am Ende der Regular Season).
Prognose: Auch der HC Lugano wird sich noch fangen und nach 52 Spielen mindestens die Top 8 erreichen. Schliesslich ist kaum anzunehmen, dass Keeper Niklas Schlegel weiterhin so häufig hinter sich greifen muss, wie das derzeit noch der Fall ist. Und wenn doch? Dann verfügen die Bianconeri in Robert Mayer seit gut zwei Wochen über einen Backup, der in der Lage sein sollte, für die nötige Stabilität zwischen den Pfosten zu sorgen.
SCRJ Lakers
Wo genau die aktuelle Lakers-Misere ihren Ursprung hat, ist schwer zu sagen. Im für den Klub günstigsten Fall liegt er im Sommer, als der designierte Center Mike Sgarbossa kurzfristig absagte und damit eine Kettenreaktion auslöste. Vielleicht aber auch schon deutlich früher, inmitten der nur bedingt glücklichen Kaderplanung von Sportchef Claudio Cadonau, oder sogar bereits vor einem Jahr: Damals starteten die Lakers mit 38 Punkten aus 16 Spielen in die Saison 25/26, wodurch sich Trainer Johan Lundskogs Startbilanz am Obersee auf 78 Punkte aus den ersten 39 Spielen summierte. Seither ist jedoch Sand im Getriebe, der nun sogar droht, die Maschine vollständig lahmzulegen.
Hier gibt es Probleme: Eigentlich überall. Angefangen beim missglückten Experiment, den besagten Mike Sgarbossa auf der Centerposition durch Nationalspieler Tyler Moy zu ersetzen, der seitdem überhaupt nicht auf Touren kommt, und den frei gewordenen Importplatz stattdessen mit Flügel Kevin Labanc zu besetzen. Nur: Der erfahrene NHL-Crack (über 500 Spiele) enttäuscht bislang komplett (vier Punkte in zwölf Spielen) und hat den zum ZSC abgewanderten Malte Strömwall (80 Skorerpunkte in den letzten beiden Jahren) nicht im Ansatz ersetzen können. Noch schlimmer für die Lakers: In der Defensive (3,92 Gegentore pro Spiel) steckt der Wurm – inklusive Torhüter – noch viel tiefer, sie ist die Schiessbude der Liga. Der aktuell zwölftbeste Angriff (2,54 Tore pro Spiel) vor der löchrigsten Verteidigung der Liga (3,92 Gegentore/Partie), alles getragen vom derzeit schwachen Keeper-Duo Ivars Punnenovs (87,93% Fangquote) und Melvin Nyffeler (85,65% Fangquote) – ein Rezept für ein sportliches Desaster.
Was Hoffnung macht: Auf dem Eis sehr wenig. Mit Verteidiger Jacob Larsson (zwei Tore, zehn Assists) verfügen die Lakers nur über einen überdurchschnittlichen Ausländer, und dem besten Schweizer, Tyler Moy, wurden aufgrund der taktischen Massnahme ihn als Center einzusetzen, die Flügel gestutzt. Am ehesten verbreitete noch die Tatsache Hoffnung, dass Rappi in den knapp zwei Jahren unter Johan Lundskog bislang immer einen Weg fand, um mittelfristig im Bereich von 1,50 Punkten pro Spiel und mehr zu punkten. Das käme im Vergleich zur aktuellen Performance einem Quantensprung gleich, wäre aber aufgrund der bereits suboptimalen Tabellensituation eigentlich ab sofort von Nöten.
Prognose: Die Lakers verfügen in dieser Saison nicht über die Substanz der vergangenen Jahre. Können sie sich nicht deutlich steigern, drohen die Plätze 13 und 14.