Wiedersehen nach 145 Tagen – Neuauflage des Finalkrimis unter anderen Vorzeichen
Am 30. April 2026 feierte Fribourg-Gottéron in Davos erstmals in der Klubgeschichte den Gewinn des Meistertitels. Heute Abend kommt es nach 145 Tagen am selben Ort zum Wiedersehen – und beide Klubs sind nach einem mässigen Saisonstart gefordert.
Es war eine begeisternde Finalserie zwischen den Bündnern und den Freiburgern. Und sie hätte nicht spannender enden können. Die Entscheidung fiel erst in der Overtime des siebten Spiels, als Lucas Wallmark nach 65:56 Minuten in der zondacrypto-Arena, die mittlerweile VAT Arena heisst, mit seinem Tor zum Meistertitel Geschichte schrieb. Gottéron verfiel in einen Meisterrausch, der lange anhielt. Bei den Davosern herrschte der Frust darüber, dass der 32. Meistertitel so knapp verfehlt wurde – es fehlte nur ein Tor.
In der vergangenen Saison war der HCD förmlich zum Sieg in der Regular Season gestürmt. Nach 52 Spielen hatten die Bündner 17 Punkte Vorsprung auf Gottéron. Auch das Torverhältnis war beeindruckend. Die 191 erzielten Treffer waren der Bestwert in der Liga, die 120 Gegentore wurden einzig von den ZSC Lions unterboten (115). Da es auch noch einen Triumph im Spengler Cup gab, fehlte nur der Meistertitel zur perfekten Saison.
Die Balance noch nicht gefunden
Doch nun ist das Team von Josh Holden nur schleppend aus den Startblöcken gekommen. Nach einem 4:1-Erfolg zum Auftakt gegen die SCL Tigers verloren die Bündner auswärts gegen den SCB mit 2:5 und daheim gegen Zug mit 2:6. Durchschnittlich vier Tore erhalten und nur zwei erzielt – die Statistiken sind weit entfernt vom Durchschnitt der Qualifikation 2025/26 (3,67:2,30). «Wir haben die Balance zwischen Offensive und Defensive definitiv noch nicht gefunden. Mit dem Puck am Stock sind wir noch zu wenig klar in unseren Aktionen. Wir kommen zwar in die gegnerische Zone hinein, spielen dann aber aussen herum statt mit Zug aufs Tor. Das müssen wir sofort besser machen», erklärte HCD-Verteidiger Lukas Frick nach der Niederlage gegen den EVZ.
Die Statistiken zeigen auch, wie schmerzhaft speziell die Verluste des Tschechen Matej Stransky und des Schweden Klas Dahlbeck sind, die beide in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Stransky war in den letzten fünf Saisons jeweils der Topskorer des HCD, nun fehlen seine Tore. «Die Torchancen sind durchaus vorhanden. Wir müssen vor dem gegnerischen Tor einfach effizienter und kaltblütiger werden – und zwar so bald wie möglich.» Und in der Defensive fehlt die Ruhe von Dahlbeck, der die Stabilität schon fast garantierte.
«Was wir in der vergangenen Saison erreicht haben, war einmalig. Nach dem Spengler Cup-Titel hat in der Liga ja wirklich nur ein Wimpernschlag zum Schweizer Meistertitel gefehlt. Doch wir schauen nicht mehr auf die vergangene Saison zurück. Nun läuft eine neue Spielzeit mit neuen Spielern. Darauf konzentrieren wir uns», sagte nun Verteidiger Frick gegenüber dem «Bündner Tagblatt».
Bei den Freiburger Meisterhelden hat der Titelrausch längst einem leichten Kater Platz gemacht. Wie der HCD hat auch Gottéron in den ersten drei Matches der neuen Saison nur drei Punkte gewonnen. Einem Sieg gegen Lausanne stehen Niederlagen gegen Biel und die Rapperswil-Jona Lakers gegenüber. Meistertrainer Roger Rönnberg verfällt deswegen aber noch nicht in Panik und sagt, dass sein Team in der Entwicklung weiter sei als vor einem Jahr: «Damals war alles neu. Letzte Saison war es in den ersten Wochen viel zu sehr ein Auf und Ab. So lange soll es in dieser Saison nicht mehr dauern. Aber ein bisschen Geduld benötigen wir schon, das gehört zum Prozess dazu. Gleichzeitig darf das für die Spieler nicht als Entschuldigung dienen. Sie müssen jetzt pushen.»
Die verdienten Resultate
Mit der ersten Meisterschaftswoche war der fordernde Schwede aber nicht zufrieden, wie er gegenüber den «Freiburger Nachrichten» sagt: «In Sachen Effort haben wir bloss ein einziges gutes Spiel gezeigt. Unter dem Strich haben wir die Resultate erhalten, die wir verdient haben. Es braucht jedes Jahr Zeit, bis alle fünf Spieler auf dem Eis gleich denken. Aber wir arbeiten hart daran, wieder diese Fünf-Mann-Einheit zu werden.»
Bei der Rückkehr an den Ort des grossen Triumphs fehlen Gottéron mehrere Meisterhelden. Allen voran Meisterschütze Lucas Wallmark, der nach Schweden zu seinem Jugendklub Björklöven zurückgekehrt ist, aber auch der zurückgetretene Captain Julien Sprunger, der nach Kloten weitergezogene Keeper Reto Berra und Stürmer Attilio Biasca, der nun sein Glück in Nordamerika versucht. Weiterhin mit dabei ist aber Verteidiger Yannick Rathgeb, der Strafenkönig der laufenden Saison, nachdem er in den letzten zwei Spielen zwei grosse Strafen kassiert hat.
«Es werden sicher gewisse Emotionen wieder hochkommen. Ich hoffe, dass es Emotionen sind, die uns viel Energie und ein gutes Gefühl geben. Wir wissen, dass wir dort oben Erfolg haben können», sagt Rathgeb nun vor dem Match in Davos in den «Freiburger Nachrichten». Es sei weder ein Traumstart noch eine himmeltraurige Angelegenheit gewesen. Gegen Lausanne hätten sie gezeigt, was sie draufhaben. Aber sonst sei es durchzogen gewesen. Offensiv fehle noch das Selbstvertrauen, um die Scheibe zu halten und etwas zu kreieren, defensiv seien sie bereits recht gut unterwegs.
Den mässigen Start dramatisieren will auch Rathgeb nicht. Er sagt: «Wir spielen hier nicht in einer Gurkenliga. Die Schere geht in der National League nicht weit auseinander. Die Top 8 kann jedes Jahr komplett anders aussehen, da könnte man manchmal fast schon würfeln. Zürich hatte letztes Jahr nicht die beste Saison, Lausanne ebenfalls nicht. Zug scheint in dieser Saison ebenfalls wieder besser zu sein. In die Top 6 zu kommen, ist ein Erfolg, der keineswegs selbstverständlich ist.» Alles sei eng beisammen. Jeder Sieg müsse erarbeitet werden. Mal schauen, ob heute Abend die Davoser oder die Freiburger Arbeit belohnt wird.