Nico Hischier: «Ich will ein Teil der Lösung sein»
Diese Woche startet die NHL in die neue Saison. Mit dabei ist auch der Walliser Nico Hischier. Der Captain der New Jersey Devils will sich mit seinem Team nach der mässigen letzten Saison rehabilitieren, nachdem er im Sommer einen neuen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat und sich nun als Investor und Mitinhaber beim auf Koordinationstraining spezialisierten Unternehmen Sensopro aus Münsingen engagiert.
Trotz Sonnenschein und angenehm warmen Temperaturen: Der Sommer neigt sich dem Ende entgegen. Ein Sommer, der auch für Nico Hischier bewegt war. Im Juli stand der NHL-Star in den Schlagzeilen, weil er sich beim in Bern beliebten «Aarebötle» gemeinsam mit Kollegen als Retter engagiert hatte, als eine Familie mit ihrem Boot steckengeblieben war. «Aber am Ertrinken war niemand. Meine Kollegen und ich sowie andere Leute waren vor Ort, haben die Polizei kontaktiert, die auch schnell kam. Sie hatten die Tools wie lange Seile, um diese Menschen aus dieser Situation zu befreien, und wir haben ein wenig geholfen. Mehr war da nicht», sagt Hischier. Das Ganze sei aufgebauscht worden.
Mit Erfolgen danken statt wegzurennen
Ein paar Tage zuvor hatte der 27-Jährige bereits für Aufsehen gesorgt, als offiziell wurde, dass er bei den New Jersey Devils einen neuen, mit 58,5 Millionen Dollar dotierten Vertrag unterschrieben hat. «Es war mein Ziel, bei New Jersey zu bleiben. Ich habe natürlich mit dem neuen GM gesprochen und wollte den Plan der Organisation hören. Ich fand diesen Plan interessant und bin froh, dass wir uns schnell einigen konnten, sodass ich mich wieder aufs Eishockey konzentrieren konnte», erklärte er nun gegenüber Sky. Klar habe es auch andere Gedanken gegeben. «Doch New Jersey hat mich gedraftet und mir als Athlet meinen Traum erfüllt. Als Sportler kann man dies am besten mit Erfolg zurückgeben. Für mich war wichtig, nicht jetzt, wo es etwas schlechter läuft, wegzurennen. Sondern zu zeigen, dass ich zum Klub stehe. Ich will ein Teil der Lösung sein. Und mithelfen, alles wieder in die richtige Spur zu bringen.»
Loyalität ist dem Walliser wichtig, aber er sei nicht naiv, hält er fest: «Ich weiss auch, dass New Jersey in einem oder zwei Jahren sagen könnte, dass man mich nicht mehr will. Loyalität hat im Profisport nicht immer einen grossen Stellenwert. Aber die Verlängerung hat sich richtig angefühlt. Wenn mich New Jersey eines Tages nicht mehr möchte, kann ich einfacher damit leben, als wenn ich heute sagen würde: Ich habe keinen Bock mehr auf euch, tschüss zusammen. Solche Werte sind mir wichtig, und der Entscheid wurde auch durch mein Bauchgefühl unterstützt.»
Selbstverständlich war auch die Dimension des neuen Vertrages ein Thema. Denn mit dem Jahresdurchschnitt von 11,7 Millionen Dollar pro Jahr ist er der erste Schweizer NHL-Profi mit einem Vertrag, der ein zweistelliges Millionengehalt pro Jahr garantiert. Er sei sehr dankbar, sein Hobby als Beruf ausüben zu können, sagt der Walliser. Und: «Es ist öffentlich bekannt, dass man da sehr gut entschädigt wird. Mir ist bewusst, dass mir das finanzielle Stabilität und Sicherheit gibt. Dafür bin ich sehr dankbar. Mir ist auch bewusst, dass Geld in gewissen Situationen helfen kann. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Geld allein nicht glücklich macht.» Man müsse an anderen Orten danach suchen, was einen richtig glücklich mache.
Immer auf der Suche nach Verbesserungen
Hischier macht sich auch Gedanken, bevor er Investitionen tätigt. Im August wurde bekannt, dass er bei Sensopro als Investor und Mitinhaber einsteigt. «Gesundheit und Wohlbefinden werden für mich ein Leben lang ein grosses Thema sein, weil es das Wichtigste ist, dass man gesund bleibt. Bei Sensopro habe ich die Möglichkeit, etwas Tolles mitzugestalten», erklärt er. «Zudem ist in den letzten Jahren mein Interesse am Koordinationstraining gestiegen. Das körperliche Training im Zusammenhang mit dem Gehirn, dem mentalen Bereich. Sensopro unterstützt das. Ich bin immer auf der Suche nach Verbesserungen. Nach dem einen Prozent, das mich besser macht – und genau in diesem Bereich sehe ich grosses Potenzial. Andererseits habe ich so die Chance erhalten, mich persönlich weiterzuentwickeln. Ich bin ein aktiver Begleiter und nicht einfach nur Investor. Ich komme in eine neue Welt und kann auch betreffend Business etwas lernen.»
Hischier und die Devils eröffnen die Saison am Donnerstag gegen die Philadelphia Flyers. Hinter sich hat er das Sommertraining, das er wie üblich in der Schweiz absolviert hat und von dem er sagt: «Man probiert, immer an seine Grenzen zu gehen, und das ist kein schönes Gefühl. Es ist aber ein Teil dieses Berufs, und ich weiss, dass es mir dann während der Saison zugutekommt. Ich spiele aber definitiv lieber Eishockey, als das Sommertraining zu absolvieren.»
Die WM in der Schublade abgelegt
Mehr oder weniger abgehakt ist auch die Heim-WM. «Die Final-Niederlage wird mich ein Leben lang ein wenig stören. Ich reflektiere danach jeweils die WM, die Spiele und versuche dann, dies aus einer anderen Perspektive anzuschauen und in einer Schublade abzulegen», so Hischier. Im Sommer, wenn er mit Kollegen und der Familie zusammen sei und Ferien habe, sei dies relativ einfach. Wenn man dann wieder darüber spreche, werde diese Schublade aufgezogen. «Momentan habe ich das verarbeitet, aber die Niederlage stört mich nach wie vor und macht mich auch traurig. Als Sportler will man immer gewinnen. Gleichzeitig erfüllt es mich mit Dankbarkeit, dass ich mit diesem Team diese Heim-WM erleben durfte.»
Nun aber zählt für Hischier wieder das Eishockey. Der Blick ist nach vorne gerichtet, der Fokus liegt auf den New Jersey Devils: «Wir haben eine Bounce Back Season, in der wir all jenen, die uns abschreiben, zeigen wollen, dass wir ein gutes Team sind. Ich hoffe, dass wir mal eine verletzungsfreie Saison spielen können. Es muss uns gelingen, konstant aufzutreten – und dann, davon bin ich überzeugt, können wir sehr gut sein. Das haben wir auch schon gezeigt.»