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Ist der Katar-Flop am Ende ein Gewinn für die Nati? Zwei Meinungen

Mit einem 1:1 gegen Katar ist die Schweiz enttäuschend in die WM gestartet. Doch ein missglückter Turnierauftakt muss nicht das Ende aller Träume bedeuten, wie die späteren Weltmeister Argentinien (2022) und Spanien (2010) eindrucksvoll unter Beweis stellten. Hat der Punktverlust gegen Katar für die Nati gar etwas Positives? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Nach dem missglückten WM-Start sind Murat Yakin, Granit Xhaka und Breel Embolo nun gefordert. © KEYSTONE/Peter Klaunzer

Andy Maschek sagt: Ja

Das 1:1 gegen Katar war ein herber Dämpfer für die Nati, die dafür auch massiv kritisiert wurde. Besonders die Leaderpersönlichkeiten wie Granit Xhaka und Manuel Akanji, die ihr eigentliches Leistungsniveau nicht fanden. Und auch wenn der Frust über den verpassten Sieg gross ist: Viel mehr als ein Betriebsunfall muss das nicht gewesen sein.

Alles war nicht schlecht gegen Katar. Die Nati hatte während langer Zeit viel mehr vom Spiel und auch gute Chancen, den Match frühzeitig zu entscheiden. Wären das 2:0 und 3:0 noch in der ersten Hälfte gefallen, was eigentlich hätte der Fall sein müssen, hätte die Schweiz schlussendlich wohl einigermassen hoch gewonnen, und wir würden uns über einen gelungenen WM-Start freuen und von Grosstaten träumen. Zugegeben, da ist sehr viel Konjunktiv im Spiel, vor allem im Spitzensport, der halt doch oftmals seine eigenen Gesetze hat. Aber nun kollektiv Trübsal zu blasen, ist der falsche Weg. Denn grundsätzlich ist nichts passiert.

Das Remis war eine Warnung, ein Schuss vor den Bug zum richtigen Zeitpunkt, aus dem Trainer Murat Yakin die richtigen Schlüsse ziehen wird. Er gilt als Taktikfuchs und wird sich in den nächsten Spielen kaum mehr verzocken und rückblickend fatale Wechsel tätigen. Captain Granit Xhaka hat eine enttäuschende Leistung gezeigt und ist nach seiner Kritik am Team vor dem Spiel im Match gegen Katar nicht mit Leistung und als gutes Beispiel vorangegangen. Dass jetzt über ihn diskutiert wird, wird ihn anstacheln und besser machen.

Am Donnerstag gegen Bosnien-Herzegowina müssen der Captain, der Trainer und das ganze Team beweisen, dass sie den Wink mit dem Zaunpfahl begriffen haben. Mit einem Sieg in diesem Spiel und dann einem weiteren Erfolg am Mittwoch nächster Woche gegen Kanada schliesst die Nati die Gruppenphase standesgemäss auf Rang 1 ab. Die Qualität dazu hat sie definitiv – trotz des ernüchternden Auftakts.

Und seien wir ehrlich: Der Gruppensieg ist nicht zwingend, um später von einer geglückten WM reden zu können. Vor allem, wenn man schon mal einen schüchternen Blick in Richtung K.-o.-Phase wirft. Läuft alles normal, trifft die Schweiz dann nach dem Sechzehntelfinal gegen einen Gruppendritten zuerst auf Portugal und dann auf Argentinien, ehe es im Halbfinal – man darf ja nach wie vor träumen – zum Duell mit England kommen würde. Es sind alles Gegner, gegen die wir aufgrund früherer Grossanlässe noch eine Rechnung offen haben. Aber auch Gegner, die stärker einzuschätzen sind als die Schweiz und denen man lieber aus dem Weg geht.

Im Endeffekt sind es aber nur Mutmassungen und Träumereien, deshalb sollten wir den Ball flach halten und das beste Rezept befolgen, auch wenn es langweilig tönt: Spiel für Spiel nehmen und wenn möglich Sieg für Sieg feiern. Angefangen bei den Duellen gegen Bosnien-Herzegowina und Kanada.

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

Zugegeben, der Gedanke hat was. Die Idee, dass ein ungenügender Turnierstart in einer Mannschaft auch etwas Positives auslösen, ja, eine Art Weckruf zur rechten Zeit darstellen kann. Ähnlich dem Schweizer EM-Fehlstart 2021 (zwei Spiele, ein Punkt) oder den «weltmeisterlichen» Ausrutschern Spaniens und Argentiniens. Doch hier kommen die «Bad News»: Im Rückspiegel sieht die Welt fast immer ein wenig besser aus.

Denn Fakt ist: Keines der erwähnten Teams hätte damals willentlich auf einen Erfolg im Startspiel verzichtet. Egal ob Titelkandidat, Mitläufer oder Aussenseiter – das Negativerlebnis zum Auftakt war ein Rückschlag, ein Dämpfer für die Hoffnungen auf einen erfolgreichen Turnierverlauf, der erst verarbeitet werden musste. Und das gelingt weit weniger häufig, als es die drei Beispiele vermuten lassen, kostet aber auf alle Fälle Selbstvertrauen und Energie.

Nun mag man in gut schweizerischer Art darauf hinweisen, dass ein wenig mehr Bodenhaftung der Nati am Samstag nicht geschadet hätte, was man so sehen kann. Und natürlich ist es wahrscheinlich auch so, dass ein Misserfolg den Blick für all das schärft, was es im Spiel und Umfeld der Schweizer Nati zu verbessern gibt. Nur ist es mit der Erkenntnis alleine nicht getan. Sonst hätten Murat Yakin, Granit Xhaka & Co. schon aus den dramaturgisch vergleichbaren Spielverläufen gegen Jordanien und Australien ihre Lehren gezogen. Doch Worte – oder besser Erkenntnisse – müssen halt auch in Taten umgesetzt werden (können).

Und genau hier wird die Sache problematisch, denn auf dem Platz steht immer auch ein Gegner. Ein Kontrahent, der die aktuellen Schwächen der Schweizer ebenfalls mitbekommen und registriert hat, dass gegen diese Nati etwas zu holen ist. Schliesslich ist das soeben auch Katar gelungen. Und genau deshalb ist es immer besser, ein Turnier erfolgreich zu beginnen und Spiele wann immer möglich erfolgreich zu bestreiten. Falls daraus dann eine vermeintlich leichtere oder schwerere Ausgangslage resultieren sollte, ist es halt so. Das man in der K.o.-Phase auch angebliche Angstgegner aus dem Turnier werfen kann, haben die Schweizer Eishockeyaner erst kürzlich gezeigt.

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