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Krönt sich PSG zum Team dieser Dekade? Zwei Meinungen

Mit dem Champions League-Final zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Arsenal erlebt die Klubfussball-Saison am frühen Samstagabend ihren Schluss- und Höhepunkt. Ein Sieg – und PSG kann als erster Klub in den 20er Jahren seinen CL-Titel erfolgreich verteidigen. Macht das die Franzosen automatisch zur besten Mannschaft dieser Dekade? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Luis Enrique und Paris Saint-Germain eilen von Erfolg zu Erfolg. © KEYSTONE/AP Photo/Matthias Schrader

Andy Maschek sagt: Ja

Wenn man darüber urteilen will, wer in einer gewissen Phase das beste Team war, spielt neben den Resultaten auch eine grosse Portion an subjektiver Sicht mit. Und da ist für mich klar: Mit der Titelverteidigung würden die Franzosen zum besten Team der letzten Dekade, auch wenn die Konkurrenz mit Real Madrid, Manchester City und dem FC Bayern München gross ist.

Doch in Paris wurde ein Monster geschaffen, das zuletzt enorm beeindruckt hat und in der Momentaufnahme das weltbeste Klubteam ist. Definitiv. Da war der Sieg in der Champions League 2025, als PSG in der K.o.-Phase nacheinander Liverpool, Aston Villa und Arsenal eliminierte, bevor im Final Inter Mailand in einem berauschenden Spiel mit 5:0 aus der Allianz Arena geballert wurde. Und in der laufenden Kampagne war speziell der Halbfinal beeindruckend. Dieses Duell gegen den FC Bayern München.

Die Deutschen waren das Team der Stunde und wurden als Favoriten auf den Titel gehandelt. Doch PSG nahm den Kampf an, lieferte den Münchnern mit offenem Visier ein begeisterndes Spektakel – und zog erneut in den Final ein. Es ist der verdiente Lohn für eine bemerkenswerte Entwicklung.

Die Pariser prägen die heimische Liga seit einer gefühlten Ewigkeit und haben nun auch die europäische Bühne erobert. Verantwortlich dafür war ein sympathisches Umdenken. Längst wird nicht mehr nur auf dem Transfermarkt mit aberwitzigen Millionen um sich geworfen, um die Superstars an die Seine zu locken. Stattdessen ist es Trainer Luis Enrique gelungen, ein Team zu formen. Die Zeiten von Lionel Messi, Neymar oder Kylian Mbappé mit ihren überdimensionalen Egos sind vorbei. Nun feiert ein Team mit jungen und begnadeten Spielern als Einheit Erfolge – und hechelt ihnen nicht nur verzweifelt hinterher, wie es ihre Vorgänger getan haben. Die Franzosen geniessen für ihre Arbeit verdientermassen Respekt und gehört nun fast schon traditionell zur europäischen Elite.

Der Triumph in der Königsklasse 2025 war keine Eintagesfliege, sondern die Belohnung für den nachhaltigen Aufbau. Das Fundament ist breit, der Esprit lebt, man feiert gemeinsam Erfolge. Der Makel des fehlenden Titelgewinns auf höchster Ebene wurde getilgt, und wenn Luis Enrique nun sein Team auch noch zum erneuten Champions League-Triumph führt, ist die Bezeichnung «bestes Team der letzten Dekade» verdient. Dies im Wissen, dass es durchaus auch Argumente für andere Giganten wie Real Madrid, Manchester City oder Bayern München gibt.

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

Kein Frage: Paris Sain-Germain ist derzeit das Mass aller fussballerischen Dinge. Wie die Mannschaft von Trainer Luis Enrique seit Anfang 2025 den europäischen Wettbewerb dominiert, Gegner, Fans und Experten gleichermassen beeindruckt und mit herausragenden Spielerpersönlichkeiten wie Ousmane Dembélé, Désiré Doué, Khvicha Kvaratskhelia oder Vitinha begeistert, sucht seinesgleichen. Aber: So wunderbar die Pariser ihren offensiven High-Speed-Fussball zelebrieren und damit die Konkurrenz dominieren – man sollte nicht vergessen, dass die «Rouge-et-bleu»“ das erst seit knapp 16 Monaten tun.

Natürlich, die Zahlen sind auch in der aktuellen Kampagne beeindruckend. Abermals Meister in Frankreich, Titelverteidiger und Finalist in der Champions League, in der PSG zugleich die beste und treffsicherste Offensive (44 Tore) stellt. Aber vor allem: Die Equipe von Luis Enrique versteht es mittlerweile, genau dann die beste Leistung abzurufen, wenn sie wirklich benötigt wird. Aber es ist noch nicht lange her, da fiel zumindest meine Beurteilung komplett gegenteilig aus. Noch im Spätherbst 2024 waren «les Parisiens» für mich eine Mannschaft, die im entscheidenden Moment fast immer als zweiter Sieger vom Platz mussten. Was im übrigen auch die Tabelle der Champions League zum damaligen Zeitpunkt bestätigte: in der stand Saint-Germain nach fünf von acht Spieltagen nämlich nur auf Rang 25 und war maximal vom Ausscheiden bedroht.

Und genau hier kommt der für mich springende Punkt: Hätte Paris damals in den Spielen gegen ManCity und beim VfB Stuttgart den Turnaround nicht geschafft – es hätte niemanden (oder zumindest nicht mich) überrascht. Anders als bei den anderen grossen Teams der Gegenwart, namentlich Bayern München (2020) und Real Madrid (2021 und 2023), die nicht nur ebenfalls über Titel in dieser Dekade verfügen, sondern ganz allgemein in jedem Jahr in die Endphase des Wettbewerbs in der Königsklasse vorstossen. Und genau diesen Beweis der Konstanz auf höchstem Niveau, muss PSG in Zukunft erst noch erbringen.

Entsprechend kann der einst aus einer Fusion zwischen dem damaligen Paris FC und Stade Saint-Germain entstandene Gigant aktuell noch gar kein Kandidat für den inoffiziellen Titel des besten Teams der Dekade sein, selbst dann nicht, wenn PSG gegen Arsenal die erste erfolgreiche Titelverteidigung seit Real Madrid (2017 und 2018) gelingen sollte. Aber natürlich würde das die Debatte verschärfen und selbst ich müsste wohl zugeben: Zumindest die Möglichkeit, dass sich Saint-Germain in den nächsten Jahren weiter von der Konkurrenz abhebt, ist gegeben.

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