Katar und Trainer Lopetegui haben etwas gutzumachen
Nach dem missglückten WM-Debüt im eigenen Land ist Katar auf Wiedergutmachung aus. Das gilt auch für Trainer Julen Lopetegui, der 2018 kurz vor dem ersten WM-Spiel entlassen wurde.
Katar sorgte vor vier Jahren für eine unrühmliche Premiere: Bei der 22. Austragung der Weltmeisterschaft blieb ein Gastgeber erstmals ohne Punkte. Dabei hatte sich das Team, das drei Jahre zuvor Asienmeister geworden war, vor heimischem Publikum so viel vorgenommen. Doch statt im kleinen Golfstaat Fussballeuphorie zu entfachen, waren Al-Annabi ("die Weinroten") gegen Ecuador, Senegal und die Niederlande klar unterlegen.
Gut ein Jahr danach rehabilitierte sich die Mannschaft und verteidigte den Titel bei der Asienmeisterschaft, die ebenfalls in Katar ausgetragen wurde. Auf dem Weg zur Trophäe gewann Katar gegen Usbekistan, Iran und im Final schliesslich gegen Jordanien. Drei Teams, die sich später ebenfalls für die WM 2026 qualifizieren sollten.
Die WM-Qualifikation war für Katar dann wiederum eine harzige Angelegenheit. Nach einer 0:5-Niederlage gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wurde Trainer Tintin Marquez durch seinen Assistenten Luis Garcia ersetzt. Unter diesem lief es aber nicht viel besser: Katar verpasste die direkte Qualifikation und musste über die Playoffs gehen.
In diesen profitierte Katar von einem speziellen Format: In der Dreiergruppe mit den VAE und Oman spielten die Teams je einmal gegeneinander, wobei die Partien alle in Katar stattfanden. Das Heimteam nutzte den vom asiatischen Verband nie gänzlich erklärten Vorteil und feierte die erstmalige Qualifikation für die WM. An dieser soll es besser laufen als beim ersten Versuch.
Für die entscheidenden Qualifikationsspiele verpflichtete der katarische Verband nochmals einen neuen Trainer: den Spanier Julen Lopetegui. Er war als Spieler einmal an einer WM dabei, 1994 in den USA als dritter Goalie Spaniens. Als Trainer stand Lopetegui 2018 ebenfalls mit Spanien vor seiner WM-Premiere, wurde aber zwei Tage vor dem ersten Einsatz des Teams entlassen.
Kurz davor war herausgekommen, dass Lopetegui nach dem Turnier Trainer von Real Madrid werden würde. Der Klub hatte eine Ausstiegsklausel in Lopeteguis Vertrag genutzt und den spanischen Verband offenbar erst kurz vor der offiziellen Medienmitteilung darüber informiert. Der vor den Kopf gestossene Verband reagierte und ersetzte Lopetegui, unter dem Spanien in 20 Spielen ungeschlagen geblieben war, durch Sportdirektor Fernando Hierro.
Dass die Spanier danach ein enttäuschendes Turnier erlebten, im Achtelfinal sensationell am Gastgeber Russland scheiterten und damit die Titelverteidigung klar verpassten, war für Lopetegui kaum ein Trost. Denn auch seine Zeit bei Real Madrid endete früh und abrupt. Nach nur 14 Partien und einer 1:5-Niederlage im Clasico gegen Barcelona wurde er auch bei den Königlichen freigestellt.
Es folgten eine längere Anstellung beim FC Sevilla und zwei kürzere bei Wolverhampton und West Ham, ehe Lopetegui katarischer Nationaltrainer wurde. Nun wird sein WM-Traum doch noch wahr. Wobei der 59-Jährige mit Katar nicht ganz so gross träumen darf wie vor acht Jahren mit Spanien. Das Team, in dem praktisch alle Spieler in der heimischen Liga engagiert sind, deutet sein Potenzial zwar hin und wieder an, lässt aber die nötige Konstanz vermissen.
Immerhin: Nach den missglückten Erfahrungen kann es für Katar und Trainer Lopetegui an der WM in Kanada, Mexiko und den USA eigentlich nur besser werden.