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Löst eine Tuchel-Entlassung Bayerns Probleme? Zwei Meinungen

Andy-Pat

Rückstand in der Meisterschaft, Rücklage in der Champions League, peinliches Pokal-Out: Der FC Bayern München taumelt und ist auf dem Weg, erstmals seit 2012 eine Saison ohne Titel zu beenden. Wäre eine Entlassung von Coach Thomas Tuchel die Lösung dieses Problems? Unsere Redaktoren Patrick Y. Fischer und Andy Maschek sind unterschiedlicher Meinung.

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Tuchels Platz bei Bayern wird immer wackliger © IMAGO

Andy Maschek sagt: Ja

Erinnern Sie sich an das Jahr 2012? Es ist eine gefühlte Ewigkeit her. Im Kader der Bayern standen damals Spieler wie Mario Gomez, Arjen Robben, Franck Ribéry, Toni Kroos, Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger. Zudem natürlich das unverwüstliche Duo Thomas Müller und Manuel Neuer. Sie alle waren Teil der bis heute letzten Bayern-Mannschaft, die eine Saison ohne Erfolg beendete.

Nun sieht alles nach einer ähnlich miserablen Spielzeit aus, wobei die aktuelle noch schlimmer enden könnte. Denn 2011/12 standen die Bayern immerhin im Final der Champions League und des DFB-Pokals, scheiterten dort aber an Chelsea respektive Dortmund (mit einem überragenden Robert Lewandowski und Trainer Jürgen Klopp).

Wollen die Bayern die drohende historisch schlechte Saison noch abwenden, gibt es nur eine Möglichkeit: die Entlassung von Trainer Thomas Tuchel, besser heute als erst morgen. Die Niederlagen in der Bundesliga gegen Leverkusen (0:3) und nun in der Königsklasse gegen Lazio Rom (0:1) sind deutliche Signale, dass dieser Schritt nötig ist. Natürlich ist bekanntlich der Trainer generell das schwächste Glied in einer Kette, diesmal ist er es aber tatsächlich.

Mit seinen taktischen und personellen Entscheiden sorgt Tuchel für Verwirrung und Unsicherheit. Er versteht es nicht, seine Mannschaft zu einer verschworenen Einheit zu formen. Stattdessen destabilisiert er langjährige Leistungsträger und Mentalitätsmonster wie Joshua Kimmich oder zeigt einem gestandenen Innenverteidiger wie Matthijs de Ligt deutlch, dass er absolut gar nichts von ihm hält. Tuchel macht den Eindruck, ein so genannter «Laptop-Trainer» zu sein, dem aber das Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Spielern fehlt. Der nicht über diese menschliche Komponente verfügt, wie es speziell bei den Triple-Trainern Jupp Heynckes und Hansi Flick der Fall war. So scheint fast unumgänglich, dass nicht nur die Saison titellos endet, sondern auch verschiedene Spieler unbedingt eine Luftveränderung wollen.

Dass Tuchel mit einem Durchschnitt von 2,07 Punkten pro Spiel hinter seinen Vorgängern Julian Nagelsmann (2,31), Hansi Flick (2,53), Niko Kovac (2,26) und Jupp Heynckes (2,49) liegt, ist ein klares Zeichen. Denn die ihm zur Verfügung stehende Mannschaft ist keinesfalls schlechter, als es die Teams in der jüngeren Vergangenheit waren. Wollen die Bayern von einer allfälligen Schwäche Leverkusens profitieren oder in der Champions League doch noch für Furore sorgen und schon jetzt ein Fundament für die Zukunft bauen, müssen sie sich so bald wie möglich von Thomas Tuchel trennen. Ein schlechter Trainer ist er selbstverständlich nicht, sonst hätte er zuvor nicht mit Chelsea die Champions League gewonnen oder mit PSG und Dortmund Erfolge gefeiert. Aber er passt nicht zum FC Bayern München und dessen «Mia san mia»-Mentalität.

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

Lange ist es her. In der Saison 2011/2012 gewann der FC Bayern München zum letzten Mal keinen einzigen Titel. Damals, als Otto Rehhagel Hertha BSC Berlin trainierte, RB Leipzig noch in der Regionalliga kickte und der FC Sion von der FIFA mit 30 Punkten (!) Abzug sanktioniert wurde. Und nun droht den stolzen Münchnern unter Thomas Tuchel abermals die Apokalypse. Dabei war Tuchel erst vor elf Monaten geholt worden, um das schlingernde Bayern-Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

Insofern wäre eine Entlassung des 50-jährigen Fussball-Lehrers nachvollziehbar. Einer glücklichen Last-Minute-Meisterschaft im Mai 2023 stehen bislang fast ausnahmslos Niederlagen in den Schlüsselspielen gegenüber: im Pokal, in der Meisterschaft, in der Champions League – ja, sogar im DFL-Supercup. Und dennoch wäre eine Beurlaubung des FIFA-Welttrainer des Jahres 2021 abermals der Versuch, tiefer liegende Probleme mit einer kurzfristigen Notmassnahme zu bekämpfen. Bereits vor einem Jahr klappte das offensichtlich nicht.

Wenn ein weltweiter Gigant wie der FC Bayern trotz riesigem finanziellen Vorsprung (die Effizienztabelle der Bundesliga) zum zweiten Mal in Folge Gefahr läuft, die mit deutlich weniger PS operierende Konkurrenz in Schach zu halten, deutet das auf Probleme hin, welche die Position des Trainers bei Weitem übersteigen. Oder glauben Sie etwa, dass ein neuer Hauptübungsleiter einen Leroy Sané plötzlich dazu bringt, eigene Interessen hinter diejenigen des Teams zu stellen? Oder aus Dayot Upamecano einen konstant fehlerfrei spielenden Verteidiger zu machen? Es ist auch nicht die Aufgabe des Trainers alternden Führungsspielern wie Manuel Neuer oder Thomas Müller rechtzeitig junge Leitwölfe zur Seite zu stellen oder – wenn wir schon bei der Führungsetage angelangt sind – diese mit den richtigen Köpfen, Identifikationsfiguren und Persönlichkeiten zu besetzen. All das haben die Bayern in den letzten Jahren versucht, sich dabei aber den einen oder anderen Fehler zu viel erlaubt. Für die nachhaltige Korrektur bedarf es deshalb meiner Meinung nach mehr, als nur den nächsten Trainerwechsel.

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