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Top oder Flop? Zwei Meinungen zu Murat Yakins WM-Kader

Heute veröffentlichte der Schweizerische Fussballverband die letzten der 26 über elf Social-Media-Posts verteilten Namen der WM-Fahrer 2026. Führt uns dieses Kader bis ins Finale oder maximal bis ins dritte Vorrundenspiel in Vancouver? Möglicherweise weder noch, aber unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer habe eine klare Meinung zum Team von Murat Yakin.

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Nationalcoach Murat Yakin hat sein WM-Kader bestimmt. © KEYSTONE/Cyril Zingaro

Andy Maschek sagt: Top

Eine WM ist weder ein Trainingslager, noch eine Talentschau, sondern der Höhepunkt im Fussballjahr. Dass die Nationalcoaches mit ihren Aufgeboten am einen oder anderen Ort für Stirnrunzeln oder gar Ärger sorgen – das ist Teil des Business. Allen kann man es definitiv nie recht machen.

So ist das nun auch bei Murat Yakin. So ist es auch in Deutschland bei Julian Nagelsmann. Dass dieser nun den eigentlich zurückgetretenen Bayern-Goalie Manuel Neuer aufbietet und ihn gar als Nummer 1 mit an die WM nehmen will, ist bemerkenswert – und zugleich ein Affront gegenüber Oliver Baumann, der eigentlich als Stammkeeper eingeplant gewesen war und nun kurzfristig «rasiert» wird. Nagelsmann geht damit volles Risiko, ordnet alles dem Erfolg unter – es ist ein Tanz auf der Rasierklinge. Mit der Gefahr, dass es rückblickend als Fehltritt eingestuft werden wird.

Murat Yakin hat schon seit längerer Zeit kein Geheimnis daraus gemacht, dass sein Mannschaftsgerüst steht. Für ihn ging es nur noch darum, Nuancen anzubringen. Und doch gibt es streitbare Entscheide. Da geht es nicht um die Stamm-, sondern um die Ergänzungsspieler. Natürlich, Zeki Amdouni war lange verletzt und befindet sich nach seinem Kreuzbandriss noch auf dem Weg zurück. Er hat in 27 Länderspielen aber elf Tore erzielt und damit gezeigt, dass er international ein Faktor sein kann. Bis die WM beginnt, wird er auch wieder eine Verstärkung für die Nati sein.

Mit Eray Cömert, Christian Fassnacht und Cedric Itten setzt der Nationaltrainer auf Routine. Es sind Spieler, die mit ihrer Erfahrung mit der Rolle umgehen können, die sie erhalten. Sie werden dann da sein, wenn sie gebraucht werden, auch als Joker und Männer lediglich für ein paar Minuten. Und sie werden auch dann mitziehen, wenn sie während des Turniers nicht zum Einsatz kommen, aber für das Teamgefüge und den Trainingsbetrieb wichtig sein. Ein grosses Turnier ist ein komplexer Event, an dem auch zwischenmenschlich alles passen muss. Und das ist bei diesen Routiniers der Fall.

Das heisst nicht, dass ich an den jungen Spielern wie Alvyn Sanches, Zachary Athekame oder Alessandro Vogt zweifle. Sie haben definitiv ihre Qualitäten und hätten ein Aufgebot ebenfalls verdient gehabt. Doch sie werden auch damit umgehen können, dass es nicht an die WM reicht. Aufgehoben ist nicht aufgeschoben und eine WM wie schon erwähnt keine Talentschau, kein Prospect-Camp und keine Bildungsreise. Dieses Kader von Murat Yakin ist in meinen Augen definitiv gut genug, um in die K.o.-Phase einzuziehen. Und einen Viertel- oder Halbfinal kann man nicht planen, da braucht es viel Glück – und vielleicht auch einen entscheidenden Treffer eines Routiniers wie Itten oder Fassnacht.

Im Endeffekt hält sich der Unmut über Yakins Wahl ja wirklich in Grenzen. Vor allem auch dann, wenn wir uns an die EM 1996 zurückerinnern, als der damalige Nationalcoach Artur Jorge die Fussball-Schweiz schockte, indem er auf Alain Sutter und Alain Knup verzichtete. Die Konsequenz war die ebenso legendäre wie streitbare Schlagzeile auf der Blick-Titelseite: «Jetzt spinnt er!» So weit geht heute bei Yakin definitiv niemand.

Patrick Y. Fischer sagt: Flop

Ok, ok, ok – Murat Yakins WM-Kader als Flop zu bezeichnen ist ziemlich streng. Schliesslich ist es nicht ganz einfach, aus einem Kontigent von rund 40-45 Kandidaten, jenes Team zu Formen, dass nächsten Monat in Nordamerika die Schweizer Kohlen aus dem Feuer holen soll. Denn machen wir uns nichts vor: Neben den wenigen überdurchschnittlichen Säulen dieser Mannschaft (Kobel, Akanji, Rodriguez, Xhaka, Ndoye, Embolo) liegt ein substantieller Teil des Teams leistungsmässig sehr nahe beieinander.

Aber genau deshalb wäre es so wichtig, die Mannschaft mit dem grösstmöglichen Potential über den Atlantik zu schicken. Und insofern haben Murat Yakin und sein Staff zumindest in einer Personalie richtig gehandelt. Noah Okafor, Problemspieler der jüngeren Vergangenheit (hoffentlich), ist mit dabei. Erstmals seit seinem letzten Länderspiel im November 2024 und ohne zur erfolgreichen WM-Qualifikation einen Beitrag geleistet zu haben, aber trotzdem zu Recht. Denn auf einen Angreifer, der in 28 EPL-Einsätzen acht Tore erzielt, kann diese Schweiz nicht verzichten. Auch, weil Okafor sein Potential endlich in Produktion ummünzt.

Anders sehe ich den Fall Zeki Amdouni. Der 25-Jährige Angreifer hat seit seinem Wechsel zum Burnley FC in drei Spielzeiten in der Premier League und bei Benfica keine grossen Stücke zerrissen und zuletzt aufgrund eines Kreuzbandrisses zehn Monate pausiert. Ihn jetzt nach drei Teileinsätzen über total 45 Minuten aufzubieten, entspricht für mich nicht dem Leistungsprinzip. Insbesondere wenn als Alternative mit Alessandro Vogt (21) ein Spieler bereitgestanden wäre, der in dieser Spielzeit gezeigt hat, dass er zumindest über Substanz verfügt (40 Einsätze) und auch das Tor regelmässig trifft (18 Mal).

Womit wir bei den beiden Personalentscheidungen wären, die ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Warum in aller Welt entscheidet sich Yakin dazu, mit Eray Cömert (28) und Christian Fassnacht (32) zwei Spieler aufzubieten, von denen wir bereits wissen, dass sie auf höchstem Niveau keinen Unterschied machen können, insbesondere wenn die Gegner im Verlauf eines Turniers stärker werden? Schliesslich stünden mit Zachary Athekame (21, 26 Einsätze für die AC Milan) und Alvyn Sanches (23) zwei junge Spieler bereit, in denen genau jenes Potential steckt, welches einem grossen Teil des Schweizer Kaders abgeht. Von der verpassten Chance, diese beiden jungen Cracks Turniererfahrungen sammeln zu lassen und sie im Falle von Sanches auch definitiv an die Schweiz zu binden (was noch nicht passiert ist), ganz zu schweigen. Für mich ein doppelt unverständliches Versäumnis von Yakin, dass die Schweiz möglicherweise schon diesen Sommer, vielleicht aber sogar darüber hinaus, bereuen könnte.  

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