Aufgefallen: Die High- und Lowlights der ersten NL-Woche
Vier Spiele sind in der National League gespielt und an der Tabellenspitze stehen nicht die ZSC Lions oder der EVZ Zug, sondern die Rapperswil-Jona Lakers. Aber die St. Galler sind nicht die einzige Überraschung in der noch jungen Saison. Unsere Zwischenbilanz nach den ersten Spielen.
Aussenseiter auf der Überholspur
Wer hätte das gedacht? Nach vier Spielen mischen mit den SC Rapperswil-Jona Lakers (1.) und dem EHC Kloten (4.) die Nummern 12 und 13 der vergangenen Spielzeit ganz vorne mit. Dabei wurde insbesondere den Klotenern im Vorfeld der Saison kaum Kredit eingeräumt und auch den Seebuben traute man nach dem kurzfristigen Abgang von Topscorer und Teamleader Roman Cervenka (38) eher wenig zu. Zumindest in der ersten Meisterschaftswoche straften die beiden Teams nun aber viele Beobachter Lügen, wobei Zweifel an der längerfristigen «Niveaufestigkeit» der beiden Schnellstarter durchaus angebracht sind. Dass die Lakers noch wochen- oder gar monatelang mit einer Schusseffizienz von 13,89% glänzen und auch deshalb über vier Akteure (Jensen, Wetter, Strömwall und Moy) in den Top 20 der Skorerliste verfügen ist genauso unwahrscheinlich wie die Annahme, Klotens Ludovic Waeber (Fangquote von 95,51%) könne auf Dauer die aktuellen Schwächen im Klotener Offensivspiel (Nr. 11 im PP, Nr. 11 in Sachen Schusseffizienz und kein Skorer unter den Top 25) kaschieren. Für beide gilt aber: Im Kampf um die Plätze zwischen sechs und zwölf könnten die jetzt gewonnen Punkte noch sehr wichtig werden.
Das Tessin macht Lust auf mehr
Ähnlich gut wie die beiden «Underdogs» sind mit dem HC Lugano (2.) und dem HC Ambri-Piotta (5.) auch die beiden Tessiner Vertreter in die neue Saison gestartet. Das überrascht insofern, als dass beide Klubs ihre Auftaktspiele verloren, wobei zumindest die Leventiner für sich in Anspruch nehmen können, bislang nicht nur in jedem Saisonspiel gepunktet, sondern dies gegen das womöglich formstärkste Auftaktprogramm der Liga (Rappi, ZSC, Kloten und Zug) getan zu haben. Für Ambri spricht bislang eine starke Offensive (Nr. 4 mit 13 Toren) und ein Boxplay, dass bislang noch keinen einzigen Gegentreffer zuliess. Am südlichen Zipfel des Kantons bezwang der HCL nach einer knappen Niederlage in Zug zuletzt hintereinander Davos, Lausanne und Bern und überzeugt dabei mit der bislang treffsichersten Offensive der Liga (16 Tore). Den Bianconeri ist durchaus zuzutrauen, dass sie noch ein wenig länger im Kreis der besten NL-Teams mitmischen.
Business as usual
Abgeklärt, routiniert, effizient. So könnte man den Saisonstart der beiden in den letzten Jahren führenden Deutschschweizer Klubs aus Zürich und Zug beschreiben. Insbesondere Titelverteidiger ZSC hat mit Ausnahme des Powerplays (Nr. 14 von 14) bereits ziemlich gut dort angeknüpft, wo die Löwen im Frühjahr aufgehört haben. Nach vier (allerdings engen) Spielen sind sie noch immer ungeschlagen und stellen mit Topscorer Denis Malgin (2G, 4A), Verteidiger Dean Kukan (2G, 4A) und dem Letten Rudolfs Balcers (2G/3A) drei der vier besten Skorer der Liga. Dagegen musste der EV Zug bereits einmal – wenn auch etwas unglücklich - als Verlierer vom Eis (gegen Ambri). Der gelungene Saisonstart der beiden Neuzugänge Mike Künzle (3G, 1A) und Daniel Vozenilek (2G, 2A) sowie die sich abzeichnende Formrückkehr von Jan Kovar (5A in drei Spielen) dürften in der Innerschweiz die Hoffnung auf eine starke Saison aber nichtsdestotrotz weiter nähren.
Sand im Getriebe
Beim Einen etwas mehr. Beim Anderen etwas weniger. In etwa so könnte man den Saisonstart des HC Fribourg-Gottéron (5 Punkte), des SC Bern (5 Punkte), des HC Davos (3 Punkte) und des HC Genf-Servette (2 Punkte bei einem Spiel weniger) beschreiben. Allen vier gemeinsam ist dabei, dass sie eindeutig zu wenig Tore erzielen. Im Bereich der Schusseffizienz belegen die Bündner, Fribourger und Genfer geschlossen die Ränge 12 – 14, was zumindest den Schluss zulässt, dass via einer verbesserten Chancenauswertung auch deutlich mehr drin liegen könnte, als im bisherigen Verlauf der Saison gezeigt. Immerhin verfügen die Grenats nach den ersten Auftritten über das bislang beste PK der Liga, ein Aspekt, von dem z.B. der HC Davos aktuell nur träumen kann. Die fast schon unwirkliche 0:7 Schlappe bei den erstaunlichen SCL Tigers könnte zwar schon in wenigen Wochen niemanden mehr interessieren. Genauso gut könnte das Debakel im Emmental aber auch die Art von Niederlage sein, die das Vertrauen innerhalb eines Teams (und in der Zusammenarbeit mit den Trainern) in seinen Grundfesten erschüttert.
Wie gehabt
Eigentlich will der HC Ajoie in dieser Saison endlich einmal den letzten Tabellenplatz verlassen. Und eigentlich hatte man dies den Jurassiern vor dem Saisonstart auch an verschiedensten Stellen zugetraut, schliesslich hatte sich der Klub für Pruntruter Verhältnisse schon fast hochkarätig verstärkt. Unter anderem wechselten nämlich die beiden Topskorer der finnischen Liiga (Oula Palve und Jerry Turkilainen) in den Jura. Doch das erste Fazit fällt für die Mannschaft von Trainer Christian Wohlwend ernüchternd aus. Als einziges der 14 NL-Teams haben die Ajouielots in den ersten vier Saisonspielen nämlich noch keinen einzigen Punkt ergattern können und stehen somit bereits früh in der Saison mit dem Rücken zur Wand. Ein wichtiger Grund: Rückkehrer Benjamin Conz musste bislang rund viermal pro Spiel hinter sich greifen. Immerhin: Das Palve/Turkilainen auch im weiteren Verlauf des Winters ähnlich harmlos (bislang gemeinsam 3 Punkte) agieren wie bislang, ist eher nicht anzunehmen und zumindest im Powerplay (Nr. 3 der Liga) deuteten die Jurassier zu Saisonbeginn an, dass sie über mehr Potential verfügen könnten, als in der jüngeren Vergangenheit gezeigt.