Cup-Jagd auf die Favoriten – die Underdogs träumen
In der ersten Cup-Runde im August blieben die Überraschungen noch aus. Fallen nun im Herbst nicht nur die Blätter von den Bäumen, sondern auch die ersten Super-Ligisten aus dem Rennen um die Nachfolge des FC St. Gallen?
Die elf Klubs aus der Super League – der FC Vaduz ist nicht teilnahmeberechtigt – lösten ihre Aufgaben in der ersten Cup-Runde gegen die Underdogs mehr oder weniger souverän und zogen in die Sechzehntelfinals ein, die von heute bis Sonntag auf dem Programm stehen. Während der FC Zürich das Duell gegen den Erstligisten Tuggen nur mit 2:1 gewann, zeigte der FC Lugano auch in diesem Wettbewerb eine souveräne Leistung und feierte mit dem 10:1-Sieg gegen den Zweitligisten Vedeggio Calcio ein Stängeli.
Nach der erledigten Pflicht wartet nun auf dem Weg in den Final am 6. Juni 2027 die nächste Aufgabe auf die Favoriten, wobei der eine oder andere Underdog durchaus aufs Weiterkommen hoffen darf.
Der FCB unter Druck
Im Fokus steht natürlich vor allem das Spiel zwischen Nyon und dem FC Basel. Die Westschweizer belegen mit fünf Punkten aus zehn Meisterschaftsspielen derzeit in der Challenge League den letzten Tabellenplatz und befinden sich wie der FCB in einer sportlich schwierigen Situation. Aber am vergangenen Freitag setzte das Team von Aurélien Mioch ein Ausrufezeichen und gewann gegen Aarau 2:1. Zudem sorgt bei den Waadtländern die Vergangenheit für Hoffnung: Letztes Jahr schalteten sie in der zweiten Cuprunde den FC Zürich im Penaltyschiessen aus, und vor zwei Jahren setzte sich der FCB auf dem Weg zum Cup-Triumph ebenfalls in der zweiten Runde erst in der Verlängerung dank eines Last-Minute-Penaltys von Xherdan Shaqiri durch.
Zudem ist der FCB angeschlagen und nach der Niederlage in Vaduz verunsichert. «Der Ball liegt nun ganz bei mir und meinem Team. Wir wollen und müssen im Cup eine Reaktion auf das nicht akzeptable Vaduz-Spiel zeigen. Mit mehr Fokus, mehr Konzentration und der Bereitschaft, die Extrameile zu gehen», sagt FCB-Trainer Slavisa Jokanovic. Und: «Jedem Einzelnen muss bewusst sein, in welcher Situation wir uns befinden, und jeder muss alles dafür geben, dass wir gemeinsam wieder herauskommen. Entscheidend ist, gerade in schwierigen Momenten, eine Reaktion zu zeigen. Jedes kommende Spiel muss für uns jetzt das wichtigste unserer Karriere sein. Angefangen bei der Partie gegen Nyon.»
Der FCB steht tatsächlich mit dem Rücken zur Wand. Gefordert ist aber auch der FC Luzern. Die Innerschweizer treffen auf den FC Winterthur, der in der letzten Saison ebenfalls noch in der Super League spielte, sich nach dem Abstieg und einem schwachen Saisonstart aber erholt hat. Am vergangenen Freitag gab es zwar eine klare 0:3-Niederlage gegen Xamax. Doch dass man das Team von der Schützenwiese nicht unterschätzen darf, zeigte sich während der Nati-Pause, als das Team von Patrick Rahmen den FC Basel mit 7:3 niederkanterte. «Wir sind grundsätzlich gut drauf, ein Weiterkommen ist möglich, der Cupfinal muss unser Fernziel sein – man soll immer von Grossem träumen und daraufhin arbeiten», sagte denn auch Routinier Antonio Marchesano zur «Winterthurer Zeitung».
Ein schwieriges Los hat auch der FC Zürich erwischt, der auswärts gegen den FC Aarau antreten muss. Die ambitionierten Aargauer belegen in der Challenge League zwar nur Rang 6 und hinken den Ansprüchen hinterher. Doch das Team von Brunello Iacopetta hat Erfahrung als Riesentöter und warf vor einem Jahr in der zweiten Runde die Young Boys aus dem Wettbewerb. Der Schütze des goldenen Tores war Elias Filet, der mittlerweile in Belgien für La Louvière stürmt.
Derby für den Titelverteidiger
Zu einem Derby kommt es auch in Rapperswil, wo der Challenge-Ligist den Titelverteidiger und Kantonsrivalen FC St. Gallen empfängt. Es ist die Neuauflage des Achtelfinals der letzten Saison, als sich der FCSG erst im Penaltyschiessen durchsetzte. «Die Partie hat ein positives Gefühl hinterlassen, schliesslich haben wir gewonnen. Und am Ende der Kampagne wurden wir Cupsieger», sagt nun St. Gallens Trainer Enrico Maassen, bezeichnet aber Rappi als hochmotivierten Gegner mit einer guten Spielanlage und einem dominanten Spielstil. «Wir brauchen eine konzentrierte Leistung und müssen von Beginn an scharf sein.»
Eine Überraschung ist auch dem FC Schaffhausen aus der Promotion League zuzutrauen, der den taumelnden Meister FC Thun vielleicht im richtigen Moment fordern darf. In der Promotion League belegt das Team von David Sesa aktuell Rang 2 – und der Ex-Internationale weiss: «Im Cup entscheidet nicht der Name des Gegners, sondern wer auf dem Platz bereit ist, alles zu investieren.» Dass sein Team heiss ist, zeigte sich bereits am vergangenen Samstag mit einem 8:0-Kantersieg gegen die U21 des FC Luzern. Und dass die Defensive der Berner Oberländer verwundbar ist, ist längst kein Geheimnis mehr.
Unmittelbar hinter Schaffhausen liegt in der Promotion League der SC Cham, der den FC Sion empfängt. Und die Walliser müssen sich auf einen heissen Kampf vorbereiten, schliesslich haben die Zuger letztes Jahr in der ersten Runde den FC Lugano mit 3:2 bezwungen und in der dritten Runde gegen die Grasshoppers nur mit 1:3 verloren. «Uns ist bewusst, dass mit Sion eine Mannschaft kommt, die individuell und qualitativ auf einem anderen Niveau spielt. Aber wir müssen deshalb nichts völlig Neues erfinden», sagt Cham-Trainer Pascal Nussbaumer. «Wir müssen an unsere eigenen Fähigkeiten glauben, unseren Standard über 90 Minuten auf den Platz bringen und mit viel Mut und Freude auftreten.» Vor einem Jahr hätten sie gezeigt, dass sie zu Hause einen Super League Verein schlagen können. Wenn an einem solchen Tag die Leistung stimme, sie als Kollektiv funktionieren und vor dem Tor konsequent seien, dann hätten sie auch diesmal ihre Chance. «Entscheidend ist, dass wir bei uns bleiben und unsere Momente nutzen. Unser Fokus liegt auf uns, auf unserer Leistung und unserem Glauben.»
Ob einer der Super-Ligisten – zusätzlich sind auch noch die Young Boys, Servette, GC, Lugano und Lausanne mit dabei – den Traum vom Cupsieg früh begraben muss und an einem Aussenseiter scheitert, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Klar ist aber bereits jetzt: Die Underdogs träumen.