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Ambitionierte Rückkehr nach Mailand

Andy

Im Sommer verliess Yann Sommer nach drei Jahren und mit mehreren Titeln im Gepäck Inter Mailand und unterschrieb bei Club Brügge einen Vertrag bis 2029. Bereits heute Abend kommt es aber in Mailand zum Wiedersehen mit seinen ehemaligen Teamkollegen.

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Yann Sommer trifft heute mit Brügge auf seinen Ex-Klub Inter Mailand. © IMAGO / Isosport

Als der ehemalige Schweizer Nationaltorhüter Italien verliess und in Belgien anheuerte, wurde mancherorts der Kopf geschüttelt. Das Renommee des belgischen Fussballs ist bei uns überschaubar. Doch schon der erste Besuch des Trainingsgeländes und ein anschliessender Ausflug ins nahe gelegene Knokke an die Nordseeküste, wo er spontan im Meer schwimmen ging, überzeugten ihn endgültig. «Ich liebe die Natur, und Knokke ist ein schöner Ort zum Leben», erklärte Sommer später in einem Interview mit der belgischen Zeitung «Nieuwsblad». Ein weiterer Vorteil: Es ist nicht weit von seinem früheren Wohnort Düsseldorf entfernt, wo er ein Haus besitzt. «Als ich nach diesem ersten Besuch nach Hause kam, sagte ich meiner Familie bereits, dass Brügge vielleicht mein nächstes Ziel sein könnte.»

Aus der Möglichkeit wurde Realität. Sommer spielt seit dieser Saison bei Brügge, nachdem es in Italien nicht zu einer Vertragsverlängerung gekommen war. Die Trennung hinterliess keine Wunden, wie er nun gegenüber der «Gazzetta dello Sport» erklärte: «Sowohl der Verein als auch ich haben entschieden, dass es der richtige Zeitpunkt ist, getrennte Wege zu gehen.» Er wohnt in Knokke an der Küste, kann mit dem Velo zum Strand und zum Trainingsgelände fahren, wie er sagt. «Ich geniesse mein neues Leben, das ganz anders ist als in Mailand. Hier herrscht eine friedliche Atmosphäre, es erinnert mich an die Schweiz.»

Ruhe und Stabilität einbringen

Auch sportlich passt es für ihn in Brügge. «Es ist eine junge Mannschaft, und das ist für mich unglaublich spannend. Natürlich ist die Situation ganz anders als bei Inter, wo man Teil eines Teams mit enorm viel Erfahrung ist, das aus gestandenen Spielern besteht. Hier gehört man zu einer Mannschaft mit vielen Jungs, die noch richtig viel lernen wollen und in vielen Bereichen an ihren Fähigkeiten feilen. Sie sind echte Rohdiamanten», so Sommer. Er versuche, seine Erfahrung zu nutzen, um Ruhe und Stabilität in die Mannschaft zu bringen, gerade als Torwart. Das sei seine Rolle. Auch in der Kabine achte er darauf, dass seine Erfahrung der Mannschaft zugutekommt. Die erfahrenen Spieler wie Hans Vanaken und Brandon Mechele versuchten, für Stabilität zu sorgen, in entscheidenden Momenten Ruhe zu bewahren und vielleicht auch mal mit den jüngeren Spielern zu reden, wenn es etwas hektisch werde. Das laufe gut.

Auch nach dem Wechsel nach Belgien hat der 37-Jährige seine Ambitionen behalten. Keine Spur von einem gemächlichen Übergang in die Fussballrente. «Mein vorrangiges Ziel mit Brügge ist es, die Ligaphase zu überstehen», sagt er nun vor dem Wiedersehen mit Inter in der Champions League, bei dem beide Klubs schon etwas unter Druck stehen. Die Belgier verloren in der ersten Runde daheim 2:3 gegen Aston Villa, die Italiener tauchten auswärts gegen Real Madrid mit 1:2. «Wir wollen mindestens die nächste Runde erreichen. Wie wir wissen, ist in der Champions League jedes Spiel enorm schwer. Man darf sich nicht viele Fehler erlauben. So ist die Champions League eben. Aber unser Hauptziel ist klar: in die nächste Runde einzuziehen», erklärt Sommer.

Gleichzeitig macht er klar, dass er nach wie vor motiviert ist und nicht ans Aufhören denkt. «Ich fühle mich gut und möchte mich verbessern, trainieren und alles geben. Solange das so ist, mache ich weiter. Und ausserdem liebe ich es, im Tor zu stehen. Warum sollte ich ans Aufhören denken?», sagt der Schweizer im Interview mit der «Gazzetta dello Sport». Auch die Rückkehr nach Mailand ist für ihn kein Ausflug als Tourist und keine romantisch-sentimentale Reise, um die Vergangenheit aufleben zu lassen. «Zunächst einmal will ich das Spiel gewinnen. Aber natürlich freue ich mich darauf, alle Leute wiederzusehen. Ich habe viele wirklich nette Menschen kennengelernt in der Zeit in Italien, die mir sehr geholfen und mir zur Seite gestanden haben», erklärte Sommer gegenüber der «Gazzetta dello Sport».

71. Spiel in der Champions League

Er traue Inter viel zu, glaube aber auch an die Chancen seines neuen Teams, in dem viel Talent steckt, zahlreiche Nationalspieler unter Vertrag stehen und das mental stark ist. «Bei solchen Spielen ist es für uns wichtig, mit viel Mut und Selbstvertrauen aufzutreten. Wir werden alles daran setzen, ein gutes Spiel gegen Inter zu spielen und sie in eine schwierige Situation zu bringen», so Sommer, der heute Abend sein 71. Spiel in der Königsklasse bestreitet.

Damit ist er der Schweizer Spieler mit den meisten Partien in der Champions League. Erster Verfolger ist ausgerechnet Manuel Akanji, sein früherer Nati- und Inter-Kollege, der heute im direkten Aufeinandertreffen seinen 67. Auftritt in der Champions League hat. «Die Champions League ist immer etwas Besonderes. Sie ist grossartig. Ich verbinde diese Spiele mit vielen Emotionen. Die Fans freuen sich darauf, und die Mannschaft genauso. Es ist eine grossartige Bühne, nicht zuletzt für die jungen Spieler hier.» Man messe sich mit den besten Mannschaften der Welt, das sei immer spannend. «Gute Fussballspiele, ein hohes spielerisches Niveau. Das hat mir schon immer gefallen», so Sommer.

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