Aufgefallen: Der 10. Spieltag in der Brack Super League
Ein Fehlstart für zwei neue Trainer, ein schon fast meisterlicher Leader, ein amtierender Meister in Nöten und ein Derby-Fluch: Unser Rückblick auf die Runde vom Wochenende.
Neuer Besen 1
Wie ging nochmals das Sprichwort mit den neuen Besen? Heisst es nicht, dass diese gut kehren sollen? Das tönt in der Theorie wohl gut, trifft aber in der Praxis zumindest im Fussball nicht immer zu. Dies zeigte sich gerade auch am letzten Wochenende. Der FC Basel hatte zuletzt Stephan Lichtsteiner gefeuert und ihn durch Slavisa Jokanovic ersetzte, Rekordmeister GC hatte sich von Peter Zeidler getrennt und den Deutschen Olaf Janssen eingestellt. Es waren zwei überraschende Verpflichtungen, schliesslich waren beide Trainer in der Schweiz wohl nur den absoluten Insidern ein Begriff. Umso gespannter war man nun natürlich auf ihre ersten Spiele mit ihren Teams – und da fällt die Bilanz ernüchternd aus.
Der FCB verlor in Vaduz gleich mit 0:3 und bot eine unterirdische Leistung. Dass die Bebbi danach von ihren Fans mit Pfiffen eingedeckt wurden, erstaunte wohl niemanden. «Es tut weh, so mein erstes Spiel zu verlieren. Vor allem für die mitgereisten Fans tut es mir leid. Sie haben uns trotz des Resultats vom Anfang bis zum Schluss unterstützt», sagte der neue FCB-Trainer Jokanovic, der für die Pfiffe Verständnis hatte. Alarmierend ist, dass die Basler vom Aufsteiger dominiert wurden und blutleer auftraten. Der Einsatz: mangelhaft. «Wir traten ohne Energie auf. Es geht um Kampf. Wir aber haben 80 Prozent der Zweikämpfe verloren. Ich hätte gedacht, dass wir nach ein paar Tagen Zusammenarbeit positive Schritte machen würden. Aber es war nicht genug. Unser Level reicht nicht für diese Liga», so Jokanovic, der nun seine Spieler auf den nächsten Underdog vorbereiten muss: Am Freitag trifft der FCB in der zweiten Cup-Runde auswärts auf Stade Nyonnais. Ein Sieg ist absolute Pflicht.
Neuer Besen 2
Einen Fehlstart erlebte auch der neue GC-Trainer Olaf Janssen, der mit seinem Team daheim gegen YB 0:2 verlor. Die Hoppers kämpften zwar tapfer, sodass Janssen nach dem Match sagen konnte, er habe das Gefühl bestätigt erhalten, die Mannschaft sei bereit, die nötigen Schritte gemeinsam mit ihm zu gehen. Alles andere bleibe eine Sache von Zeit und Entwicklung, «aber ich bin glücklich, dass sie die Einstellung mitbringen». Fragen musste sich der neue Übungsleiter aber wegen eines personellen Entscheids stellen lassen. Beim Stand von 0:0 wechselte Janssen in der Pause Allan Arigoni auf der rechten Abwehrseite ein. Simone Stroscio rückte von dieser Position eine Reihe auf, während Oscar Clemente weichen musste. Mit Verteidiger Arigoni wollte Janssen mehr Substanz für seine rechte Seite, doch nach zwei Angriffen über jene Seite führte YB nach 52 Minuten dank Toren von Samuel Essende und Christian Fassnacht 2:0. Das Spiel war entschieden.
Meisterlicher Leader
An der Tabellenspitze zieht der FC Lugano weiterhin einsam seine Kreise, liegt nach neun Siegen und einem Unentschieden sechs Punkte vor den ebenfalls noch ungeschlagenen Young Boys. Dass die Tessiner ein heisser Titelanwärter sind, musste nun auch der FC Luzern erfahren, der mit einer 0:4-Niederlage im Gepäck auf die Rückreise durch den Gotthard geschickt wurde. Nur einmal in der Geschichte der 2003 eingeführten Super League legte ein Team einen noch besseren Start hin. Vor 23 Jahren stellte der FC Basel mit 13 Siegen in Serie eine bis heute unerreichte Marke auf. Auch die dreiwöchige Nati-Pause konnte die Tessiner nicht stoppen. «Es war eine ungewohnt lange Pause, das hat man gemerkt», sagte Captain Renato Steffen. Während der Unterbrechung verlor Lugano ein Testspiel gegen Hellas Verona mit 1:3 und verstand diese Niederlage als Warnung. «Wir haben danach besprochen, dass wir sicher keinen Schlendrian reinkommen lassen wollen», so Steffen.
Für den FC Lugano ist das Punktepolster speziell im Hinblick auf die kommenden Wochen beruhigend und wertvoll. Nun steigen die Tessiner in den Europacup-Herbst – bis zur am 21. Dezember beginnenden Winterpause bestreitet Lugano neben den Spielen in Meisterschaft und Cup auch sechs Partien in der Conference League, die erste am Donnerstag daheim gegen Roter Stern Belgrad. Steffen blickt der Dreifachbelastung jedoch gelassen entgegen und sagt: «Wir haben so viele gefährliche Spieler, die wir einsetzen können. Dem Team zuzuschauen, macht Spass.» Und wer weiss, vielleicht führt dieser Spass ja am Ende zum Titel.
Der FC Thun in Not
Noch ist der FC Thun amtierender Meister, doch in dieser Saison läuft es den Berner Oberländern nicht wirklich wunschgemäss. Das 2:4 gegen den FC Zürich war im zehnten Spiel bereits die sechste Niederlage für die Thuner, die nur vier Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Lausanne haben. Der Umbruch im Sommer mit den gefühlt unzähligen Abgängen hat nachhaltige Spuren hinterlassen. Coach Gian-Luca Privitelli hat noch keine eingespielte Formation gefunden. Bitter ist zudem, dass sich die Thuner immer wieder selber schwächen – speziell in der Innenverteidigung. Marco Bürki hat aufgrund von Rotsperren in dieser Saison bereits sechs Meisterschaftsspiele verpasst. Seinen Kompagnon Jan Bamert erwischte es nun gegen den FCZ – er wurde nach 67 Minuten nach einem Foul an Miguel Reichmuth vorzeitig unter die Dusche geschickt. Die Folge: Verteidiger Bamert wird für zwei Spiele gesperrt, verpasst damit den Achtelfinal im Schweizer Cup am 18. Oktober auswärts in Schaffhausen (wo auch Marco Bürki noch gesperrt ist) sowie das Heimspiel gegen den FC Lugano am 25. Oktober.
Ganz anders ist natürlich die Stimmung beim FC Zürich, der im vierten Spiel in Folge ohne Niederlage blieb und in der Tabelle Rang 5 belegt. Ein Lichtblick war vor allem Aussenverteidiger Doron Lichtenstein – der 20-Jährige glänzte in seinem fünften Super-League-Spiel mit seinem ersten Tor und seinem ersten Assist.
Der Derby-Fluch geht weiter
Heimliche Titelträume gab es zuletzt auch im Wallis, schliesslich ist der FC Sion gut in die Meisterschaft gestartet und hatte die Tabellenspitze in Sichtweite. Auch jetzt liegt das Team von Didier Tholot noch auf Rang 3, doch die 0:3-Niederlage auswärts gegen Servette war ein herber Dämpfer. Zudem geht auch der Derby-Fluch weiter, denn es war für die Walliser das 13. Rhone-Derby in Folge ohne Sieg. Fünf Niederlagen und acht Unentschieden seit Oktober 2021 – das sind bittere Zahlen. In den 95 Spielminuten hatte Sitten 65 Prozent Ballbesitz, doch die Entscheidung fiel schon früh: Sion hatte einen Fehlstart, lag nach 18 Minuten mit 0:2 im Rückstand. Zudem verpasste Winsley Boteli fünf Minuten vor der Pause die grosse Chance, seinem Team neues Leben einzuhauchen, als er frei stehend vor Servette-Goalie Edvinas Gertmonas scheiterte.
«Ein herber Schlag für uns. Ich hoffe, dass wir alle erdenklichen Fehler heute Abend gemacht haben», sagte Sion-Coach Tholot nach dem Match. Dies im Wissen, dass die nächste heikle Aufgabe schon bald folgt: Am Samstag spielt der FC Sion in der zweiten Cup-Runde in Cham gegen ein Spitzenteam aus der drittklassigen Promotion League.