Das Debüt der Nobodies
Nach drei Wochen Pause nimmt die Super League an diesem Wochenende wieder den Betrieb auf. Im Fokus stehen da auch zwei neue Trainer, die wohl kaum jemand auf der Rechnung hatte und deren Namen in der Schweiz wohl nur absolute Fussballexperten kannten.
Stephan Lichtsteiner ist es beim FC Basel nicht gelungen, die Erwartungen zu erfüllen. Dazu kam sein teilweise eigenwilliges Auftreten, das mancherorts für Stirnrunzeln sorgte und zur Trennung führte. Bereits zum zehnten Mal wechselte der FCB in der Ära von David Degen den Trainer, und so sagte der Präsident nun: «Wir hätten nie auf einen jungen Trainer setzen sollen, sondern auf einen erfahrenen. Das ist die Hauptkritik, der ich mich stellen muss.» Und ergänzte: «Nur wegen mir durfte er die neue Saison beginnen. Ich habe ihm versprochen, dass er die Chance kriegt, mit einem neuen Team bei null anzufangen.» Er habe stets daran geglaubt, dass Lichtsteiner die Kurve kriege. Doch der Turnaround blieb aus.
In der Folge wurden zahlreiche Namen als Nachfolger gehandelt, Sandro Wagner und Nenad Bijelica beispielsweise. Aber auch Bo Henriksen, Vladimir Petkovic und Patrick Rahmen. «Wir haben an die 100 Blindbewerbungen von Trainern erhalten», verriet Sportchef Valentin Stocker später. Doch die Wahl fiel überraschend auf Slavisa Jokanovic. «Slavisa wer?», wird sich auch der eine oder andere wirklich Fussballinteressierte gedacht haben, als die Bebbi ihren neuen Übungsleiter bekanntgaben. Der Grund? Der FCB hatte nach der Entlassung ein klares Anforderungsprofil definiert. So hatte man nicht den einen Top-Kandidaten, sondern mehrere Möglichkeiten auf dem Zettel. «Wir wollten auf eine gewisse Erfahrung und Krisenresilienz setzen», sagte Andreas Herrmann, der Technische Direktor der Basler.
Slavisa Jokanovic, 58-jähriger serbisch-spanischer Doppelbürger, war zuletzt beim Al-Nasr SC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig. Zu den Stationen seiner Trainerkarriere zählen unter anderem der FC Watford, der Maccabi Tel Aviv FC und der Fulham FC. Ihm eilt der Ruf voraus, Mannschaften auch in schwierigen Situationen rasch stabilisieren und erfolgreich weiterentwickeln zu können. In der Saison 2014/15 übernahm er den FC Watford während der laufenden Spielzeit, führte das Team zu mehr Stabilität und schaffte mit attraktivem Offensiv-Fussball den Aufstieg in die Premier League. Auch bei Fulham FC stellte er seine Qualitäten unter Beweis: Nach der Übernahme in der Saison 2015/16 sicherte er dem Klub zunächst den Klassenerhalt in der zweithöchsten englischen Liga, ehe ihm in der Saison 2017/18 der Aufstieg in die Premier League gelang. Und auch mit dem FC Basel hatte Jokanovic bereits Berührungspunkte: Als Cheftrainer von Maccabi Tel Aviv setzte er sich in der Saison 2015/16 in den Play-offs zur Champions League gegen Rotblau durch und qualifizierte sich somit für die Gruppenphase.
«Slavisa Jokanovic zeichnet sich durch seinen Pragmatismus, seine Anpassungsfähigkeit und seine Gabe aus, sich schnell in bestehende Kaderstrukturen einzuarbeiten», wurde Basels Technischer Direktor Andreas Herrmann in der Klubmitteilung zitiert. Gleichzeitig sagte Valentin Stocker, der Sportliche Leiter der ersten Mannschaft: «Mit Slavisa Jokanovic konnten wir einen Trainer gewinnen, der in seiner Karriere immer wieder bewiesen hat, wie man Mannschaften in schwierigen Situationen zurück in die Erfolgsspur führt. Seine Erfahrung, seine Klarheit und die positiven Entwicklungen, die seine Teams innerhalb kurzer Zeit genommen haben, waren für uns die entscheidenden Faktoren, weshalb wir ihm unser Vertrauen schenken.»
Es sind viele lobende Worte, aber die Wahrheit liegt nun auf dem Platz und steht auf dem Totomat. Und da war der Anfang alles andere als erfreulich. In der Nati-Pause bestritt der FCB ein Testspiel gegen Winterthur – und kassierte eine 3:7-Packung. Das ist jedoch nur eine Randnotiz. Nun ist der neue Trainer mit seinem Team aber gefordert. Am Sonntag trifft der FCB in der Super League auswärts auf den FC Vaduz und muss drei Punkte einfahren. Die Basler liegen aktuell auf Rang 4, sechs Punkte hinter dem drittklassierten FC Sion. Nun gilt es, den Kontakt nach vorne zu halten, damit beim FCB nicht schon bald der nächste Trainerwechsel ansteht.
Ähnlich ist die Ausgangslage bei GC. Der Rekordmeister kommt einmal mehr nicht auf Touren und hat unter den neuen Besitzern einen Trainerwechsel vollzogen. Auch in Zürich wurde es eine überraschende Wahl – mit Olaf Janssen. Der Deutsche wurde am Donnerstag 60 Jahre alt und hat als Coach noch keine grossen Spuren hinterlassen. Zuletzt war er bei Sandhausen und Viktoria Köln, zu seinen früheren Stationen als Cheftrainer zählen der FC St. Pauli und Dynamo Dresden. Zudem war er als Co-Trainer in der Bundesliga bei Hertha BSC, dem VfL Wolfsburg und dem VfB Stuttgart tätig. Als Spieler absolvierte Janssen mehr als 300 Pflichtspiele in der Bundesliga, unter anderem für den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt. Seine aktive Spielerkarriere beendete er im Jahr 2000 beim AC Bellinzona. «Ohne dass ich jemals daran gedacht hätte, hat bei mir das Telefon geklingelt», sagte er nun über die Wahl, die auch ihn überraschte. Eine Bewerbung für diesen Job habe es seinerseits nicht gegeben, der Verein habe seine Karriere anscheinend sehr genau verfolgt. «Es sind einige Dinge zutage gekommen, die wusste ich selbst nicht.»
Ob Janssen die erste Wahl war, darf bezweifelt werden, klar ist aber, dass es ein mutiger Schritt ist. Erstmals abgerechnet wird am Sonntag, wenn die Hoppers im Letzigrund die Young Boys empfangen. Das Team mit den meisten Toren (31) der Liga spielt auswärts gegen die Mannschaft, die am meisten Treffer (24) kassiert hat. Es ist eine Herausforderung, die in einem Schützenfest enden könnte. «Zum Auftakt ist das auf jeden Fall ein absolutes Brett», sagt Janssen über das Spiel gegen die Young Boys, bei denen mit Gerardo Seoane ein Teamkollege aus der Zeit in Bellinzona an der Linie steht. Mal schauen, wem das Wiedersehen mehr Spass macht.