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Jashari: Die Nati als Kraftort

Andy

In Ardon Jashari schlummert Potenzial, das ist wohl unumstritten. Gleichzeitig ist es dem 24-Jährigen zuletzt nicht wunschgemäss gelaufen. Doch in der Nati hat er nun gezeigt, dass er die Herausforderung annimmt und sich zurück ins Rampenlicht kämpfen will – und kann.

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Ardon Jashari tanlt in der Nati nach einer schwierigen Zeit Energie und Moral. © KEYSTONE/Peter Klaunzer

Ardon Jashari hat schon früh auf sich aufmerksam gemacht. Im Sommer 2024 wechselte er für sechs Millionen Euro vom FC Luzern zu Club Brügge. Da war er bereits Nationalspieler, hatte an der WM in Katar einen Kurzeinsatz erhalten und auch zum EM-Kader der Schweiz gehört, war aber ohne Spielminuten geblieben. Ein Jahr später zog der Mittelfeldspieler als Cupsieger und Belgiens Fussballer des Jahres weiter nach Italien, unterschrieb bei der AC Milan. Die Ablösesumme: 36 Millionen Franken.

Verhängnisvoller Wadenbeinbruch

Er hatte den Sprung geschafft – dachte man. Doch dann, Ende August 2025, zog er sich in einem Trainingsspiel bei der AC Milan einen Wadenbeinbruch zu. Es war eine folgenschwere Verletzung. Statt mit seinem neuen und hoch dekorierten Teamkollegen Luka Modric um einen Platz im Mittelfeld von Milan zu kämpfen, musste er den beschwerlichen Weg zurück bewältigen. Erst im November war er zurück im Kader, in der restlichen Saison reichte es in der Serie A zu 13 Einsätzen. Siebenmal stand er in der Startelf – und kam auf 700 Spielminuten.

Nationaltrainer Murat Yakin, der schon immer viel von Jashari gehalten hatte, nahm ihn dennoch mit an die WM 2026, wo er zu drei Teileinsätzen kam, aber nie wirklich zu überzeugen vermochte. Immer wieder fragte und fragt man sich: Wann endlich packt er seine Chance? Wann zeigt er sein Können? Oder wird der einst leuchtende Stern am Schweizer Fussballhimmel frühzeitig untergehen und verglühen?

Auch für seine Klub-Karriere in Italien waren diese Fragen legitim, denn wie in der Nati war es ihm auch bei der AC Milan nie gelungen, seinen Platz zu finden. In dieser Saison steht er wettbewerbsübergreifend bei vier Teileinsätzen und 153 Spielminuten. «Bei einem Klub wie Milan interessiert es niemanden, wer du bist und wie du heisst. Es geht nur ums Gewinnen. Ausser vielleicht, man hat ein Standing wie Modric», erklärte Jashari in diesen Tagen in den Medien. Ebendieser Modric steht ihm trotz seiner 41 Jahre immer wieder vor der Sonne. Und auch bei den Fans hat Jashari keinen leichten Stand.

«Vor meinem Wechsel zu Milan haben sie mich zwei Monate lang gefeiert und gefragt, wann ich endlich nach Mailand komme. Dann habe ich im ersten Spiel einen Fehler gemacht und der Wind hat gedreht», erklärte er gegenüber der «Schweiz am Wochenende». Dass er in den sozialen Medien mit Hassnachrichten bedacht wurde, kam erschwerend dazu. «Ich hatte ehrlich gesagt Mühe damit», so Jashari.

Nati als Wellnessbreak

Doch in der Nati nimmt er nun wieder Schwung auf. In Absenz von Captain Granit Xhaka, mit dem er sich sehr gut versteht, kann er sich beweisen. Und diese Tage mit der Schweiz als mentalen Wellnessbreak und Kraftort nutzen. Gegen Nordmazedonien, Schottland und Slowenien kam er zum Einsatz und spielte solide. Gut möglich, dass er auch am Dienstag im zweiten Vergleich mit Nordmazedonien, der Heimat seiner Eltern, wieder Spielpraxis sammeln darf. 

Jashari selber ist es wichtig, immer wieder zu betonen, dass er sich nicht als Ersatz von Captain Granit Xhaka sieht: «Natürlich macht es mich stolz, wenn man mich mit dem Rekordnationalspieler vergleicht. Aber ich möchte ihn nicht kopieren. Wir haben verschiedene Werdegänge und Spielarten. Granit ist ein sehr wichtiger Spieler für uns – mit riesigen Qualitäten, die über die letzten Jahre enorm wichtig waren.» Und wie auch Nationalcoach Murat Yakin sieht Jashari keinen Grund, weshalb er nicht als Ergänzung zu Xhaka eingesetzt werden kann.

Denn Yakin hält wie bereits erwähnt viel von Jashari. «Ardon ist ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler, der auf seine Art und Weise das Spiel gestaltet», so Yakin. Er müsse vielleicht beim Abspielen noch etwas geduldiger sein. «Aber es ist klar: Er wird von Spiel zu Spiel mehr Erfahrung sammeln. Und er gewinnt im Zweikampf sehr viele Duelle und ist deshalb ein sehr wertvoller Spieler für uns.»

Die Nati scheint für Jashari derzeit der richtige Kraftort zu sein. Nun liegt es an ihm, diesen Schwung mit nach Mailand zu nehmen – und dort endlich den Platz zu erobern, den er sich von seinem Wechsel versprochen hat.

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