Der FC Basel sucht noch immer: Warum nicht Bo Henriksen?
Sandro Wagner ist neuer Trainer bei Hannover 96. André Breitenreiter seit Montag bei Hansa Rostock und Patrick Rahmen noch immer in Winterthur. Alle drei wurden als mögliche Lichtsteiner-Nachfolger beim FC Basel gehandelt, zugeschlagen haben die Bebbi jedoch bei keinem. Was mich zu einem deutlich weniger häufig genannten, jedoch interessanteren Kandidaten bringt: Bo Henriksen. Was spricht eigentlich gegen den ehemaligen FCZ- und Mainz-05-Coach an der FCB-Seitenlinie?
Klare Ansprache, schnelle Resultate
Auf den ersten Blick nicht allzu viel. Denn der 51-jährige Däne kann Krisen und Trendwenden, und das ziemlich gut. So übernahm er bei seiner ersten Schweizer Station im Oktober 2022 den damaligen Meister FC Zürich auf dem letzten Tabellenplatz, mit ganzen vier Punkten aus zehn Spielen. Am Saisonende stand der FCZ auf Rang 8, rund 300 Tage später sogar an der Tabellenspitze. Beim Wechsel nach Mainz im Februar 2024 verabschiedete sich Henriksen als Tabellen-Dritter – eine beeindruckende Entwicklung.
Ähnliches gelang dem extrovertierten Dänen dann auch bei den Rhein-Hessen. Henriksens Aufgabe beim FSV war mit neun Punkten Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz sogar noch schwieriger, doch mit 23 Punkten in 13 Spielen führte er den Klub von Captain Silvan Widmer zum kaum noch für möglich gehaltenen direkten Ligaerhalt. Noch besser lief es in der Folgesaison, in der Henriksen den Klub auf Rang 6 und damit erstmals seit 2015/16 wieder in einen internationalen Wettbewerb führte. Sein Rezept ähnlich wie in Zürich: Intensität, Positivität und ein mutiges, selbstbewusstes Auftreten ab Tag eins. Genau das, was auch dem FC Basel derzeit sehr guttäte.
Was die Bebbi zudem positiv stimmen müsste: Henriksen kennt die Super League und die spezielle Herausforderung, in einer finanziell schwächer gestellten «Ausbildungsliga» zu arbeiten, bestens. Sowohl in Mainz als auch in Midtjylland (Cupsieg und Vizemeisterschaft 2021/22) arbeitete er erfolgreich mit jungen Spielern zusammen – etwa mit Mainz' späteren Nationalspieler Jonathan Burkardt – und lieferte gleichzeitig sportliche Resultate. Seine Spielweise ist zwar von hoher Intensität geprägt, bietet jungen Spielern dank klarer Ansprache und Struktur aber auch die notwendige Orientierung. Menschlich gilt Henriksen als emotional, direkt und fordernd – ein Trainer, der Kabine und Öffentlichkeit glaubwürdig führen, ja sogar begeistern kann. Sowohl in Mainz als auch in Zürich drehte «Happy Bo» die Stimmung rund um die damals kriselnden Klubs in Windeseile um 180 Grad.
Henriksen kann langfristig, aber kann sich Basel ihn leisten?
Die sehr schnellen Turnarounds in Zürich und Mainz haben allerdings auch dazu geführt, dass Henriksen so etwas wie das Etikett des Feuerwehrmanns umgehängt wurde – was der Realität nicht ganz entspricht. Henriksen mag mit seinem Leistungsausweis und seiner Persönlichkeit an einen erfolgreichen «Nothelfer» erinnern, er kann aber durchaus auch längerfristig. Nicht umsonst erreichten seine Teams in Zürich und Mainz in der zweiten Saison unter ihm ihren Höhepunkt, ehe er den Klub in Zürich vorzeitig verliess und in Mainz nach einer schwachen Vorrunde in seiner dritten Saison entlassen wurde. Henriksens Magie hält also nicht ewig an – aber wäre der FC Basel vorderhand nicht schon damit gut bedient, wieder einmal ein bis zwei gute Spielzeiten am Stück hinzulegen?
Der grösste Haken einer Verpflichtung des Dänen dürfte am Rheinknie deshalb denn auch ein anderer sein: die finanzielle Seite. Berichten aus Dänemark zufolge verdiente Henriksen in Mainz zuletzt zwei Millionen Euro jährlich – und das bis zum Ende seines aktuellen Arbeitspapiers im Sommer 2027. Allerdings ist dieses Datum nicht mehr so weit weg, wie auch schon und es ist zumindest auch nicht komplett unrealistisch sich vorzustellen, dass sich die Mainzer dazu überreden liessen, im Fall eines neuen Engagements von Henriksen einen Teil des Gehalts weiter zu zahlen, um sich wenigstens die andere Hälfte zu ersparen. Fraglich ist natürlich, ob sich Henriksen eine Rückkehr in die Schweiz überhaupt vorstellen kann. Wer einmal in der Bundesliga oder einer anderen «Big-5»-Liga gearbeitet hat, wird ab der Perspektive, noch einmal in die vergleichsweise überschaubare Super League zu wechseln nicht gerade Purzelbäume schlagen – auch wenn mit dem FCB dort ein Klub von internationalem Renommee auf ihn wartet.
Zudem dürfte es interessant sein zu beobachten, wie sich eine starke Persönlichkeit wie Henriksen auf Dauer mit der nicht minder ausgeprägten Persönlichkeit von FCB-Boss David Degen verstehen würde. Ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, dass sich Henriksen gross reinreden liesse, was bedeuten würde, dass sich Degen im Falle einer Zusammenarbeit zumindest öffentlich weiter zurücknehmen müsste. Intern könnte aber auch eine Situation entstehen, in der sowohl Degen als auch Henriksen die Dynamik begrüssen, die aus dem Austausch zweier überzeugter Persönlichkeiten mit Fussball-Sachverstand entstehen könnte. Darum, lieber FCB: Warum eigentlich nicht Bo Henriksen?