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Quo vaditis, Deutschland und Italien?

Andy

Mit Italien und Deutschland waren zuletzt zwei grosse Fussballnationen im Elend. Nun bewegen sich beide zwischen Morgenröte und Zweifeln. Wohin führt ihr Weg?

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Roberto Mancini und Italien haben gegen die Türkei geliefert. © IMAGO / Anadolu Agency

Die Bilanz ist vernichtend. Die letzten drei Weltmeisterschaften fanden ohne das stolze Italien statt. Eigentlich war das ja undenkbar gewesen, und doch wurde es Tatsache. Die letzten grossen Erfolge bleiben damit der WM-Triumph 2006 und der EM-Titel 2021. Diese Fakten zeigen, dass ein Neuanfang dringend nötig ist. Schliesslich soll die Squadra Azzurra die Fans und das ganze Land wieder stolz machen.

Damit das gelingt, wurde auch auf der Trainerposition ein Wechsel vorgenommen. Als «Retter» kehrte Roberto Mancini zurück, der schon zwischen 2018 und 2023 Nationaltrainer gewesen war und mit den Azzurri 2021 Europameister geworden war. Sein Name ist grundsätzlich mit Erfolgen verbunden, da er auch mit Manchester City, Inter Mailand, Lazio Rom, Florenz, Galatasaray und Al-Sadd Trophäen gewonnen hatte.

Doch der Start in seine zweite Amtszeit als Nationaltrainer hätte fast nicht schlechter sein können. Am vergangenen Freitag trafen die Italiener in Rom auf Belgien – und verloren 0:2. Danach wurde das Team im Stadio Olimpico von den eigenen Fans ausgepfiffen, was natürlich zusätzlich schmerzte. «Die Pfiffe sind verständlich», sagte Mancini nach dem missglückten Start in seine zweite Amtszeit. «Aber in der zweiten Halbzeit waren wir besser.»

Besser war aber nicht gut genug, und so war auch die italienische Presse sehr kritisch. «Italien: War das schon alles von Mancini II.?», fragte die «Gazzetta dello Sport». Und «La Repubblica» schrieb: «Für Mancini gibt es viel zu tun. Das wussten wir, aber wir hatten auf ein anderes Debüt gehofft.» Der «Corriere dello Sport» schrieb: «Der Start in die Gruppe A1 der Nations League beginnt mit einer herben Niederlage: Die Azzurri konnten nicht überzeugen und verlassen den Platz unter den Pfiffen der Fans». Mancinis Rückkehr 1195 Tage nach seinem bis dahin letzten Pflichtspiel als Nationaltrainer sei «keine glückliche» gewesen.

Auf das missglückte Comeback liess er aber immerhin eine Reaktion folgen. Am Montag gewannen die Italiener auswärts gegen die Türkei gleich mit 4:1 und lieferten so ein deutliches Lebenszeichen. Die Azzurri schüttelten so zumindest vorübergehend die Krise aus ihren Kleidern, während die Türken nach ihrem Vorrunden-Out an der WM für die nächste Blamage sorgten. «Die Spieler haben alle eine hervorragende Leistung gezeigt», sagte Italo-Coach Mancini nach dem Match, der immerhin für Morgenröte am italienischen Fussballhimmel sorgte. Wie viel dieser Erfolg wert ist, dürfte sich bereits am Freitag zeigen. Dann trifft Italien auswärts auf Frankreich. Mit einem Erfolgserlebnis würde die Zuversicht weiter steigen, bei einer klaren Niederlage wären die Krisengeister schnell zurück. Willkommen auf der Achterbahn der Gefühle!

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Die Niederlage gegen Griechenland war für Jürgen Klopp und sein Team ein herber Dämpfer.

Nicht viel anders sieht es in Deutschland aus. Nach der verpatzten WM ersetzte Jürgen Klopp als Heilsbringer Bundestrainer Julian Nagelsmann. Er ist die neue Lichtgestalt und soll den Erfolg zurückbringen. Im ersten Spiel seiner Amtszeit schnupperte Deutschland gegen Holland am Sieg, musste aber in der Nachspielzeit noch den Ausgleich hinnehmen. Immerhin sorgte dieser Match für gute Stimmung und Optimismus im Hinblick auf die Zukunft. Doch bereits beim nächsten Auftritt kippte die Stimmung wieder. Die Deutschen verloren daheim gegen Griechenland mit 0:1. 

Es war ein Schock, der die Grundsatzdiskussion eröffnete, wie gut oder schlecht der deutsche Fussball ist. Das erhöht nun auch den Druck auf Neo-Bundestrainer Jürgen Klopp. Das Spiel am Donnerstag in München gegen Serbien stellt die Weichen. Bei einer Pleite wäre Deutschland dann Tabellenvierter in der Nations-League-Gruppe hinter Serbien. Und würde bei der Auslosung der Qualifikation für die EM 2028 am 6. Dezember in Belfast in Lostopf 2 landen und auf schwerere Gegner treffen.

«Wir sind keine Topmannschaft mehr. Wir sind im Mittelmass angekommen», urteilte Sebastian Schweinsteiger, Mitglied des Weltmeisterteams 2014 und heute TV-Experte. Und lancierte damit eine Debatte. Wie es nun weitergeht, ist offen. Klopp sitzt fest im Sattel, er ist dazu auserkoren, das deutsche Nationalteam zurück an die Spitze zu führen. In den nächsten Spielen wirkt jeder Sieg beruhigend. Allerdings wird sich da auch zeigen müssen, ob genügend Qualität vorhanden ist, um übers Mittelmass hinauszukommen.

Die Nations League ist zwar ein Wettbewerb ohne grosses Renommee und wird auch nicht selten belächelt. Doch für Italien und Deutschland ist sie wegweisend.

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