Klopp, Zidane, Xavi: Die Stars übernehmen
Nach der Fussball-WM wurde in einigen Nationen an der Trainer-Schraube gedreht und neu justiert. Dabei haben einige grosse Namen übernommen, die nun ins Rampenlicht zurückkehren.
Einer dieser grossen Namen ist natürlich Jürgen Klopp. Nach der enttäuschenden WM und der Entlassung von Julian Nagelsmann war er der grosse Wunschkandidat einer ganzen Nation. Der frühere Erfolgstrainer von Dortmund und Liverpool beendete sein Engagement als Global Sports Director bei Red Bull und soll als Bundestrainer Deutschland zum Erfolg zurückführen.
Sein Debüt gibt «Kloppo» am Donnerstag gegen die Niederlande. Er schürt grosse Erwartungen und setzt auf ein XXL-Kader, um in Deutschland wieder für Euphorie und eine breite Brust zu sorgen. 44 Spieler hat der Neo-Bundestrainer für die vier Spiele im September und Oktober in sein Kader berufen. Darunter sind Namen, die nur eingefleischten Fussballfans geläufig sind. Etwa Mittelfeldspieler Felix Keidel, der erst vier Bundesligamatches mit Aufsteiger Elversberg bestritten hat, oder die Legionäre Mika Baur (Celtic Glasgow) und Vitaly Janelt (Brentford). Im Aufgebot fehlen dagegen bekanntere Namen wie Leroy Sané, Deniz Undav oder Torhüter Oliver Baumann, was aber nicht für Schlagzeilen sorgte. Allein dies zeigt: Klopp geniesst grosses Vertrauen und einen enormen Antrittsbonus.
Xavi dritte Holland-Wahl
Auch bei den Niederlanden steht in diesem Direktduell der Trainer im Fokus. Zum ersten Mal seit Ende der Siebzigerjahre und dem Österreicher Ernst Happel ist der Bondscoach der Oranje ein Ausländer. Der Spanier Xavi übernahm den Posten vom nach der WM zurückgetretenen und bei den Fans wenig geschätzten Ronald Koeman. Der frühere Mittelfeldspieler, der mit Spanien und Barcelona alle möglichen Titel gewann, muss aber möglichst schnell Resultate liefern, da er bei Oranje lediglich die dritte Wahl gewesen ist, wie gemunkelt wird.
Als Trainer ist der Leistungsausweis von Xavi bescheiden. Beim FC Barcelona gewann er zwischen November 2021 und Mai 2024 nur einen Meistertitel. Seit dem Ende dieses Jobs, bei dem er ebenfalls Nachfolger von Ronald Koeman war, war er arbeitslos. «Es wird eine andere Art Fussball zu sehen sein», versprach Xavi nun den holländischen Fans. Sein Team solle der «Protagonist» auf dem Platz sein, also viel Ballbesitz haben und mutig verteidigen, wie er erklärte.
Zidane nach langem Warten
Mit Zinédine Zidane kehrt ein Superstar in den Fussball zurück. Er ist der Nachfolger von Didier Deschamps bei Frankreich und war wie Klopp in Deutschland der Wunschkandidat. Nach 14 mehrheitlich erfolgreichen Jahren unter Deschamps sollen Siege und Spektakel vereint werden. Die neue Ära beginnt am Freitag mit dem Auswärtsspiel in der Türkei. «L’Équipe» bezeichnete die ersten Tage von Zidane im französischen Trainingszentrum von Clairefontaine als «Rückkehr des Königs». An seiner Seite ist unter anderem der langjährige Teamkollege Fabien Barthez als Goalietrainer. Für Zidane geht ein Traum in Erfüllung, schliesslich hat er lange auf diesen Posten gewartet, wie er nun erklärte: «In den letzten vier bis fünf Jahren habe ich mehrere Angebote von Klubs erhalten, habe sie aber alle für Frankreich abgelehnt.» Gross ist aber nicht nur die Freude über die Rückkehr des einstigen Zauberers, riesig sind auch die Erwartungen.
Mit Mark van Bommel startet am Freitag in ein weiterer namhafter Ex-Fussballer in ein neues Abenteuer. Der Niederländer wurde in Belgien Nachfolger von Rudi Garcia und trifft mit seinem neuen Arbeitgeber auswärts auf Italien. Van Bommel ist nahe der belgischen Grenze aufgewachsen und trainierte zwischen 2022 und 2024 Royal Antwerpen. Seither schlug er diverse Jobangebote aus. «Es war nie das Richtige», erklärte Van Bommel, in dessen erweitertem 26-Mann-Aufgebot für die ersten vier Länderspiele auch die Routiniers Kevin De Bruyne (35) und Romelu Lukaku (33). Für Van Bommel wird der Start bereits der erste Härtetest, denn nach dem Match gegen Italien trifft Belgien auch auf die Türkei und zweimal auf Frankreich.
Rückkehr von Mancini
Auch Belgiens Gegner Italien hat einen neuen (alten) Cheftrainer erhalten. Die Azzurri setzen wieder auf Roberto Mancini, der mit dem EM-Titel 2021 für den grossen Lichtblick in den vergangenen zwölf Jahren ohne WM-Teilnahme gesorgt hatte. Seine zweite Amtszeit begann er mit einer öffentlichen Entschuldigung. Schliesslich hat Mancini im eigenen Land einiges gutzumachen, nachdem er 2023 den Posten des Commissario Tecnico für eine lukrative Anstellung in Saudi-Arabien aufgegeben hatte und dem Geld gefolgt war.
Bevor Mancini seinen Posten Ende Juli zurückerhielt, hatte Verteidiger-Ikone Paolo Maldini während seiner 16 Tage als Technischer Direktor vergeblich versucht, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti als Nationalcoaches an Bord zu holen. Andrea Pirlo sagte dann als dritte Wahl zu, stolperte aber über seine geschäftlichen Verbindungen nach Russland. Pirlo fiel politisch durch, Maldini warf das Handtuch, und Mancini erhielt den Job.
Ein frischer Wind weht zudem auch in anderen Nationen: Portugal hat nach der enttäuschenden WM Jorge Jesus als Nachfolger von Roberto Martinez eingestellt. Der 72-Jährige führte Al-Nassr mit Cristiano Ronaldo vergangene Saison zum Meistertitel in Saudi-Arabien. Kroatien berief Slaven Bilic zurück in das Amt des Nationalcoaches. Der ehemalige Verteidiger hatte bereits von 2006 bis 2012 den zweimaligen WM-Finalisten trainiert. Auch der Gegner Kroatiens hat einen neuen Coach. Mit dem Spanier Santi Denia werden die Tschechen erstmals von einem Ausländer betreut. Nun bleibt abzuwarten, welche neuen Besen tatsächlich gut kehren.