Aufgefallen: Der 9. Spieltag in der Brack Super League
Drei Hattricks an einem Wochenende. Zehn Gegentore in zwei Spielen. Ein Meister, der etwas überraschend dem Aufsteiger trotzt und ein Tabellenführer, der auch im neunten Spiel nichts anbrennen lässt. Unser Rückblick auf die letzte SL-Runde vor der dreiwöchigen Natipause.
Turnaround
Elf Spiele lang tat sich YB-Stürmer Samuel Essende mehr als nur schwer, in der Super League Fuss zu fassen. Im Winter für 3,0 Mio. CHF von Augsburg gekommen, traf der elffache kongolesische Nationalspieler hierzulande nicht einmal ein Scheunentor – bis er plötzlich skorte. Vier Mal in den beiden letzten Spielen der Vorsaison, mittlerweile weitere zehn Mal in der aktuellen Spielzeit. Und am Samstag sorgte er mit seinem Hattrick fast schon im Alleingang dafür, dass den Bernern gegen Servette FC drei fest eingeplante Punkte nicht überraschend flöten gingen. Essendes Tore in der 39., 69. und 83. Minute waren es nämlich, die Gelb-Schwarz nach einem 0:2-Rückstand nach einer halben Stunde (Marco Burch und Kingstone Mutandwa hatten für die Grenats getroffen) doch den fünften Saisonsieg einbrachten. Dabei noch wichtiger: Dank dem Vollerfolg hielten die Young Boys (19 Punkte) Pace mit dem FC Lugano (25 Punkte) und gehen als Tabellenzweiter in die dreiwöchige Natipause.
Serientäter
Auf der einen Seite: Die Zürcher Grasshoppers. In Luzern seit mittlerweile 19 Partien ohne Sieg – oder seit mittlerweile fast zwölf Jahren. Auf der anderen Seite: Der FC Luzern, zuletzt in 25 Heimspielen in Folge mit mindestens einem Tor. Die logische Folge: Der 20. erfolglose Versuch der Hoppers, in Luzern etwas zu reissen, und das 26. FCL-Heimspiel in Serie, in dem die Hausherren trafen. Und das nicht nur ein Mal, sondern gleich fünf Mal, angefangen mit den Treffern von Tyron Owusu (5.) und Oscar Kabwit (9.), die die Partie schon früh in die für die Hausherren gewünschten Bahnen lenkten. Am Ende durfte sich der Rekordmeister zwar über das schönste Tor des Abends freuen (76., Samuele Bengondo), von einem zählbaren Ergebnis blieb er aber ganz weit entfernt. Denn nach dem Schnellstart schlug in der Thermoplan Arena die Stunde von Parma-Leihgabe Daniel Mikolajewski, der den Gästen zwischen der 60. und 86. Minute einen lupenreinen Hattrick einschenkte. Das war für einmal eine (Super League) Premiere, änderte an der grusligen GC-Serie allerdings wenig. Nach zehn Gegentoren in zwei Spielen wissen die Zürcher ganz genau, woran in der anstehenden Meisterschaftspause gearbeitet werden muss.
Weder Fisch noch Vogel
Vorher hätte der FC Zürich für ein 1:1 beim zuletzt formstarken FC Sion wohl unterschrieben. Vorher – das war vor einer frühen Zürcher Führung durch Philipp Keny (5., Penalty) und natürlich auch vor dem Platzverweis gegen den Walliser Fodé Sylla (27., grobes Foulspiel). Doch just in jenem Moment, in dem die Stadtzürcher sämtliche Karten in den eigenen Händen zu halten schienen, liessen sie sich doch noch zwei Zähler entreissen. Durch einen ebenso unnötigen wie nicht eindeutigen Elfmeter, den FCZ-Verteidiger Leandro Schödler an Sion-Topskorer Winsley Botelil verschuldete. Der Neo-Nationalspieler nahm Anlauf – und versenkte souverän vom Punkt (38.). Dabei blieb es, weil es den Zürchern in Halbzeit zwei nicht mehr gelang, die numerische Überlegenheit auch in spielerische Dominanz umzuwandeln, und weil das Heimteam mit dem einen Zähler zumindest die Serie der eigenen Ungeschlagenheit auf fünf Spiele ausdehnen konnte. So richtig zufrieden dürfte die Punkteteilung aber keine der beiden Mannschaften gemacht haben.
Wer sie nicht macht, der kriegt sie
Das Momentum hatte der FC Vaduz vor dem Duell mit Meister Thun gefühlt bereits auf seiner Seite. Und dann kam in der 28. Minute auch noch jene Grosschance hinzu, die das Spiel zugunsten des Aufsteigers hätte kippen lassen können. Niklas Lang kam im Thuner Strafraum sträflich frei zum Abschluss – und hämmerte den Ball aus kurzer Distanz an den Pfosten. Wenige Augenblicke später liessen sich die Liechtensteiner auch noch von einem weiten Abschlag der Berner Oberländer übertölpeln, und fertig war's mit der Vaduzer Herrlichkeit. Furkan Dursun nutzte die ihm gebotene Chance kaltblütig zum 0:1 (33.). Dursun war es auch, der in der 48. Minute das 0:2 durch Nils Reichmuth vorbereitete und damit die Partie vorentschied. Denn die Ländle-Kicker kamen zwar durch Marcel Monsberger (73.) noch einmal in die Partie zurück, scheiterten in der Schlussphase aber am eigenen Unvermögen, als Milos Cocic in der 90. Minute aus elf Metern das leere Tor verfehlte. Und so verspielte Vaduz zum zweiten Mal innert Wochenfrist wichtige Punkte gegen einen direkten Konkurrenten, während der FC Thun nach drei Niederlagen am Stück wieder einmal punktete. Zur Natipause finden sich die beiden Teams deshalb auf den Rängen 9 (Thun) und 12 (Vaduz) wieder und somit nicht dort, wo man zum Saisonende gerne stehen würde.
Goalgetter
155 Spiele hat Hannes Delcroix in seiner Profi-Karriere bislang bestritten. Vier Mal durfte der haitianisch-belgische Doppelbürger dabei über eigene Tore jubeln. Bis gestern Nachmittag in Lausanne. Da benötigte der Lugano-Innenverteidiger zur Spielhälfte nämlich ganze 18 Minuten, um seine Torquote mit dem ersten Hattrick seiner Karriere nahezu zu verdoppeln. Drei Mal schlich sich der WM-Teilnehmer 2026 zwischen der 35. und 53. Minute nach vorne und schoss die Lausannois mit den Karrieretreffern Nr. 5, 6 und 7 quasi im Alleingang ab. Was dem Tabellenvorletzten dabei nicht half: Ein Platzverweis gegen Sékou Koné (Foulspiel) nach 50 Spielminuten sowie – quasi zur Krönung eines gebrauchten Nachmittags – ein Eigentor von Karim Sow (61.) zum abschliessenden 0:4. Nicht viel besser dürfte sich die Lausanner Gemütslage beim Blick auf die Tabelle entwickeln. Als Tabellen-11. und nach sieben Spielen ohne Sieg könnte die dreiwöchige Länderspielpause für Neo-Trainer Luka Elsner bereits das Ende seiner kurzen Amtszeit einläuten.
Zum Trotz
Nein, zu behaupten, die letzten Wochen seien für den FC St. Gallen gut verlaufen, wäre mehr als nur übertrieben. Der Reihe nach mussten die Ostschweizer seit Mitte August nämlich Folgendes über sich ergehen lassen: das Out in den Conference-League-Playoffs, sechs Niederlagen in den letzten sieben Pflichtspielen und das verletzungsbedingte Aus von Leitwolf und Captain Lukas Görtler. Und dann waren im Basler St. Jakob-Park 41 Minuten gespielt, als Schiedsrichter Sven Wolfensberger einen Zweikampf zwischen FCSG-Verteidiger Jozo Stanic und Basels Clément Michelin mit einem Elfmeter für das Heimteam ahndete. Drei Sekunden, nachdem er eine ähnliche Intervention von Michelin an Witzig ebenso durchgewunken hatte wie vier Tage zuvor Schiedsrichter Luca Cibelli ein Foul von Luganos Castro an Stanic vor dem wegweisenden 0:1. Und dieses Mal? Nutzte auch der FCB den Vorteil, glich vom Punkt durch Zan Celar zum 1:1 aus (Aliou Baldé hatte nach 10 Minuten zum 0:1 getroffen) und belohnte sich damit reichlich für eine schwache erste Hälfte. Doch anders als zuletzt blieb Grün-Weiss dieses Mal auch nach dem Rückschlag am Drücker. Erst traf Christian Witzig in der 67. Minute zum 1:2, dann machte Carlo Boukhalfa in der Schlussphase (86.) den Deckel auf den vierten Saisonsieg der Ostschweizer. Auf der Gegenseite konnte der FCB nie an den lebhaften Auftritt vor Wochenfrist in Luzern anknüpfen. Am noch nicht bekannten neuen Trainer der Basler wird es nun sein, genau das in der anstehenden Meisterschaftspause zu beheben.