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Neue Gesichter für die Nati

Andy

Nach einem wichtigen Turnier beginnt auch im Nationalteam jeweils die Arbeit an der Zukunft. Neue Spieler drängen nach und wollen sich einen Platz ergattern – das ist auch bei der Schweizer Nati nicht anders, nachdem zuletzt Winsley Boteli, Alvyn Sanches, Zachary Athekame und Aurèle Amenda stark aufspielten.

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Der Maskenjubel von Sion-Ass Winsley Boteli. © KEYSTONE/Georgios Kefalas

Am Donnerstag gibt Murat Yakin das Aufgebot für die Nations League-Spiele gegen Nordmazedonien (26. September in Skopje) und Schottland (29. September in Glasgow) bekannt. Nicht mehr dabei sind Silvan Widmer und Christian Fassnacht, die beide ihren Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt haben, sowie Noah Okafor. Er steht nicht mehr zur Verfügung, solange Murat Yakin Nationalcoach ist. Gleichzeitig hätte er wohl sowieso kein Aufgebot erhalten. Die zwischenmenschlichen Differenzen haben nun das Kapitel «Okafor und Nati» beendet, wobei wohl auf beiden Seiten einige Fehler gemacht wurden.

Wenn einige gehen, rücken immer auch wieder andere nach. Sicher nicht dazu gehört Alessandro Romano, der sich für Italien und gegen die Schweiz entschieden hat. Anders ist das bei Winsley Boteli. Der 20-jährige Mittelstürmer des FC Sion hat in den letzten Wochen Tore und Schlagzeilen produziert. In wettbewerbsübergreifenden 14 Spielen hat er zwölf Tore erzielt und Interesse auf sich gezogen. Galatasaray hat für ihn zuletzt 30 Millionen Euro geboten, doch die Walliser lehnten ab.

Dankbarkeit gegenüber der Schweiz

Boteli wäre auch für den Kongo spielberechtigt, hat sich aber für die Schweiz entschieden. «Ich verstand den Rummel nicht. Die Schweiz war von Anfang an da für mich. Kongo kam nie auf mich zu, als ich jünger war. Erst jetzt, mit dem ersten Erfolg, sind sie gekommen», sagte er nun gegenüber dem «Walliser Bote». «Ich spüre eine grosse Dankbarkeit gegenüber der Schweiz. Das Interesse aus Kongo schmeichelt mir zwar, aber die Schweiz war für mich immer die Nummer eins. Die Schweiz hat mir die Chance gegeben, Fussball zu spielen und zu wachsen. Als Spieler und als Mensch. Warum sollte ich jetzt wechseln? Ich bin ein dankbarer Mensch.»

Es sind Worte, die die Fussball-Schweiz freuen. Denn der Genfer, der als Markenzeichen mit der Hand vor dem Gesicht jubelt und so an eine Maske erinnert, ist für das Nationalteam ein Mehrwert. Bereits heute, aber auch in Zukunft. «Der Jubel mit der Maske ist etwas, was ich schon seit jeher mache. Das war etwas, was ich als 13- oder 14-Jähriger mit meinen Kollegen in unserem Viertel in Genf gemeinsam hatte. Wir hatten das immer gerne gemacht, um uns ein bisschen zu tarnen. Es ging vor allem darum, cool zu wirken, cool zu sein. Jetzt versuche ich, das zu wiederholen. Ich habe gesehen, dass es plötzlich eingeschlagen hat. Es ist wunderbar.»

Leidenschaft statt Geld

Schön wäre es, wenn der Boteli-Jubel schon bald auch in der Nati zu sehen wäre. Das würde seinen Marktwert, der aktuell bei fünf Millionen liegt, in die Höhe schnellen lassen, ihn selber aber nicht aus der Ruhe bringen, wie er sagt: «Ich schaue nicht auf die Zahlen. Zahlen sind etwas, was den Fussball kaputtmacht. Ich sehe mich als einen Jungen, der vom Fussball träumt und Fussball spielt.»

Ob er für 10, 40 oder 50 Millionen wechsle, das Geld lande eh nicht in seiner Tasche. «Deshalb geht es mir mehr um den Traum dahinter. Dass Winsley es als Kind und Jugendlicher geschafft hat, seinen Traum zu verwirklichen. Ich sehe mich nicht als Winsley, der vielleicht mal Millionen einsteckt und freudig ist, nein. Ich sehe das eher als etwas Aussergewöhnliches, meine Leidenschaft ausleben zu dürfen. Und alles drum herum überlasse ich den Leuten, die dafür zuständig sind.»

Auf dem Weg nach oben ist auch Alvyn Sanches. Der 23-jährige Offensivspieler hat sich nach seinem Kreuzbandriss zurückgekämpft und bei YB als Mann für die speziellen Momente etabliert. In seinem Palmarès stehen drei Länderspiele, das letzte bestritt er im März gegen Norwegen. Für die WM reichte es ihm nicht, doch auch bei ihm zweifelt niemand daran, dass ihm auch in der Nati die Zukunft gehört. Weil er bislang nur in Testspielen zum Einsatz gekommen ist, könnte er sich auch noch für Portugal entscheiden. Doch Yakin wird ihn nun wohl für die Nations League aufbieten, einsetzen und so an die Schweiz binden.

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Zachary Athekame überzeugt bei Olympique Lyon.

Der Erbe Widmers?

Dasselbe gilt für Zachary Athekame. Der Aussenverteidiger, der nun auf der rechten Seite Silvan Widmer beerben könnte, war zwar schon an Zusammenzügen dabei, hat aber noch kein Spiel bestritten. Dieses Problem könnte man nun ein für alle Mal lösen, zumal Athekame in Form ist. Nach seinem Wechsel von den Young Boys zur AC Milan im vergangenen Jahr und einer Saison in Italien wurde er nun an Olympique Lyon in die Ligue 1 ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln – und er schlug sofort ein. Er ist als rechter Aussenverteidiger Stammspieler, hat nach vier Meisterschaftsspielen ein Tor und einen Assist in seiner Statistik und damit seine Ambitionen eindrücklich angemeldet. Auch er dürfte in den kommenden Spielen zum Zug kommen.

Und da ist auch noch Aurèle Amenda. Der 23-jährige Innenverteidiger mit kamerunischen Wurzeln spielte vor zwei Jahren in der Nations League für die Nati und ist an die Schweiz gebunden. Nach einer nicht immer einfachen Zeit in Frankfurt hat er mittlerweile die Bundesliga verlassen und bei Coventry City in der Premier League angeheuert. Mit seinem Team hat er die ersten vier Meisterschaftsspiele mit einem Torverhältnis von 0:10 verloren, doch er spielte beim Aufsteiger in der Innenverteidigung immer durch. Für ihn ist es eine harte Schule, doch diese Investition wird ganz sicher mit Zinsen belohnt  – vielleicht auch in der Nati, wo er neben Manuel Akanji und Nico Elvedi spielen und hinter ihnen reifen kann. Bei der WM stand er zwar im Aufgebot von Murat Yakin, wurde aber nicht eingesetzt. Das dürfte sich in Zukunft ändern. Und die generellen Perspektiven der Nati weiter verbessern. Denn dahinter folgen bereits weitere vielversprechende Spieler wie Sascha Britschgi (Parma), Bruno Ogbus (Freiburg), Ethan Meichtry (Genua) oder Cheveyo Tsawa (Brügge) und Alessandro Vogt (Hoffenheim/Heidenheim) die mit der Schweiz Erfolge feiern möchten.

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