Mit Boteli und Britschgi: Drei Erkenntnisse zum Nati-Aufgebot für die UEFA Nations League
Zwei Neulinge, zwei Rückkehrer und 20 WM-Fahrer: Das ist das Aufgebot von Nati-Trainer Murat Yakin für die ersten vier Partien in der UEFA Nations League B (26.9. bis 6.10.). Bekanntermassen nicht mit dabei: Premier-League-Angreifer und Problem-Stürmer Noah Okafor, der seiner Nicht-Nomination mit dem temporären Nati-Rücktritt zuvorkam. Was uns beim Team für die Partien gegen Nordmazedonien (26.9. und 6.10.), Schottland (29.9.) und Slowenien (3.10.) ansonsten noch auffällt, fassen wir hiermit zusammen.
Wenn's funktioniert, passt's
Auf keinerlei Experimente lässt sich Murat Yakin beim Aufbau seiner Achse ein. Wie bereits in den letzten beiden Jahren und an der WM setzt der ehemalige Verteidiger auf ein Nati-Rückgrat aus Torhüter Gregor Kobel, dem Innenverteidiger-Duo Manuel Akanji / Nico Elvedi, den zentralen Spielmachern Granit Xhaka und Remo Freuler sowie Stosstürmer Breel Embolo in der Spitze. Ergänzen lässt sich dieses Sextett noch mit dem unverwüstlichen Linksverteidiger Ricardo Rodriguez, der trotz Trainingsrückstand und erst 17 Spielminuten in der Serie A aufgeboten wurde. Aber beim U17-Weltmeister von 2009 gilt ohnehin: Bis auf Weiteres ist auf den Torino-Rückkehrer zu 100 Prozent Verlass.
Endlich
Neben der erwähnten Achse verfügt der Schweizer Kader dank bewährten Spielern wie Denis Zakaria, Michel Aebischer, Fabian Rieder oder Djibril Sow über reichlich zusätzliche Erfahrung. Spannend wird es jedoch zu beobachten sein, inwiefern die junge Garde, zu der auch ein Johan Manzambi (20, Aston Villa), Aurèle Amenda (20, Coventry City) oder Ardon Jashari (24, AC Milan) zählen, bereits dazu in der Lage sein wird, der Nati ihren Stempel aufzudrücken. Denn mit den Neulingen Winsely Boteli (20, MS, Sion) und Sascha Britschgi (20, RV, Parma Calcio) sowie den Rückkehrern Alvyn Sanches (23, OM, YB) und Zachary Athekame (21, RV, Olympique Lyonnais) umfasst der Schweizer Kader gleich sieben vielversprechende, junge Spieler, denen zugetraut wird, die Nationalmannschaft künftig zu prägen. Vorausgesetzt, es gelingt dem Staff um Trainer Murat Yakin auch, diese rechtzeitig in eine grundsätzlich funktionierende Equipe einzubauen. Die kommenden Partien ohne grossen Resultatdruck bieten dafür eine ideale Gelegenheit, mit dem zusätzlichen Vorteil, parallel noch ein viel grundsätzlicheres Ziel zu erreichen. Denn mit Einsätzen in der Nations League würden sich die theoretisch auch für andere Nationen spielberechtigten Boteli, Athekame und Sanches ganz offiziell und final für die Schweiz entscheiden.
Mit dünner Brust
Schliesslich gehört auch Breel Embolo (wie bereits erwähnt) mit zum Aufgebot. Und das trotz seines jüngsten Wechsels in die Major League Soccer (Atlanta United) und trotz der Tatsache, dass er aufgrund seiner gelb-roten Karte im WM-Viertelfinal noch für ein Spiel gesperrt ist. Folgerichtig wird Embolo erst für die zweite Nations-League-Woche zum Team stossen, was vor allem eine Tatsache unterstreicht: Im Angriff ist die Schweiz derzeit – auch aufgrund Ruben Vargas' Verletzung – dünn aufgestellt. Denn neben Embolo und Shooting-Star Boteli (12 Tore, 7 Assists in 14 Wettbewerbsspielen) heissen die nächstbesten Alternativen im Sturm derzeit Cedric Itten (bislang 54 Bundesliga-Minuten in drei Spielen für Werder Bremen) und Zeki Amdouni (zwei Skorerpunkte in sieben Spielen für Burnley), der sich in der englischen Championship zuletzt immerhin zweimal in die Startelf zurückkämpfen konnte. Ein reiches Reservoir an Talenten sieht in der Tat anders aus, was die Entwicklung rund um den zurückgetretenen Noah Okafor umso bedauernswerter macht. Dabei trägt der nicht immer pflegeleichte und teamfähige Leeds-Stürmer mit Sicherheit eine grosse Teilschuld, und trotzdem kann es irgendwie nicht sein, dass das Schweizer Trainer- und Führungspersonal es nun zum zweiten Mal nicht geschafft hat, den gebürtigen Baselbieter ins Team zu integrieren. Viel eher entstand der Eindruck, Okafor sei nicht primär aufgrund von Murat Yakins Überzeugung in letzter Minute in die WM-Mannschaft aufgenommen worden. Denn nur um ihn im Anschluss nahezu ausschliesslich auf die Bank zu setzen, hätte man den Premier-League-Stürmer (zuletzt acht Saisontore) nicht in die USA mitnehmen müssen.