Das Fenster ist zu: Die Tops und Flops des SL-Transfersommers 2026
Seit Dienstag um Mitternacht ist es zu: Das Sommer-Transferfenster in der Super League, in welchem in den vergangenen zwei Monaten über 300 Transferbewegungen und Mehrausgaben von knapp 46 Mio. Euro registriert worden sind. Zu Recht? In unseren Tops und Flops werfen wir einen Blick auf jene Transfers, welche sich in den ersten sieben Runden besonders gut oder schlecht in Szene setzen konnten.
Top: Lutfi Dalipi, FC Vaduz
Vor knapp sechs Wochen kannten bestenfalls Fussball-Insider den Namen Lutfi Dalipi. Noch im Frühjahr hatte der 20-Jährige neun Partien beim FC Wil in der Challenge League gespielt und war der breiten Masse dabei nicht aufgefallen. Das hat sich geändert, und zwar gründlich. Denn seit die YB-Leihgabe Ende Juli zum ersten Mal seinen linken Zauberfuss auf SL-Rasen setzte, sorgt er in der Schweizer Beletage gehörig für Betrieb. Zehn Skorerpunkte (3T/7A) in sieben Partien stehen aktuell zu Buche und das in Diensten des FC Vaduz, dem bislang auch dank Dalipi so positiv überraschenden Aufsteiger mit Mini-Budget (6,5 Mio. CHF). Freuen dürfen sich darüber aber auch die Berner Young Boys. In einem Jahr wird der gebürtige Fribourger seine Tore entweder wieder für Gelb-Schwarz erzielen – oder bereits für einen schönen Batzen ins Ausland verkauft worden sein.
Flop: Jonas Omlin, FC Basel
Sieben mögliche Meisterschaftseinsätze, drei effektiv absolvierte Halbzeiten – logisch hatte sich der FC Basel die Rückkehr von Keeper Jonas Omlin (schon 2018/2019 und 2019/2020 zwischen den FCB-Pfosten) ganz anders vorgestellt. Allerdings muss man sich am Rheinknie die Frage gefallen lassen: War die aktuelle Verletzungsserie nicht absehbar? Schliess hat der bedauernswerte Omlin in den vergangenen vier Spielzeiten für Gladbach und Leverkusen ganze 34 Partien bestreiten können – oder rund einen Viertel aller Bundesligaspiele während dieser Zeit. Immerhin kam der gebürtige Obwaldner ablösefrei nach Basel, was für die Bebbi allerdings nur ein schwacher Trost sein dürfte. Der 32-Jährige war und ist beim FCB fix als Führungsspieler eingeplant, eine Rolle, der er bislang folgerichtig überhaupt nicht gerecht werden konnte.
Top: Daniel Mikolajewski, FC Luzern
Seit Daniel Mikolajewski in Luzern spielt, haben die Zentralschweizer nicht mehr verloren. Das ist durchaus bemerkenswert, denn einerseits hat der FCL davor nur verloren (zwei Spiele, zwei Niederlagen), andererseits gehört die zuvor zahnlose Luzerner Offensive nun plötzlich zu den gefährlichsten Angriffsreihen der Liga. Der gemeinsame Nenner? Mikolajewski, 20-jährige Leihgabe aus Parma und mit seiner Wucht, Technik und Übersicht der neue Zielspieler in den Reihen der Leuchtenstädter. Besonders wertvoll ist dabei die Gabe des polnischen Mittelstürmers, auch seine Mitspieler gut aussehen zu lassen. Linksverteidiger Andrejs Ciganiks (LAT) steht nicht umsonst urplötzlich bei bereits drei Saisontreffern.
Flop: Isaac Schmidt, BSC YB
1,3 Mio. Euro überwies YB diesen Sommer an Leeds United mit der Absicht, dank der Verpflichtung von ex-Nationalspieler Isaac Schmidt zumindest einen Teil der Abwehrprobleme aus der vergangenen Saison beheben zu können. Nach den ersten Wochen der neuen Meisterschaft muss man konstatieren: Dieser Plan ist bislang nicht aufgegangen. Schon wieder haben die Berner mit 14 Gegentoren am drittmeisten Treffer der Liga erhalten, was zwar nicht nur am defensiven Schienenspieler liegt, aber natürlich auch nicht für den 26-Jährigen spricht. Zu inkonstant performte der ehemalige St. Gallen- und Werder-Kicker in seinen bisherigen sechs Einsätzen, von denen er zwei als Teil der Startelf absolvierte. Zuletzt gegen Luzern kam Schmidt wieder auf seiner angestammten Position auf der linken Abwehrseite zum Einsatz, während im Rechts abermals Lewin Blum vorgezogen wurde. Sollten Beide auf ihren aktuellen Positionen zu ihrer Form finden, könnte sich der Zuzug des gebürtigen Romands für YB doch noch bezahlt machen.
Top: Dereck Moncada, FC Lugano
Drei Millionen Euro liess sich der FC Lugano diesen Sommer die Dienste von Rechtaussen Dereck Moncada kosten. Das Besondere dabei: Der Honduraner ist erst 18 Jahre alt und hat die Tessiner Vorschusslorbeeren dennoch bereits nach wenigen Wochen bestätigt. Finanziell, weil er die Bianconeri im Conference-League-Playoff-Rückspiel gegen Maccabi Tel Aviv in Unterzahl in die Ligaphase schoss. Sportlich, weil er auch im Liga-Alltag regelmässig skort und mit seiner Physis und Torgefahr jederzeit ein belebendes Element der Lugano-Offensive darstellt. Wie lange Moncada in der Sonnenstube bleiben wird? Vorsorglich haben ihn die Bianconeri gleich mit einem Vertrag bis 2031 versehen.
Flop: Loic Lüthi, FC Luzern
Können Sie sich noch an den Saisonstart des FC Luzern erinnern? Nach zwei Spielen, zwei Niederlagen und 1:6 Toren fanden sich die Zentralschweizer Anfang August auf dem letzten Tabellenrang wieder. Im Zentrum der Kritik stand damals Keeper Simon Simoni, der sich in den ersten Wochen bis zu seiner Ablösung wöchentlich einen groben Schnitzer leistete. Eher still und leise litt da Innenverteidiger Loic Lüthi, was aber nicht bedeutet, dass der Winterthurer Neuzugang die in ihn gesetzten Erwartungen bislang erfüllen konnte. In gewisser Weise wurde der 22-Jährige sogar zum Sündenbock des verpatzten FCL-Saisonstarts, schliesslich kamen seit den beiden Startelf-Einsätzen zum Auftakt nur noch 17 weitere Spielminuten hinzu. Für Lüthi noch bitterer: Seit seiner Verbannung auf die Bank läuft es für die Portmann-Truppe wieder. Aus den vergangenen fünf Spielen resultierten stolze neun Punkte und keine weitere Niederlage. Gut möglich, dass sich der eigentlich hoch gehandelte Defensivspezialist deshalb noch etwas länger auf seine Rückkehr in die Luzerner Stammelf gedulden muss.
Top: Victory Akpe, FC Basel
Der Lichtblick am derzeit ziemlich trüben Basler Fussball-Himmel? Victory Akpe, 20-jähriger Innenverteidiger aus Nigeria. Noch überzeugt der 1,95 Meter grosse Hüne zwar nicht immer, dafür aber immer öfter und meist mit einem Flair fürs Spektakel. Kein Wunder, hat sich der zuletzt in Ungarn tätige Akpe innert kürzester Zeit in die Herzen des Basler Fussballpublikums gespielt, was in Zeiten, in denen der Unmut im eigenen Umfeld von Spiel zu Spiel wächst, keine Selbstverständlichkeit ist. Nun folgt mit der Entlassung von Stephan Lichtsteiner eine erste prägnante Zäsur in Akpes Basler Zeit. Wie er sie meistert, kann einiges über die Karriereperspektiven des Nigerianers aussagen, der unter dem ehemaligen Nati-Captain keine einzige Super-League-Minute verpasste.
Flop: Stürmer, Servette FC
An neuen Hoffnungsträgern mangelt es im Angriff der Servettiens nicht. Schliesslich zanken sich Neuzugang David Fofana (für 2,50 Mio. Euro von Chelsea gekommen), Neuzugang Mathis Lambourde (für 2,3 Mio. Euro von Hellas Verona gekommen) und Neuzugang Kingstone Mutandwa (von Cagliari Calcio ausgehliehen) um einen Platz in der Genfer Startelf. Das Problem: Bislang konnte weder der Eine noch der Andere in der Calvin-Stadt so richtig Fuss fassen. Verständlich, aufgrund der wenigen Wochen, die die drei Neuzugänge erst in Genf verbracht haben. Und doch irgendwie auch enttäuschend, angesichts der mickrigen Ausbeute von bislang erst einem Saisontreffer in total acht (Teil)Einsätzen. Ob sich die Genfer Transfer-Offensive trotzdem schon bald in besseren Ergebnissen niederschlägt? Vielleicht sorgt ja Last-Minute-Neuzugang Jesper Carlsson (14 Länderspiele für SWE), der am Dienstag kurz vor Transferschluss vom FC Bologna ausgeliehen wurde, für den längst ersehnten Umschwung.