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Sierro, Dahoud & Co.: Super League, das ist deine Chance

Patrick

Jetzt ist es (bald) zu: Das internationale Transferfenster, geöffnet seit dem 1. Juli und spätestens morgen Abend in fast allen bedeutenden Ligen Europas geschlossen. Fast allen? Genau, denn u.a. in der Schweiz dürfen Klubs noch bis zum 8. September fleissig Transfers tätigen. Das bedeutet, dass die SL-Klubs - für gewöhnlich am Ende der Fussball-Nahrungskette – beim einen oder anderen unzufriedenen oder vertragslosen Spieler noch zum Thema werden könnten. Sechs spannende, zum Teil bekannte und mit gutem Willen auch finanzierbare Profile fassen wir hiermit kurz zusammen.

Keystone_EPA_Amy Kontras_ Kehrt eine Schweizer Fussballlegende in die SL zurück_ Noch hat RR keinen anderen Verein gefunden
Gemäss Berichten unserer italienischen Kollegen auf dem Weg zum FC Torino - oder biegt Ricardo Rodriguez evtl. doch noch in die Super League ab? © Keystone / EPA / Amy Kontras

Die Legende

144 Länderspiele, unverzichtbares Element der Schweizer Nationalmannschaft und trotzdem Stand heute vermutlich irgendwo auf halber Strecke zwischen Torino und der Vereinslosigkeit. Natürlich hat das ganz viel mit Ricardo Rodriguez fortgeschrittenem Alter von 34 Jahren zu tun, denn an der WM hat der gebürtige Zürcher soeben bewiesen, wie sehr auf ihn noch Verlass ist. Wäre Rodriguez kein Schweizer, wäre er mit Sicherheit für keinen Schweizer Klub eine realistische Option. Da er es aber ist, und zudem eine junge Familie hat, müsste jeder Superligist mit dem Abstieg bestraft werden, der nicht zumindest versucht, seinen Hut in den Ring zu werfen. Natürlich ist die Gefahr gross, dass sich die Liga für den ehemaligen FCZ-Junior finanziell vergeblich zur Decke streckt, komplett ausschliessen würde ich ein Engagement jedoch nicht. Und der Benefit eines Rodriguez als Leader und Identifikationsfigur in einem Kader voller junger Spieler ist fraglos gegeben.

 

Der Unzufriedene

Für gewöhnlich wechseln begehrenswerte Fussballer von der Super League in die Jupiler Pro League. Aber warum nicht auch einmal umgekehrt? Denn im Fall des belgisch-italienischen Doppelbürgers Adriano Bertaccini ist aktuell ein Spieler auf dem Markt, der für unsere Klubs sowohl interessant als möglicherweise auch finanzierbar wäre. Denn der nur 1,73 Meter grosse Mittelstürmer spielt bei seinem Klub RSC Anderlecht aktuell keine Rolle mehr. Verständlich anhand von nur drei Toren in seiner ersten und einzigen Saison beim Brüsseler Traditionsverein, aber möglicherweise auch ganz einfach ein Irrtum. Denn der 26-Jährige Rechtsfuss ist nur ein Jahr entfernt von einer Spielzeit, in der er für den VV St. Truiden 21 Treffer erzielt, eine Zahl, welche jeder Superligist mit Handkuss nehmen würde. Warum also nicht zuschlagen? Bei einem Marktwert von vier Mio. Euro und der kolportierten Wechselwilligkeit des Spielers könnte sich ein Leihgeschäft mit Option möglicherweise realisieren lassen. Ein Investment, dass sich bereits mit der Qualifikation für die Conference League 2027 rechnen würde.

 

Der Smarte

Er ist kein Star und kein Lautsprecher.  Dafür aber ein ehemaliger National- und Führungsspieler, vormaliger Captain des Toulouse FC. Die Rede ist – natürlich – von Vincent Sierro, zuletzt in der Saudi Pro League (Al Shabab) engagiert und nun im Alter von «erst» 30 Jahren ablösefrei zu haben. Eine Verstärkung, wie sie sich jeder Superligist am liebsten malen würde, mit dem Unterschied, dass der Walliser in der Tat verfügbar ist. Natürlich unter der Voraussetzung, dass Sierro seine Gehaltsansprüche für einen Wechsel in die Super League nach unten anpassen müsste. Auf der anderen Seite gilt aber auch: Ein Akteur wie der ehemalige Mittelfeldstratege von Sion, St. Gallen und YB könnte sich in unserer Beletage auf Jahre hinaus bezahlt machen.

 

IMAGO_Schüler_Hatte die letzten Jahre nur noch selten Grund zur Freude_Mahmoud Dahoud vereinsloser ehemaliger deutscher Nationalspieler
Hatte die letzten Jahre nur noch selten Grund zur Freude: Mahmoud Dahoud, vereinsloser ehemaliger deutscher Nationalspieler (IMAGO / Schüler)

Der Unvollendete

Zuletzt spielte er während einem Dreivierteljahr für den FC Winterthur – und stieg  ab. Zuvor stand er für eine erfolglose Rückrunde beim FC Sion unter Vertrag, nach einer nicht minder unglücklichen Halbserie bei Sampdoria. Immerhin: In Genua (Saison 23/24) zeigte der mittlerweile 34-Jährige, 12-fache Nationalspieler zuletzt was in ihm steckt, nachdem er sich zuvor jahrelang im In- (Luzern, Sion, Basel) und Ausland (Fulham, Olympiakos) bewährte hatte, ohne jedoch den ganz grossen Karriereschritt vollziehen zu können. Mittlerweile dürfte der U17-Weltmeister von 2009 keinem Team mehr über 90 Minuten helfen können, möglicherweise aber mit seiner Erfahrung und seinen Qualitäten bei stehenden Bällen und im Abschluss. Nicht umsonst erzielte Kasami selbst zuletzt in Winterthur noch fünf Tore, ein mehr als ordentlicher Wert für einen zentralen Mittelfeldspieler, der nun ablösefrei zu haben wäre.

 

Der Vergessene

Gestatten: Hicham Mahou, 27-jähriger Rechtsaussen mit der Erfahrung von 139 SL-Spielen. Zuletzt war der in Nizza ausgebildete Offensivakteur vier Jahre beim FC Lugano engagiert, für den er auch in der vergangenen Spielzeit noch 22 Einsätze absolvierte. Nichtsdestotrotz wurde der Vertrag des ehemaligen französischen U19-Internationalen zuletzt nicht mehr verlängert, weshalb er etwas überraschend noch zu haben ist. Wer Erfahrung und nicht unbedingt Torgefahr sucht (nur sieben Tore in seiner Zeit in der Schweiz), könnte beim Rechtsfuss fündig werden.

 

Der Renommierte

Einst gehörte er zu den Stars in der Deutschen Bundesliga. Spielte für die Borussia im Rheinland sowie diejenige im Ruhrpott und sogar zwei Mal für die Deutsche Nationalmannschaft.  Doch all das ist schon etwas länger her. Zuletzt absolvierte Mahmoud Dahoud in drei Spielzeiten 24 Bundesligaspiele für die Frankfurter Eintracht sowie deren 13 in Stuttgart, viel zu wenig für einen Spieler, dessen Stern für einen 30-Jährigen in den letzten Jahren enorm schnell gesunken ist. Aktuell steht der technisch beschlagene zentrale Mittelfeldakteur ohne Verein dar, was ihn für einen Superligisten interessant machen könnte. Natürlich im Wissen, dass Dahouds Abstieg in den letzten Jahren mit mangelndem fussballerischen Talent nicht zu erklären ist. Vielleicht findet aber ausgerechnet ein risikofreudiger Superligist den Schlüssel, um das Potential des gebürtigen Syriers noch einmal zur Entfaltung zu bringen.

 

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