Aufgefallen: Der 5. Spieltag in der Brack Super League
30 Tore in sechs Spielen! Die Super League kann Offensive, aber nicht unbedingt Defensive. Der FC Lugano kann bislang alles ein wenig besser und Rekordmeister GC feiert sein Jubiläum ganz tief im Tabellenkeller. Unsere Zusammenfassung des jüngsten Schweizer Fussballwochenendes.
Zu früh gefreut
Der FC Luzern und seine Keeper – in dieser Spielzeit alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Denn nach dem vierten schweren Torhüterfehler im fünften Saisonspiel, lagen die Zentralschweizer auch in Genf bereits nach 14 Spielminuten hinten (Miroslav Stevanovic). Noch schlimmer: Nur sechs Minuten später agierten die Leuchten auch noch in Unterzahl, nachdem Oscar Kabwit für einen Treffer oberhalb des Knöchels von Servettes David Douline eine harte, aber vertretbare rote Karte sah. Was also sollte für die Grenats da noch schief gehen? Die Antwort: Genug, um den Luzernern einen noch so gerne errungenen Zähler zu bescheren. Denn nach einem Eckball des Heimteams, legte ausgerechnet Torschütze Stevanovic ideal für Daniel Mikolajewski auf, der zum Konter anzog und in der Mitte Teamkollege Ciganiks bediente, der den Ball problemlos am falsch positionierten Léo Besson zum 1:1 vorbeischob. Danach investierten die Genfer zu wenig, um dem Spiel noch einmal eine Wende zu geben. Und so lachten am Ende einzig die Zentralschweizer, die nach dem Kaltstart in die neue Spielzeit zuletzte drei Mal in Folge punkten konnten.
Ketchup-Effekt
Zu behaupten, der FC Zürich hätte in dieser Saison bislang offensiv überzeugt, wäre mehr als eine Übertreibung. Im Angriff wirkten die Stadtzürcher bislang meist zu statisch, vorhersehbar und in Folge dessen auch ziemlich harmlos. Und auch beim Gastspiel in Lausanne deutete nach den ersten 45 Minuten und einem 0:1-Rückstand (31., Enzo Molebe) wenig darauf hin, dass die Koller-Truppe die Heimreise eine Halbzeit später mit beachtlichem Ertrag würde antreten können. Doch dann traf erst Bledian Krasniqi (47.), dann der mit vierfachem Nasenbeinbruch angetretene Lindrit Kamberi (58.) und schliesslich auch noch der sprintschnelle Umeh Emmanuel zum umjubelten Zürcher Siegtreffer (81.). Denn Lausanne-Sport war zwar noch in der Lage, auf den FCZ-Doppelschlag zu reagieren (73., Omar Janneh), fand auf Emmanuels zweiten Saisontreffer jedoch keine Antwort mehr. Und so holte sich der FC Zürich beim 2:3 im fünften Saisonspiel zum zweiten Mal drei Punkte – drei Toren in einer Halbzeit sei Dank.
Spitzenspiel
Das Duell der beiden Schweizer Giganten – zumindest am Samstagabend war es wieder einmal eines. Zwar nicht auf dem fussballerischen Niveau der europäischen Elite, aber dafür umso unterhaltender. Mit einem YB-Startfurioso, dass bereits die Entscheidung hätte herbeiführen können, aber «nur» in Toren von Joël Monteiro (5.) und Samuel Essende (15.) mündete. Einem FCB-Doppelschlag aus dem Nichts (Kazeem Olaigbe in der 32. Minute, Assane Sow in der 37.). Der erneuten Berner Führung durch Alvyn Sanches (45. +1) und der Beinahe-Entscheidung durch den selben Spieler, elf Sekunden nach Anpfiff der zweiten Halbzeit. Und schliesslich der erneuten Basler Antwort (Akpe Victory, 70.) in einer zweiten Hälfte, in der sich die Bebbi deutlich besser auf ihren Berner Gegner eingestellt hatten, als noch in Halbzeit eins. Schade eigentlich, dass dies auch dazu führte, dass sich keiner der beiden Antipoden in der Schlussphase noch entscheidende Vorteile erspielen konnte. Mit dem 3:3 dürfte aber vor allem Rot-Blau sehr gut leben können, auch wenn natürlich für beide Rivalen gilt: Nach der Punkteteilung beträgt der Rückstand auf das auch gestern siegreiche Lugano bereits mindestens vier Verlustpunkte.
Respekt
Gewiss: Über die gesamten 90 Minuten benötigte der FC Lugano beim Gastspiel in Sion vielleicht etwas mehr Glück als Können. Zum Beispiel in den Minuten 9, 21 und 39, als die Walliser nur knapp am Ausgleich vorbeischrammten. Oder in Minute 79, als Sion-Keeper Racioppi einen Schuss von Beckham Castro zum entscheidenden 1:2 ins eigene Tor ablenkte. Schlussendlich muss man aber auch konstatieren: Wer zweieinhalb Tage nach einem Europacup-Auftritt in Georgien auch im Wallis einen Weg findet, um zu gewinnen, verdient Respekt - und vielleicht auch den inoffiziellen Titel als Meisterschaftsfavorit Nr. 1. Denn es ist sicher kein Glück und Zufall, dass Lugano nach dem vierten Sieg im vierten Spiel alleine an der SL-Tabellenspitze steht, mit vier Verlustpuntken Vorsprung auf den nächsten Verfolger. Dank Newcomer Derek Moncada, der die Ticinesi mit seinem wettbewerbsübergreifend fünften Saisontreffer bereits in der 3. Spielminute in Führung brachte. Und dank einer solidarischen Mannschaftsleistung, etwas Glück und einem starken David von Ballmoos im Tor. Das genügte, um die ebenfalls unter der Woche aktiven Sittener knapp in Schach zu halten und das, obwohl auch die Walliser ihren Shooting-Star im Kader haben. Winsley Boteli, Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:1 (55.), steht mittlerweile (wettbewerbsübergreifend) bereits bei zehn Saisontoren. Darauf liesse sich aufbauen – sofern der ex-Gladbacher in den kommenden Tagen nicht noch kurzfristig ins Ausland wechselt.
Feiertag
Endlich! Nach fünf Jahren und fast fünf Monaten konnte der FC Vaduz gestern wieder einmal einen SL-Sieg feiern. Am fünften Spieltag und mit fünf Toren auf einen Streich, die den Liechtensteinern einen vielleicht noch sehr wichtigen Dreier im Direktduell mit dem Grasshopper Club Zürich bescherten. Dank einer tollen Partie von YB-Leihgabe Lutfi Dalipi, der früh (12.) zum 1:0 traf und herrlich zum 5:2 (Juan Cabrera, 76.) auflegte. Dank einem selbstbewussten und kaltblütigen Dominik Schwizer, der zwei Mal zulangte (zum 2:1 in der 43. Minute und zum 3:2 per Elfer in der 55.) und dank einem Juan Cabrera, der vor seinem Schlussbouquet in der 58. Minute auch noch das 4:2 erzielte. Und die Hoppers? Hätten zum Auftakt in ihre Jubiläumswoche mit Sicherheit auch gerne gefeiert, mussten sich am Ende aber mit den zwischenzeitlichen Ausgleichstoren zum 1:1 (Young-jun Lee, 35.) und 2:2 (Nikolas Muci, 45. +2) begnügen. Dazu gab es viel Frust über eine eigentlich überlegen geführte erste Hälfte, zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen und eine im Anschluss sehr schwache zweite Hälfte. Und so feiert GC den 140. Geburtstag morgen Dienstag nicht mit Tuchfühlung zum Mittelfeld, sondern als bereits leicht abgeschlagener Tabellenletzter.
Bitte. Danke!
Nein. Die Spielzeit 2026/2027 war bislang nicht die Spielzeit des FC Thun. Als Meister angetreten, mussten die Berner Oberländer bislang gehörig Federn lassen – auf und neben dem Platz. Vor dem Gastspiel in St. Gallen war guter Rat deshalb teuer, schliesslich hatte die neuformierte Thuner Hintermannschaft in drei Meisterschaftsspielen bereits elf Tore zugelassen. Und gestern? Setzte es erneut drei Gegentreffer, was an einem normalen Nachmittag kaum zu einem zählbaren Ergebnis gereicht hätte. In St. Gallen jedoch lief für einmal einiges für die Thuner, und relativ wenig für den FCSG, der den angeschlagenen Gast gleich zwei Mal reich beschenkte. Erst in der 9. Minute, als Verteidiger Chima Okoroji als letzter Mann am Ball vorbeischlug und Brighton Labeau so alleine in Richtung 0:1 losziehen konnte. Und noch einmal in der 46. Minute, als sich erneut Okorji und Lukas Daschner im Spielaufbau einen schwerwiegenden Ballverlust leisteten, den Nils Reichmuth Sekunden später zum 0:2 nutzte. Danach zeigten sich die Ostschweizer zwar bemüht, kamen aber trotz Toren von Leon Frokaj (48.), Nevio Scherrer (75.) und Daschner (90.) nie mehr richtig an den FCT heran, der frühzeitig auf 1:4 (Brighton Labeau und Furkan Dusun trafen vor Ablauf einer Stunde) davon gezogen war. Da war sie wieder, die meisterliche Qualität aus wenig viel zu machen. Ob nur auf temporärer Stippvisite oder längerfristig, werden die kommenden Wochen zeigen.