13 Schweizer in der Bundesliga – und zwei Trainer
Am Freitagabend startet die Bundesliga in die neue Saison. In der höchsten Spielklasse unserer Nachbarn stehen aktuell 13 Spieler und zwei Trainer mit Schweizer Pass unter Vertrag. Eine Übersicht über ihre Situation und ihre Perspektiven.
In Deutschland ist das Transferfenster bis zum 1. September um 20 Uhr geöffnet. Bis dahin werden noch zahlreiche Akteure kommen und gehen und Anpassungen vorgenommen: Dies sicher auch bei ausländischen Spielern, von denen aktuell 300 in den Kadern figurieren. Am meisten von ihnen stammen aus Frankreich (35), vor Österreich (21), Japan (14), Belgien (14) und der Schweiz (13). Doch das kann aus Transfergründen noch ändern.
Endlich ein Titel für Kobel?
Mit den grössten Ambitionen steigt sicher Gregor Kobel in die Saison. Der Nati-Goalie ist in Dortmund eine feste Grösse und ein sicherer Rückhalt. An ihm liegt es nicht, dass er weiterhin auf seinen ersten Titel als Profi wartet. Gelingt es ihm in dieser Saison? Rekordmeister und Titelverteidiger Bayern München scheint in der Liga eine schier unüberwindbare Hürde zu sein, grösser wäre die Chance wohl im DFB-Pokal.
Mit Ambitionen steigt auch der VfB Stuttgart in die Meisterschaft. Letzte Saison belegten die Schwaben am Ende hinter Bayern, Dortmund und Leipzig Rang 4, im Pokal wurde das Team von Sebastian Hoeness erst im Final – natürlich von den Bayern – gestoppt. Im Kader der Stuttgarter stehen mit Luca Jaquez und Leonidas Stergiou zwei Schweizer. Innenverteidiger Jaquez hatte letzte Saison viel Verletzungspech, kämpfte immer wieder mit muskulären Problemen und kam in der Meisterschaft nur auf 14 Einsätze. Eigentlich sollte das nun besser werden. Wobei es aktuell beim Konjunktiv bleibt. Der Schweizer verpasste wegen erneuter Muskelprobleme die Vorbereitung und hat einen Trainingsrückstand. Wenn er wieder fit ist, kann er bei Stuttgart eine feste Grösse werden, zumal er als Innen- und Rechtsverteidiger eingesetzt werden kann.
Stergiou für einmal im Verletzungsglück?
In einer speziellen Situation befindet sich Leonidas Stergiou. Letzte Saison war er zuerst verletzt, spielte dann beim VfB keine Rolle und wurde schliesslich nach Heidenheim ausgeliehen. Doch auch beim Absteiger hatte er gesundheitliche Probleme und konnte sich nicht durchsetzen. Aus diesem Grund bekam er im Sommer von Stuttgart die Wechselfreigabe, schaute sich nach einem neuen Arbeitgeber um – und ist doch noch beim VfB. Der Grund: Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou fällt wegen einer Oberschenkelblessur mindestens bis Ende September aus, und da ist in der Defensive jeder Mann wertvoll. Der Vorteil des Schweizers ist, dass er nicht übermässig viel verdient und ebenfalls als Innen- und Aussenverteidiger eingesetzt werden kann. Wer weiss, vielleicht kommt ja Stergiou beim VfB für einmal eine Verletzung zugute.
Wie in Stuttgart stehen auch beim SC Freiburg zwei Schweizer unter Vertrag. Innenverteidiger Bruno Ogbus hat sich letzte Saison von einem Achillessehnenriss zurückgekämpft und kam zu 24 Pflichtspieleinsätzen und 1480 Spielminuten. Dabei bewies der 20-Jährige seine Qualität, sodass sein Marktwert nun bereits bei 15 Millionen Euro liegt. Nun geht es für ihn darum, sich auf diesem Niveau endgültig festzubeissen und durchzusetzen. Über die dafür nötige Athletik und Zweikampfstärke verfügt er zweifellos, und vielleicht gelingt ihm ja ein ähnlich steiler Aufstieg wie seinem früheren Wegbegleiter Johan Manzambi.
Mit dem erst 19-jährigen Rouven Tarnutzer spielt noch ein weiteres Schweizer Talent für die Freiburger. Der Mittelfeldspieler kam am 26. April 2026, rund drei Monate vor seinem 19. Geburtstag, zu seinem Bundesligadebüt, als ihn Trainer Julian Schuster bei der 0:4-Niederlage in Dortmund für die letzten sechs Minuten ins Spiel brachte. Der Schaffhauser, der schon die letzten Jahre im Freiburger Nachwuchs war, wird nun behutsam an die Spitze geführt und sammelt in erster Linie Spielpraxis in der Regionalliga.
Itten kämpft gegen Füllkrug
Zurück in der Bundesliga ist Cedric Itten, der in der Saison 2021/22 zwölf Spiele für den späteren Absteiger Greuther Fürth bestritt und dabei zwei Tore erzielte. Nach den Stationen Glasgow Rangers, Young Boys und Fortuna Düsseldorf ist der Mittelstürmer bei Werder Bremen gelandet, wo er aber durch den Zuzug von Niclas Füllkrug grosse Konkurrenz erhalten hat. Doch Itten hat immer wieder seine Kämpferqualitäten bewiesen und wird sich auch diesem Duell stellen und seine Tore erzielen.
Captain Silvan Widmer ist bei Mainz 05 zwar Leistungsträger und Führungsspieler und hat seinen Vertrag verlängert. Doch der 33-Jährige wird wohl auch unter Urs Fischer nicht immer in der Startelf stehen. Widmer ist ein Teamplayer, akzeptiert solche Entscheide und ist in jeder Rolle wertvoll. Während Cedric Zésiger den FC Augsburg verlassen hat und zu den Young Boys zurückgekehrt ist, hat Fabian Rieder beim FCA einen Aufstieg in der Hierarchie erlebt. Der Mittelfeldspieler wurde ins Captainteam integriert, wobei im Normalfall weiterhin Abwehrchef Jeffrey Gouweleeuw die Binde tragen wird.
Miro Muheim führte beim Hamburger SV in der vergangenen Saison das Team ab und zu als Captain aufs Feld, doch wie lange die Liaison zwischen den Hanseaten und dem Aussenverteidiger noch andauert, ist fraglich. Der HSV hat angeblich schon lange ein Auge auf den Gabuner Jacques Ekomié geworfen, der gerne in die Bundesliga wechseln würde. Es ist ein heisser Flirt, der Folgen für Muheim haben könnte. Der Zürcher, der am Wochenende im Pokal aufgrund von Adduktorenbeschwerden fehlte, könnte so unter Druck geraten. Zumal es gerüchtehalber heisst, dass beim HSV immer wieder das mangelhafte Defensivverhalten Muheims kritisiert wird und seine physischen Intensitätswerte deutlich zu wünschen liessen. Zudem steht mit dem 16-jährigen Louis Lemke ein Top-Talent bereit, das im DFB-Pokal gegen Verl ein Tor und einen Assist verbuchte.
Innenverteidiger Joël Schmied hatte letzte Saison beim 1. FC Köln einen starken Start, ehe er aus Verletzungsgründen lange ausfiel. Nun ist er aber auf dem Weg, sich wieder im Team zu etablieren. Es heisst, der Schweizer habe im Trainingslager mit guten Leistungen, Übersicht und Führungsqualitäten überzeugt.
Was passiert mit Vogt?
Während Michel Aebischer nach seinem Wechsel von Serie-A-Absteiger Pisa zu Union Berlin im Team von Mauro Lustrinelli eine Führungsrolle zugedacht ist, brauchen Adrian Gantenbein und Alessandro Vogt Geduld. Verteidiger Gantenbein hat sich in der Vorbereitung am Syndesmoseband verletzt und wird Aufsteiger Schalke 04 noch längere Zeit nicht zur Verfügung stehen. Stürmer Vogt startete nach seinem Wechsel von St. Gallen zu Hoffenheim mit einer Knöchelverletzung denkbar schlecht in die Vorbereitung. Und dann folgte bereits der nächste Rückschlag. Der Transfer von Fisnik Asllani zu RB Leipzig platzte aus medizinischen Gründen, nun wird der kosovarische Nationalspieler (Marktwert: 35 Millionen Euro) wohl bleiben. Nun sucht Hoffenheim offenbar einen Klub, bei dem der 21-jährige Schweizer auf Leihbasis Spielpraxis sammeln kann.
Mit Urs Fischer und Mauro Lustrinelli stellt die Schweiz in der Bundesliga auch zwei Cheftrainer. Fischer hat in der Vergangenheit bei Union Berlin und in Mainz seine Fähigkeiten eindrücklich unter Beweis gestellt und in der Vorbereitung seine Spieler geschlaucht. Ein Fehlstart wie letzte Saison, als Fischer als Feuerwehrmann einspringen musste und eine wundersame Aufholjagd schaffte, soll verhindert werden. «Wiederholen wollen wir das auf keinen Fall», so Fischer. Die Erfahrung nehme er gern mit, aber «es hat so viel Energie gekostet». Thuns Meistercoach Mauro Lustrinell versucht sich derweil bei Fischers einstigem Arbeitgeber Union. Der Tessiner soll bei den Eisernen Konstanz einbringen und offensiveren Fussball spielen lassen. Der Stilwechsel braucht wohl Zeit. In acht Testspielen gab es nur einen Sieg gegen Optik Rathenow. Die Abstimmung in der neuen Viererkette passte noch nicht, das hohe Pressing funktionierte noch nicht ganz, es gab zu wenig Ideen im letzten Drittel. «Wir sind darauf vorbereitet, dass es vielleicht auch ein bisschen ruckelt am Anfang», sagt Präsident Dirk Zingler.