40 Schweizer in Europas Top-Ligen
Die Stars sind zurück aus den Ferien und wieder an der Arbeit: Nach der WM rollt der Ball nun in den verschiedenen Ländern wieder. 40 Spieler mit Schweizer Pass stehen aktuell in den fünf europäischen Top-Ligen in Deutschland, England, Italien, Spanien und Frankreich unter Vertrag. Eine Übersicht.
Bundesliga
Bei unseren Nachbarn in Deutschland steht in den nächsten Tagen nicht die Meisterschaft im Fokus, sondern der DFB-Pokal. Die Meisterschaft beginnt dann in einer Woche – mit insgesamt 13 Schweizer Spielern, die ihr Geld in der Bundesliga verdienen. Goalie Gregor Kobel startet bei Borussia Dortmund bereits in seine sechste Saison, nachdem er zuvor für Hoffenheim, Augsburg und Stuttgart gespielt hatte. Sein Palmarès bei der Borussia wartet noch auf den ersten Eintrag, vielleicht gelingt dies ja in diesem Jahr.
Ein anderes Bundesliga-Urgestein ist Silvan Widmer. 2021 ist er vom FC Basel nach Mainz weitergezogen, wurde zum Captain ernannt und hat erst im Frühling seinen Vertrag verlängert. «Silvan hat in den letzten Jahren in der Rolle als Führungsspieler und Captain einen grossen Stellenwert für uns erreicht. Auch sportlich ist er im vergangenen Halbjahr, als grosser Druck auf uns lag, mit Leistung vorangegangen und hat seinen Teil zu der erfolgreichen Rückrunde beigetragen», würdigte Mainz-Sportdirektor Niko Bungert die Leistungen des 33-Jährigen, der in Mainz mit Urs Fischer nun auch einen Schweizer Trainer hat.
Gleich zwei Eidgenossen stehen beim VfB Stuttgart unter Vertrag, der einmal mehr mit Ambitionen in die Saison steigt. Da ist einerseits Luca Jaquez, der letzte Saison mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte und nun erneut an Muskelproblemen leidet und die Vorbereitung verpasste. Andererseits steht Leonidas Stergiou im Kader, der ebenfalls seit längerer Zeit immer wieder mit Blessuren zu kämpfen hatte, das letzte halbe Jahr an Heidenheim ausgeliehen war und dann von Stuttgart grünes Licht für einen Transfer bekommen hatte. Doch nun gibt es eine Wende. Aufgrund der Verletzung von Dan-Axel Zagadou, der mindestens bis Ende September ausfällt, kann der VfB in der Verteidigung jede Verstärkung gut gebrauchen – und plant deshalb wieder mit Stergiou, der als Innen- und Rechtsverteidiger spielen kann. Ob er bis zum Ende des Transferfensters doch noch eine Luftveränderung sucht, ist allerdings offen.
Trotz des Abgangs von Johan Manzambi nach England spielen weiterhin zwei Schweizer für den SC Freiburg: zum einen der 20-jährige Innenverteidiger Bruno Ogbus, der sich letzte Saison auf beeindruckende Art und Weise von einer schweren Verletzung (Achillessehnenriss) zurückgearbeitet und im Kader etabliert hat. Und zum anderen der 19-jährige Schaffhauser Rouven Tarnutzer, der wohl vor allem in der Regionalliga Spielpraxis sammeln wird.
Fabian Rieder stieg beim FC Augsburg zu Beginn seiner zweiten Saison in der Hierarchie auf und wurde ins Captainteam berufen. Keine Änderungen gibt es bei Joël Schmied und Miro Muheim, die weiterhin in Köln respektive beim HSV spielen werden, wobei Muheim aktuell mit Adduktorenproblemen zu kämpfen hat und es immer wieder Gerüchte um einen Abgang gibt, da sein Vertrag nur noch diese Saison läuft.
Neu in der Bundesliga sind die zuletzt noch an der WM engagierten Michel Aebischer (Union Berlin) und Cedric Itten (Werder Bremen), wobei es bei Itten spannend sein wird zu sehen, wie er sich im Konkurrenzkampf mit Rückkehrer Niclas Füllkrug behaupten wird.
Vor seinem Bundesligadebüt steht auch Alessandro Vogt. Der Stürmer ist von St. Gallen nach Hoffenheim weitergezogen, verletzte sich Ende Juli aber am Knöchel und kam deshalb mit Rückstand aus der Vorbereitung. Im Kampf um einen Platz im Sturm muss er sich mit Fisnik Asllani messen. Der Kosovare hätte für 25 Millionen Euro zu RB Leipzig wechseln sollen, doch der Transfer platzte aufgrund «medizinischer Bedenken». Nun tauchte plötzlich Dortmund als möglicher Abnehmer auf…
Adrian Gantenbein gehörte in der vergangenen Saison bei Schalke zum Aufstiegsteam, hatte aber auch immer wieder Blessuren und erlitt zuletzt eine schwere Verletzung am Syndesmoseband – er könnte mehrere Monate ausfallen.
Serie A
In Italien beginnt die Meisterschaft an diesem Wochenende – mit neun involvierten Schweizern. Manuel Akanji steigt bei Inter Mailand in seine zweite Saison und muss sich daran gewöhnen, dass nach dem Abgang von Yann Sommer nach Belgien in der Garderobe nicht mehr Schweizerdeutsch gesprochen wird. Ardon Jashari beginnt bei Lokalrivale AC Milan seine zweite Saison und muss darauf hoffen, dass er unter dem neuen Trainer Ruben Amorim mehr Einsatzzeit bekommt als letzte Saison. Für den Luzerner Sascha Britschgi, der nächste Woche erst 20 Jahre alt wird, geht es bei Parma darum, seine starke erste Saison zu bestätigen, während sich Simon Sohm immer mehr zu einem Wandervogel entpuppt. Der Zürcher hat von Florenz zu Aufsteiger Venedig gewechselt. Es ist für ihn in Italien bereits der vierte Klub im Land, seit er im Oktober 2020 nach Italien gewechselt ist.
Mittelfeldspieler Alessandro Romano, der im vergangenen Januar bei der AS Roma zu insgesamt sechs Spielminuten in der Serie A gekommen ist, wurde an Cagliari ausgeliehen. Neu in der höchsten italienischen Spielklasse sind Djibril Sow und Ethan Meichtry (beide FC Genua), Eray Cömert (FC Turin) und Junior Ligue, der im letzten halben Jahr an Mantova ausgeliehen war, dort aber nicht überzeugen konnte, sich stattdessen aber wie früher in Zürich als Problemspieler erwies. Gut möglich, dass der ehemalige FCZ-Junior schon bald wieder weiterziehen muss.
Premier League
In England wird die Saison heute Abend eröffnet – mit dem Spiel zwischen Titelverteidiger Arsenal und Aufsteiger Coventry City. Bei Coventry, dem Team von Frank Lampard, versucht sich auch Innenverteidiger Aurèle Amenda, der für stolze 18 Millionen Euro aus Frankfurt losgeeist wurde. Nachdem es während der WM noch grossen Wirbel um einen Wechsel zu Chelsea und seinem Ex-Trainer Xabi Alonso gegeben hat, ist Nati- und Sunderland-CaptainGranit Xhaka bei den «Black Cats» geblieben und darf sich auch in der Europa League präsentieren. Fabian Schär hat nach seiner schweren Fussverletzung seinen Vertrag bei Newcastle verlängert und muss nun versuchen, sich wieder ins Team zu spielen, während Dan Ndoye nach einer mässigen ersten Saison bei Nottingham unter dem neuen Trainer Oliver Glasner neuen Schwung aufnehmen will. Für Noah Okafor geht es darum, die frustrierende WM mit nur einem Kurzeinsatz endgültig aus den Knochen zu schütteln und bei Leeds zu brillieren, wo er eine starke erste Saison gespielt und acht Tore erzielt hat. Bei Leeds bekommt er mit Nico Elvedi in der Garderobe Schweizer Zuwachs: Der Innenverteidiger hat sich nach elf Jahren in der Bundesliga zum Wechsel auf die Insel entschieden, wo er unter seinem Ex-Trainer Daniel Farke wohl gesetzt sein dürfte. Gespannt sein darf man vor allem auch auf die Leistungen von Johan Manzambi, der durch seinen 65-Millionen-Euro-Wechsel von Freiburg zu Aston Villa zum teuersten Schweizer Fussballer wurde, aber immer noch mit der an der WM erlittenen Knieprellung kämpft.
La Liga
Nach den Abgängen von Djibril Sow, Eray Cömert und Ricardo Rodriguez umfasst das Schweizer Kontingent in der spanischen Meisterschaft nur noch zwei Spieler. Da ist einerseits Ruben Vargas, der beim Saisonauftakt (2:1 gegen Vallecano) 20 Minuten spielte und um den es immer wieder Gerüchte über einen möglichen Abgang gibt, zumal er an der WM mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Der zweite Schweizer ist Filip Ugrinic, der sich nach einer Verletzung beim FC Valencia im Aufbautraining befindet.
Ligue 1
In der französischen Meisterschaft versuchen insgesamt neun Schweizer, Titelverteidiger und Topfavorit Paris Saint-Germain zu ärgern. Allen voran Denis Zakaria, der das Team von AS Monaco schon in der letzten Saison angeführt hat und ein Leistungsträger war. Weiterhin mit dabei ist auch Goalie Philipp Köhn, der bereits letzte Saison hinter Lukas Hradecky nur die Nummer 2 war und vielleicht eine Luftveränderung nötig hätte. Ein Transfer könnte auch bei Breel Embolo erfolgen. Sein Vertrag bei Rennes läuft zwar bis 2029, doch seine Zukunft in Frankreich ist alles andere als sicher. Zuerst wurde ein Wechsel nach Übersee zu Atlanta United schon fast als fix gesehen, nun sieht es danach aus, dass der Basler zu Aufsteiger Ipswich Town in die Premier League weiterzieht. Affaire à suivre. Zachary Athekame soll bei Olympique Lyon Spielpraxis sammeln und wurde von der AC Milan nach Frankreich ausgeliehen. Offen ist dagegen die Zukunft von Ulisses Garcia. Er hat das letzte halbe Jahr leihweise bei Sassuolo gespielt und ist nun zu Olympique Marseille zurückgekehrt. Ob er da auch die ganze Saison bestreitet, muss sich erst noch zeigen – immerhin hatte er in der Vorbereitung einige Einsätze. Bryan Okoh konnte sich nach seinem Wechsel im Winter von Lausanne zu Auxerre auf Anhieb etablieren, zog sich dann aber einen Kreuzbandriss zu und fällt noch monatelang aus. Goalie Yvon Mvogo ist bei Lorient ein sicherer Wert und die klare Nummer 1. Felix Mambimbi hat kürzlich einen Achillessehnenriss erlitten und wird Le Havre für mehrere Monate fehlen, während der 20-jährige Genfer Verteidiger Loun Srdanovic für eine Ablöse von drei Millionen von Servette zu Lille weitergezogen ist und einen Vertrag bis 2030 unterschrieben hat.
Insgesamt stehen damit aktuell 40 Schweizer in den fünf europäischen Top-Ligen unter Vertrag. Man darf gespannt sein, wer von ihnen in den kommenden Monaten für Schlagzeilen sorgt.