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Mammutaufgabe für Alonso

Andy

Xabi Alonso wurde vor nicht langer Zeit als der kommende grosse Trainer im Weltfussball gehandelt. Nun muss er bei Chelsea in der Premier League beweisen, was wirklich in ihm steckt.

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Xabi Alonso wirkt nun bei Chelsea – und steht unter Druck. © IMAGO / Avalon.red

Als Fussballer war der Spanier unbestritten Weltklasse. Er war Welt- und Europameister und gewann mit Liverpool, Real Madrid und Bayern München Lastwagenladungen an Trophäen, darunter zweimal die Champions League (2005 mit Liverpool, 2014 mit Real). Nach seinem Rücktritt vor neun Jahren wechselte er auf die Trainerbank, arbeitete sich Stufe um Stufe aufwärts und übernahm nach fünf Jahren im Nachwuchs von Real Sociedad und Real Madrid im Oktober 2022 Bayer Leverkusen.

In Deutschland katapultierte sich Alonso mit einem Schnellstart ins Rampenlicht. 2024 führte er das Team mit Granit Xhaka zum Double, wurde in der Bundesliga zum Trainer des Jahres – und sofort buhlten die namhaften Klubs um ihn. Allen voran seine Arbeitgeber in seiner Spielerkarriere: Bayern, Real und Liverpool. Das Rennen machte schliesslich Real Madrid, das ihn mit einem Vertrag bis 2028 ausstattete.

Schlechte Entwicklung

Doch die Rückkehr wurde keine Erfolgsgeschichte, auch wenn die nackten Zahlen nicht katastrophal waren: 34 Pflichtspiele, 24 Siege, 4 Unentschieden und 6 Niederlagen, entsprechend 2,24 Punkte pro Partie. Das Problem waren aber nicht die Resultate, sondern wie sich die Mannschaft entwickelte und gegen wen Real verlor. Nach einem zunächst guten Saisonstart – zeitweise führte Real die Liga mit fünf Punkten Vorsprung an – geriet das Team im November und Dezember in eine Krise. Dazu kamen empfindliche Niederlagen gegen Schwergewichte wie Paris Saint-Germain, Atlético Madrid, Liverpool und Manchester City. Gleichzeitig gab es offenbar Spannungen zwischen Alonso und wichtigen Spielern, unter anderem Vinicius Junior und Federico Valverde. Entscheidend wurde dann der spanische Supercup im Januar 2026. Real setzte sich im Halbfinal gegen Atlético mit 2:1 durch und erreichte das Endspiel gegen Barcelona. Kurz danach war Alonsos Amtszeit beendet: Am 12. Januar 2026 teilte Real offiziell mit, dass man sich «in gegenseitigem Einvernehmen» getrennt habe.

Die Batterien aufgeladen

Rückblickend sagt der Spanier: «Zum Glück habe ich in meiner Karriere nicht viele Narben davongetragen. Ich habe eine, aber sie heilt. Jetzt, da es vorbei ist, bin ich sehr motiviert und entschlossen, diese neue Etappe genauso zu geniessen, wie ich es getan habe, als ich in Madrid angefangen habe.» Die Pause nach dem Aus in Madrid nutzte er, um die Batterien aufzuladen, wie er kürzlich verriet: «Es ist entscheidend, Leidenschaft und Begeisterung für das Spiel in jede Trainingseinheit einzubringen. Ich habe diese Zeit hauptsächlich für mich selbst genutzt. Ich habe abgeschaltet und nicht viel Fussball verfolgt.» Rückblickend konzentriere er sich auf die positiven Aspekte und analysiere, was nicht funktioniert hat. «Man lernt aus Enttäuschungen, aus den Dingen, die nicht nach Plan gelaufen sind, und versucht, sich davon zu überzeugen, dass die Zukunft immer bessere Dinge bringen wird.»

XXL-Kader als Mammutaufgabe

Mit dem Scheitern in Madrid bekam der Erfolgslack Alonsos erste Kratzer, die er nun bei Chelsea auspolieren soll. Doch das wird alles andere als einfach. Denn Chelsea kommt seit Jahren nicht auf Touren. In der letzten Saison belegten die Blues in der Meisterschaft nur gerade Rang 10. Den letzten Meistertitel gab es 2017 unter dem Italiener Antonio Conte. Es ist natürlich zu wenig für die Ansprüche der Blues, die im Hinblick auf die neue Saison 408 Millionen Euro in neue Spieler investiert haben, davon alleine 138 Millionen für Mittelfeldspieler Morgan Rogers von Aston Villa. Der Marktwert des Kaders beläuft sich aktuell auf 1,36 Milliarden Euro – es ist hinter Arsenal (1,41 Mia.) der zweithöchste in der Liga. Allerdings gibt es da noch ein wichtiges Detail: Bei Chelsea stehen 40 Spieler im Kader, bei den anderen Titanen nur 29 oder 30. Nimmt man den durchschnittlichen Marktwert der Spieler, belegt das Team von Xabi Alonso mit 34,04 Mio. «nur Rang 3». Hinter Titelverteidiger Arsenal (48,50 Mio.) und Manchester City (46,92 Mio.), aber vor Liverpool (33,32 Mio.) und Manchester United (29,14 Mio.).

Doch es ist nur eine Momentaufnahme. Noch hat das Transferfenster geöffnet – und bei Chelsea und Alonso geht es darum, das XXL-Kader durch Verkäufe oder Leihgeschäfte massiv zu verkleinern und wenn möglich qualitative Inputs zu setzen. Denn sonst wird es für Alonso eine Mammutaufgabe, die Profis zufriedenzustellen. Dazu tobt im Hintergrund ein Machtkampf: Mitbesitzer Todd Boehly und Geschäftspartner Mark Walter denken über den Verkauf ihrer Anteile an Mehrheitseigner Clearlake Capital nach.

So oder so muss Alonso nun liefern. Nach Stationen in Spanien und Deutschland ist die Premier League die dritte Top-Liga, in der er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen darf. Die Erwartungen an den ehemaligen Welt- und Europameister sind hoch. Bei den Fans der Blues und auch bei der Vereinsführung. Und für den Spanier geht es darum, sein Erfolgsimage wieder aufzupolieren – und zu beweisen, dass er tatsächlich jener grosse Trainer ist, als der er vor nicht allzu langer Zeit gehandelt wurde.

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