skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Analysen Fussball

Bankdrücker nach nur einem Spiel: Pascal Loretz' Kaltstart in Hannover

Patrick

Das hatte sich Pascal Loretz mit Bestimmtheit anders vorgestellt. Kaum in der 2. Bundesliga angekommen, sitzt der 23-jährige Luzerner bei seinem neuen Arbeitgeber in Hannover bereits auf der Bank – und das, ohne sich einen eindeutigen Patzer geleistet zu haben. Wie ist das möglich? Wir werfen einen Blick in die niedersächsische Landeshauptstadt.

Keystone_Urs Flueeler_Muss in Hannover vorerst unten durch
Muss in Hannover vorerst unten durch: Ex-Luzern-Keeper Pascal Loretz © Keystone / Urs Flueeler

«Nimm du, ich hab’ ihn sicher»

Ach, wer kennt sie nicht: Diese Szenen, die Fussballspiele völlig unnötigerweise (vor)entscheiden und manchmal noch deutlich länger nachhallende Konsequenzen mit sich bringen. So wie im Fall von Neo-Hannoveraner Pascal Loretz, der bei seinem Pflichtspiel-Debüt in der 69. Minute das Opfer fehlender Abstimmung in der Hintermannschaft der 96er wurde. Im Anschluss verursachte der langjährige FCL-Keeper zwar den darauffolgenden Elfmeter; verantwortlich machen kann man Loretz dafür aber nur, wenn man die Meinung vertritt, ein Torhüter müsse aus dem Stand acht Meter Distanz schneller bewältigen als sein bereits angelaufener Verteidiger deren zwei. Oder aber, wenn man Trainer ist, Christian Titz heisst und bereits nach den ersten 90 Minuten der neuen Saison kräftig unter Druck steht.

 

Gefährliche Dynamik

Auf alle Fälle hat sich Titz’ Situation durch das 0:1 gegen Wolfsburg am zweiten Spieltag genauso wenig gebessert, wie man Pascal Loretz die Schuld an den Gegentoren der Vorwoche hätte geben können (neben dem erwähnten Elfmeter kamen noch ein abgefälschter Freistoss und ein Schuss aus kurzer Distanz dazu). Trotzdem sass Loretz – im Sommer für über eine Million Euro aus Luzern geholt und viertwertvollster Spieler im Kader – bereits im zweiten Pflichtspiel dieser Saison auf der Bank.

Ersetzt wurde er durch Leo Weinkauf, den 30-jährigen Ersatzkeeper der Niedersachsen, der in den vergangenen vier Spielzeiten kein einziges Mal in der 2. Liga zum Einsatz gekommen war. An der Niederlage gegen die Wölfe war Weinkauf freilich schuldlos. Das ändert allerdings wenig daran, dass die Entscheidung, einen jungen, entwicklungsfähigen und als Nummer 1 geholten Keeper nach nur einem Einsatz auf die Bank zu setzen, Fragen aufwirft. Fragen nach der Zukunft von Titz zum Beispiel, dem der schlussendlich leichtfertig verpasste Aufstieg der Vorsaison ohnehin noch in den Kleidern steckt. Fünf Punkte und ein paar Tore hätten den Hannoveranern aus den letzten Partien gegen Absteiger Münster, Bochum und Nürnberg für den direkten Aufstieg genügt, geworden ist es «dank» dreier Unentschieden schliesslich Rang 4. Eine Hypothek, die den 96ern heute noch schwer auf dem Magen liegt.

 

Zwei Welten und eine trotzdem positive Perspektive

Gleiches lässt sich natürlich auch von Pascal Loretz behaupten, der nach 121 Super-League-Spielen und drei Nati-Aufgeboten zum ersten Mal in seiner Karriere echten Gegenwind verspürt. Mittelfristig kann das für die noch nicht abgeschlossene Entwicklung des 1,91 Meter grossen Schlaks sehr wertvoll sein, kurzfristig ist es aber in erster Linie sehr bitter. Denn auch Loretz wird nicht entgangen sein, wie beispielsweise an seiner alten Zentralschweizer Wirkungsstätte derzeit mit einem ähnlich jungen Torhüter umgegangen wird: Simon Simoni, im Sommer aus Deutschland gekommen, steht dort auch nach drei Patzern der allergröbsten Sorte noch immer im Tor – auch wenn ihm seit heute Nachmittag neue Konkurrenz und die Degradierung zur Nummer 2 drohen. Immerhin aber hat der 22-Jährige über vier Partien hinweg die Chance erhalten, seinen Wert für den Verein unter Beweis zu stellen. Ein Zustand, den sich Loretz aktuell nur zurückwünschen kann, auch wenn sich in Hannover über kurz oder lang Ruhe, Sachlichkeit und Weitblick wieder durchsetzen müssten. Bis dahin wird sich der Luzerner jedoch gedulden müssen, um im Anschluss idealerweise gestärkt ins Tor der 96er zurückzukehren.

 

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss