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Vier Duelle um europäische Millionen

Andy

Am Donnerstag treten der FC Thun, der FC St. Gallen, der FC Sion und der FC Lugano wieder auf der europäischen Bühne an. Wer belohnt sich mit einem Millionensegen?

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Ist die Thuner Defensive um Captain Marco Bürki gegen Lech Posen stabiler als zuletzt? © KEYSTONE EPA/ANTONIO BAT

Bereits auf der sicheren Seite ist Meister FC Thun. Die Berner Oberländer stehen nach dem Sieg gegen Vikingur Reykjavik in den Playoffs zur Europa League und haben die Teilnahme an der Ligaphase der Conference League bereits auf sicher. Diese Qualifikation im europäischen Wettbewerb mit dem geringsten Renommee wird mit einem Startgeld von 3,17 Millionen Euro belohnt, dazu bezahlt die Uefa in der Ligaphase Siegprämien von 400'000 Euro und honoriert jedes Unentschieden mit 133'000 Euro. Noch lukrativer wird es, wenn Thun die Playoffs meistert und in die Ligaphase der Europa League einzieht. Hier beträgt das Startgeld 4,31 Millionen Euro, dazu kommen 450'000 Euro pro Sieg und 150'000 Euro für jedes Remis. In der Europa League würden zweifellos auch attraktivere Gegner warten – und in der Endabrechnung höhere TV-Gelder fliessen.

Thun nur Aussenseiter

So weit, so gut. Doch die letzte Hürde auf dem Weg in die Europa League hat es in sich: Lech Posen, der amtierende polnische Meister, für den es der zehnte Titel in der Vereinsgeschichte war. Der Start in die neue Saison ist Lech geglückt: Nach drei Spieltagen stehen zwei Siege und ein Unentschieden in der Statistik. In der zweiten Quali-Runde zur Champions League scheiterte das Team des dänischen Trainers Niels Frederiksen erst im Penaltyschiessen an Aarhus und offenbarte einige Schwächen, als es im Rückspiel daheim den Vorteil des 4:1-Auswärtssieges verspielte. Danach ging es in der Qualifikation zur Europa League weiter, wo sich Lech gegen den färöischen Vertreter Klaksvik mit einem Gesamtskore von 6:0 durchsetzte, wobei sechs verschiedene Spieler die Tore erzielten.

Lech Posen ist ein spielstarker und individuell gut besetzter Gegner. Das Kader hat einen Gesamtwert von 57,50 Millionen Euro und wird mehr als zweieinhalb Mal höher taxiert als jenes der Thuner (21,08 Millionen). Der wertvollste Spieler der Polen ist der erst 19-jährige Innenverteidiger Wojciech Monka, der kürzlich dem PSV Eindhoven angeboten worden sein soll. Sein Marktwert: zehn Millionen Euro. Der mit 2,5 Millionen Euro am höchsten eingestufte Thuner Feldspieler ist Linksverteidiger Michael Heule, der beim FC Basel ganz oben auf der Wunschliste steht.

Der Schweizer Meister ist in diesem Millionen-Duell gegen den polnischen Champion der Aussenseiter, aber sicher nicht chancenlos. Allerdings muss sich das Team von Cheftrainer Gian-Luca Privitelli speziell in der Defensive massiv steigern. In den bisher sieben Saisonspielen in der Meisterschaft und auf dem europäischen Parkett kassierten die Berner Oberländer 18 Tore – es ist eine grosse Baustelle.

Im Gegensatz zum FC Thun haben St. Gallen, Sion und Lugano die europäischen Millionen noch nicht sicher. Sie müssen ihr Ticket für die Ligaphase der Conference League zuerst noch lösen – und sind gefordert.

St. Gallen mit Duell auf Augenhöhe

Die letzte Hürde für den FC St. Gallen ist der FC Nordsjaelland. Der dänische Klub gehört der Mansour Group, einer der grössten Firmen Ägyptens. Es ist ein Konstrukt, dem neben Nordsjaelland auch der TUT FC in Ägypten, der San Diego FC in den USA und die Right to Dream Academy in Ghana angehören. Diese Kooperation hat zuletzt einen Rekordtransfer hervorgebracht. Mittelfeldspieler Caleb Yirenkyi kam von der Dream Academy zu Nordsjaelland und wurde nun für 27 Millionen Euro zu Coventry City in die Premier League verkauft. Von dieser Summe wurden 3,20 Millionen in Mittelstürmer Alexander Lind (Pisa) und Linksaussen Ibrahim Adel (Al-Jazira) investiert. Zwei Spieler, auf die die St. Galler definitiv aufpassen müssen. Dass ein Duell auf Augenhöhe zu erwarten ist, zeigt auch ein Blick auf den Marktwert, wobei Nordsjaelland (36,7 Mio.) gegenüber den Ostschweizern (31,85 Mio.) einen kleinen Vorteil hat. Aber das Team von Enrico Maassen ist formstark, hat von insgesamt acht Spielen in dieser Saison sechs gewonnen und einzig gegen Benfica Lissabon verloren.

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Bei YB waren Mohamed Ali Camara und David von Ballmoos noch Teamkollegen, nun sehen sie sich als Gegner wieder.

Favorit Lugano

Gute Chancen auf die Ligaphase hat der FC Lugano, der in den Playoffs auf Maccabi Tel Aviv trifft. Der israelische Klub hat einen Kaderwert von 36,03 Millionen Euro (Lugano: 38,58) und hatte zuletzt in der Qualifikation zur Europa League gegen ZSKA Sofia das Nachsehen. Im Team des schottischen Trainers Kenny Miller steht mit Innenverteidiger Mohamed Camara ein in der Schweiz bestens bekanntes Gesicht: Er spielte von 2018 bis 2025 insgesamt 193 Matches für die Young Boys. So kommt es nun zum Wiedersehen mit dem früheren YB- und heutigen Lugano-Keeper David von Ballmoos.

Lugano, das 2017 und 2022 in den beiden bislang einzigen Aufeinandertreffen mit Teams aus Israel an Hapoel Beer Sheva scheiterte, spielt zuerst am Donnerstag daheim und muss eine Woche später nach Batumi an der Schwarzmeerküste reisen (2600 km Luftlinie entfernt), da Maccabi sein Heimspiel aufgrund der unsicheren Lage in Israel nicht in Tel Aviv austragen darf.

Sion krasser Underdog

Die grösste Hürde auf dem Weg an die europäischen Preisgeldtöpfe muss der FC Sion überwinden. Die Walliser treffen auf Ajax Amsterdam, einen Klub mit grossem internationalen Renommee. Ajax Amsterdam ist mit 36 Titeln Hollands Rekordmeister und hat viermal die Champions League oder zuvor den Meistercup gewonnen. Hier spielten unter anderem Legenden wie Johan Cruyff, Marco van Basten, Ronald Koeman, Edgar Davids, die De-Boer-Zwillinge Frank und Ronald sowie Edwin van der Sar. Und auf diese Saison hin wurden einige bemerkenswerte Transfers getätigt: Neu gekommen sind die deutschen Ex-Nationalspieler Julian Brandt und Marc-André ter Stegen, der Niederländer Daley Blind (Girona) sowie die Brasilianer Marcos Leonardo (Al-Hilal) und Caio Henrique (Monaco) und der Spanier Jofre Torrents (Barcelona). Gegangen ist dagegen der belgische Nationalspieler Mika Godts – für 45 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain.

Apropos Geld: Ajax bewegt sich betreffend Marktwert in einer anderen Liga als der FC Sion – 200,90 Millionen Euro gegenüber 30,05 Millionen. Dieser Vergleich zeigt, dass Ajax der haushohe Favorit und Sion der krasse Aussenseiter ist. Aber ohne Chancen ist der FC Sion nicht. Den letzten Meistertitel gewannen die Niederländer 2022 und in der Eredivisie gab es zuletzt lediglich ein 2:2 gegen den SC Heerenven. Das sorgt doch für einen Hoffnungsschimmer.

 

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