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Eine «amour fou» und viele Tore

Andy

Der Berner Michael Frey (32) ist in seiner Karriere weit herumgekommen und hat viel gesehen. Nach einer missglückten Station beim Grasshopper Club Zürich hat er bei Royal Antwerpen wieder zum Erfolg gefunden. Es ist wohl der Klub seiner Bestimmung.

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Michael Frey ist zurück in Antwerpen und sorgt für Tore und Emotionen. © IMAGO / Belga

Als Michael Frey im vergangenen Winter von den Queens Park Rangers zum Grasshopper Club Zürich kam, war er der grosse Hoffnungsträger für bessere Zeiten. Doch die Bilanz in Zürich war ernüchternd. Wettbewerbsübergreifend erzielte er in 16 Matches und 1282 Spielminuten ganze zwei Tore. Pro Treffer brauchte er also 641 Minuten. Für einen einst hochgehandelten Stürmer war es schlicht ungenügend.

Der Berner hat sowieso eine spezielle Karriere hinter sich. Sein Debüt im Spitzenfussball gab er 2012 bei den Young Boys. Noch nicht einmal 18 Jahre war er da alt. Im Sommer 2014 machte er sich schliesslich auf, um die Fussballwelt zu erobern. Für drei Millionen Euro wechselte er nach Frankreich zu Lille. Es war seine erste Station im Ausland – und eine von vielen, auch wenn er zwischendurch in die Schweiz zurückkehrte und bei Luzern, den Young Boys, dem FC Zürich oder zuletzt GC seiner Karriere neuen Schwung geben wollte. Zahlreich waren aber auch seine Arbeitgeber im Ausland: Fenerbahce, Nürnberg, Waasland-Beveren, Schalke, Antwerpen, die Queens Park Rangers und nun erneut Antwerpen. Immer wieder setzte er Ausrufezeichen, um dann wieder von der Bildfläche zu verschwinden.

Leiden und wieder aufstehen

Als Rekordmeister GC im vergangenen Frühling den Abstieg erst in der Barrage verhindern konnte, zog Frey wieder einmal die Notbremse. Er löste den Vertrag vorzeitig auf. Ein paar Tage später verabschiedete er sich über die sozialen Kanäle vom Klub und den Fans. Zu Bildern seines Jubels postete Frey die Worte: «Meine letzten beiden Tore für GC. Sie stehen sinnbildlich für das, was diese Saison war: kämpfen, leiden, aufstehen und am Ende das Ziel erreichen.»

Gekämpft hat Frey immer, in jedem Spiel. Gelitten hat er ganz sicher auch, denn bei den Hoppers passte nicht viel zusammen, es war alles ein Geknorze. Der Stürmer ist aber dennoch immer wieder aufgestanden und hat den Grasshoppers am Ende dabei geholfen, das Mindestziel zu erreichen: den Ligaerhalt.

Nach dem unglücklichen Abenteuer in der Schweiz hat er nun bis 2028 bei Royal Antwerpen in der belgischen Jupiler Pro League unterschrieben. Bei dem Klub, bei dem er schon von 2021 bis 2024 unter Vertrag gestanden war, zwischendurch aber auch auf Leihbasis für Schalke auf Torjagd gegangen war, ehe er zu QPR weiterzog.

Historisches Fünferpack und Probleme mit Van Bommel

Frey und Antwerpen – es ist sowieso eine ganz spezielle Beziehung. Frey kam 2021 zu den Belgiern und wurde sehr schnell zum Publikumsliebling. In seiner ersten Saison erzielte er 24 Tore in allen Wettbewerben, sein Fünferpack gegen Standard Lüttich besitzt bei den Fans beinahe Kultstatus. Insgesamt kam er in seiner ersten Antwerpen-Phase auf 33 Tore in 69 Spielen. Das Verhältnis zum Klub änderte sich nach der Verpflichtung von Vincent Janssen und unter Trainer Mark van Bommel. Frey verlor seinen Stammplatz. Im Januar 2023 eskalierte die Situation: Nach einem 3:0-Cupsieg in Genk, bei dem Frey nur rund 15 Minuten gespielt hatte, erklärte er verärgert sinngemäss, dies sei sein letztes Spiel für Royal gewesen. Van Bommel sagte anschliessend, Frey sei unzufrieden, er selbst wolle ihn aber eigentlich nicht verlieren.

Frey wechselte daraufhin leihweise zu Schalke. Als er dann im Sommer 2023 nach Antwerpen zurückkehrte, wurde es richtig hässlich. Später sagte Frey in einem Interview, Van Bommel habe ihn bereits am zweiten Trainingstag zu sich gerufen und ihm gesagt: «Du wolltest im Winter kein Teil von uns sein, dann bist du es auch jetzt nicht.» Nach eigener Aussage musste Frey anschliessend zuerst mit der zweiten Mannschaft und später separat mit zwei weiteren Spielern trainieren; innerhalb des Klubs habe kaum noch jemand mit ihm gesprochen.

258 Spielminuten – vier Tore

Doch irgendwie scheint es doch eine «amour fou» zu sein. Royal holte Frey Ende Juli ablösefrei zurück und gab ihm einen Vertrag bis 2028. Und der Stürmer bedankte sich auf seine eigene und spektakuläre Art und Weise. Im ersten Heimspiel nach seiner Rückkehr erzielte er beim 2:1-Sieg gegen Beveren beide Treffer, wobei er einmal per Fallrückzieher traf. Und am vergangenen Wochenende gelang ihm beim 4:4 gegen Genk erneut ein Doppelpack. 258 Spielminuten, vier Tore, alle rund 64 Minuten ein Treffer – es ist eine Bilanz, welche den Grasshopper Club Zürich wohl vor Neid erblassen lässt.

Such da zeigten sich wieder die Kämpferqualitäten des Berners. Antwerpen lag gegen Genk nach 70 Minuten mit 1:4 und zehn Minuten später mit 2:4 zurück. Doch dann sorgte Frey mit zwei Last-Minute-Treffern für den Ausgleich. Damit hatte er seine Leistung beim ersten Spiel nach seiner Rückkehr getoppt. Und schon damals war er mit Lob überschüttet worden. «Vor dem Spiel sagte ich ihm, dass ich zwei Tore von ihm erwarte. Und schaut: Er hat es tatsächlich gemacht», hatte sein Trainer Marvin Compper nach dem Sieg gegen Beveren erklärt. «Ich kenne ihn gut genug. Er ist ein Killer im Strafraum, wenn wir den Ball zu ihm bringen. Seit Jahren zeigt er, dass er weiss, wo das Tor steht. Ich glaube, dass ihm die Atmosphäre auf den Tribünen hier unglaublich viel Energie gibt.» Und auch sein Teamkollege Rein Van Helde schwärmte vom Schweizer: «Was für eine Maschine! Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so hart arbeitet. Durch seine harte Arbeit kreiert er Chancen.»

Michael Frey und Royal Antwerpen – diese «amour fou» ist um ein Kapitel reicher. Und derzeit wieder einmal eine Liebesgeschichte.

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