Ndoye trifft – Athekame mit Assist
In den grossen europäischen Ligen wird wieder um Tore, Punkte und Titel gekämpft. Mittendrin sind zahlreiche Schweizer. Ein Überblick über die letzten Tage.
In der Deutschschweiz liegt ein Grossteil des Interesses auf der Bundesliga, wo aktuell ein Dutzend Schweizer unter Vertrag stehen, nachdem für Stürmer Alessandro Vogt das Kapitel Hoffenheim für den Moment schon vorbei ist. Nach dem geplatzten Wechsel von Fisnik Asllani wird Vogt, der bei Hoffenheim aufgrund seiner Blessur am Sprunggelenk einen denkbar schlechten Start hatte, an den Zweitligisten Heidenheim ausgeliehen, nachdem es mehrere Interessenten gegeben hatte.
Union: Spektakel – und Imeri?
Ein weiterer Schweizer steht kurz vor dem Wechsel nach Deutschland. Kastriot Imeri, den Meister Thun nach der Leihe nicht fix übernehmen wollte, wird von den Young Boys zu Union Berlin weiterziehen und damit dem Thuner Meistertrainer Mauro Lustrinelli folgen. Imeri soll einen Vertrag bis 2029 unterschreiben und rund 2,5 Millionen Euro Ablöse kosten. Damit wird der Genfer Teamkollege von Michel Aebischer, der beim spektakulären 3:3 von Union gegen Frankfurt nach einer Stunde und mit Gelb vorbelastet ausgewechselt wurde. Schon bis dahin hatte sich aber gezeigt: Der Wunsch der Unioner Führung nach Fussball mit mehr Spektakel und weniger Kontroller ist für Mauro Lustrinelli Befehl.
Ein Spektakel boten einmal mehr auch die Bayern, die am Freitag die Bundesligasaison mit einem 5:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart eröffneten. Luca Jaquez fehlte bei den Schwaben verletzt, Leonidas Stergiou wurde für die letzte Viertelstunde eingewechselt. Aktuell sieht es danach aus, dass der Ex- St. Galler in Stuttgart bleibt, nachdem er erst vor kurzer Zeit die Wechselfreigabe erhalten hatte.
Fixe Grössen sind dagegen Gregor Kobel in Dortmund und Fabian Rieder in Augsburg. Goalie Kobel gelang gegen den HSV in seinem 200. Bundesligaspiel beim 2:0 gegen den Hamburger SV sein 56. Shutout, während Miro Muheim bei den Hanseaten fehlte. Die offizielle Begründung sind Adduktorenbeschwerden, gleichzeitig wird gemunkelt, dass die Hamburger den Aussenverteidiger gerne abgeben würde. Die nächsten Tage werden für Klarheit sorgen. Fabian Rieder ist beim FC Augsburg eine fixe Grösse und führte das Team beim 3:0-Sieg gegen Schalke (ohne den verletzten Adrian Gantenbein) als Captain aufs Feld, sah früh Gelb und wurde fünf Minuten vor Schluss ausgewechselt.
Aktuell einen schweren Stand haben auch ein paar weitere Schweizer: Bruno Ogbus stand beim 4:1-Sieg gegen Werder Bremen wie auch sein Teamkollege Rouven Tarnutzer nicht im Kader. Bei Werder musste Cedric Itten Rückkehrer Niclas Füllkrug den Vortritt lassen, doch der deutsche Nationalspieler zeigte alles andere als eine überzeugende Leistung. Mal schauen, ob schon bald Itten eine Chance bekommt. Er kam nach einer Stunde für Füllkrug ins Spiel, brachte aber ebenfalls nichts Zählbares zustande. Und Innenverteidiger Joël Schmied wurde zwar beim 1. FC Köln für die Auftritte in der Vorbereitung belohnt, kam beim 3:2 gegen Hoffenheim aber erst in der Nachspielzeit zum Einsatz, um den knappen Sieg zu sichern.
Silvan Widmer wurde bei der enttäuschenden Nullnummer von Mainz gegen Aufsteiger Paderborn von Trainer Urs Fischer zunächst auf die Bank gesetzt und erst eine Viertelstunde vor Schluss ins Spiel gebracht. Doch unmittelbar nach dem Betreten des Spielfelds erhielt Widmer von Nadiem Amiri die Captainbinde überreicht. Es ist ein grosses Zeichen für den Stellenwert des Schweizers in seinem Klub. Vorbei ist für Widmer dagegen das Thema Nati: Er hat sich entschieden, nach 65 Länderspielen seine Nati-Karriere zu beenden. Dies vor allem auch, weil er zuletzt von seinem Körper regelmässig Signale für mehr Erholung bekam.
Ugrinic der letzte Mohikaner in La Liga?
In Spanien fehlte Ruben Vargas auch bei der 1:3-Niederlage von Sevilla gegen Atlético im Aufgebot, was die Spekulationen über einen Transfer weiter anheizt. Aktuell sind Olympiakos Piräus und der FC Bologna die heissesten Kandidaten als Abnehmer des Schweizers, dessen Marktwert auf 15 Millionen Euro geschätzt wird. Aber fix ist offenbar noch nichts. Damit ist momentan Filip Ugrinic der einzige Schweizer in der höchsten spanischen Liga – bei der 1:3-Niederlage von Valencia gegen Deportivo spielte der frühere Luzern- und YB-Mittelfeldspieler durch.
Dan Ndoye sorgte in der Premier League für das einzige Schweizer Tor in den europäischen Top-5-Ligen. Der Waadtländer stand bei Nottingham zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startformation und erzielte gegen Liverpool nach 24 Minuten den Führungstreffer. Zum Sieg reichte es zwar nicht, am Ende stand es 2:2. Doch Ndoye zeigte ein weiteres Mal sein immenses Können. Nati-Captain Granit Xhaka feierte mit dem 1:0 gegen Fulham nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen Ipswich den ersten Saisonsieg und gehörte einmal mehr und wie üblich zu den Besten seines Teams, während Nico Elvedi bei seinem Premier League-Debüt mit Leeds und Teamkollege Noah Okafor gegen Brentford nicht über ein 1:1 hinauskam. Aurèle Amenda spielte bei Coventry auch im zweiten Spiel (0:1 im Aufsteigerduell gegen Hull) durch und kassierte die zweite Niederlage, während der lange verletzte Fabian Schär beim 2:0 von Newcastle gegen Tottenham nur die Bank drückte. Shootingstar Johan Manzambi fehlt dagegen nach wie vor und verpasste am Montagabend die 0:1-Heimniederlage von Aston Villa gegen Titelverteidiger Arsenal.
Jashari mit Fast-Tor
In Italien gewann Ardon Jashari mit Milan gegen Venedig 2:0. Der Schweizer wurde in der 74. Minute für Luka Modric eingewechselt und konnte in der 89. Minute alleine auf das gegnerische Tor losziehen. Mit seinem Schussversuch scheiterte er zwar, doch der Ball prallte vom Torhüter an den Körper von Venezia-Verteidiger Redouane Halhal und von da ins Tor. Der Treffer wurde als Eigentor gewertet, sodass Jashari weiterhin auf sein erstes Pflichtspieltor für Milan wartet. Auf der Gegenseite wurde Simon Sohm nach 65 Minuten eingewechselt – Junior Ligue kam nicht zum Einsatz und ist gerüchtehalber beim Klub nicht mehr erwünscht.
Djibril Sow und Ethan Meichtry verloren mit dem FC Genua gegen Lazio Rom mit 0:1. Sow wurde nach einer Stunde ausgewechselt, Meichtry kam zwanzig Minuten später ins Spiel. Sascha Britschgi verlor mit Parma gegen Juventus 0:2 und wurde fünf Minuten vor Ende aus dem Spiel genommen, Eray Cömert verlor mit Turin gegen Sassuolo 1:2 und hatte nach 67 Minuten Feierabend. Manuel Akanji kam mit Inter Mailand auswärts zu einem 1:0-Sieg gegen Cagliari und wurde nach 70 Minuten gelbvorbelastet ausgewechselt. Bei Cagliari war auch Alessandro Romano mit von der Partie, der aktuell einige Schlagzeilen produziert. Laut «La Gazzetta dello Sport» hat sich der 20-jährige Mittelfeldspieler für Italien entschieden, nachdem er bis zur U20-Ebene die Schweiz vertreten hat. Geht da wieder einmal ein Talent verloren?
In der Ligue 1 gewann Captain Denis Zakaria mit der AS Monaco, bei der Philipp Köhn nur Ersatzgoalie war, gegen Marseille (Ulisses Garcia nur Ersatz) dank zwei Toren von Paris Brunner 2:0 und ist neuer Leader, während sich Titelverteidiger Paris Saint-Germain gegen Lille (ohne Loun Srdanovic) im zweiten Saisonspiel mit dem zweiten Remis begnügen musste. Torhüter Yvon Mvogo verlor mit Lorient daheim gegen Troyes mit 1:2. Zachary Athekame spielte bei Lyon auch im zweiten Spiel durch, kam gegen Le Havre zu einem 1:1 und liess sich einen Assist gutschreiben. Da scheint sich nach dem Rücktritt von Silvan Widmer ein Rechtsverteidiger in Position zu bringen. Bei Gegner Le Havre fehlte der langzeitverletzte Felix Mambimbi. Ebenfalls eine längere Zwangspause muss Auxerre-Innenverteidiger Bryan Okoh (Kreuzbandriss) einlegen.